Menschen in Darup
Eine „Heimat-Bewegerin“

Darup -

Sie ist keine „Hiesige“, doch Darup ist ihr zur Heimat geworden. Und für ihre Heimat engagiert sich Christiane Gottschalk sehr. Deshalb ist ihr nun der „Heimatpreis 2020“ zuerkannt worden.

Freitag, 05.03.2021, 18:00 Uhr
Heimat – das ist für Christiane Gottschalk Darup. Mit Leib und Seele setzt sie sich für „ihre“ Heimat ein – dafür wurde sie mit dem Heimatpreis des Kreises Coesfeld ausgezeichnet.
Heimat – das ist für Christiane Gottschalk Darup. Mit Leib und Seele setzt sie sich für „ihre“ Heimat ein – dafür wurde sie mit dem Heimatpreis des Kreises Coesfeld ausgezeichnet. Foto: Iris Bergmann

Heimat – das ist für Christiane Gottschalk Darup, das kleine Dorf am Rande der Baumberge. Und für diese Heimat engagiert sich die ehemalige Gymnasiallehrerin seit vielen Jahren über das normale Maß hinaus. Dieses Engagement wurde im Rahmen des Heimatpreises des Kreises Coesfeld ausgezeichnet. In der Kategorie „Privatpersonen“ erhielt sie 2000 Euro. Offiziell soll die Preisverleihung im Mai in der Kolvenburg in Billerbeck stattfinden. „Heimat-Beweger“ lautete das Motto des Heimatpreises 2020. Und bewegt hat die 69-Jährige in Darup einiges.

Dabei ist sie gar keine „Hiesige“. Geboren ist sie „so in der Grenzregion Sauerland/Siegerland“, schmunzelt Gottschalk, und erst 1976 verschlug es sie und ihren Mann Erhard hierher. „Aus beruflichen Gründen.“ So wurde dann hier in Darup aus dem Ehepaar Gottschalk die Familie Gottschalk mit drei Kindern. Inzwischen vergrößern Schwiegerkinder und zehn Enkel die Familie. Ihren Beruf als Lehrerin gab sie seinerzeit auf. „Das war mit drei Kindern und der Fahrerei in die Schule nach Velen nicht mehr zu schaffen“, konzentrierte sie sich auf die Familie, weniger auf das Dorf, in dem sie lebte. „Aber es gefiel uns natürlich schon sehr, hier zu wohnen.“

Und wie kam sie zur Daruper Geschichte? „Durch Zufall“, zuckt sie mit den Schultern. Eines Tages besuchte sie eine ehemalige Nachbarin im Altenheim, und es wurde ein interessanter Nachmittag für Christiane Gottschalk. „Ja, die ältere Dame erzählte aus dem Zweiten Weltkrieg, als ein Tross mit Zwangsarbeitern aus Polen über die Billerbecker Straße zog.“ Das weckte Gottschalks Interesse, vor allem, als auch die anderen Besucherinnen an dem Nachmittag ihre Erinnerungen dazu beitrugen. Das war quasi der Startschuss zu der Idee eines „Erzähl-Cafés“. So trafen sich von da an immer so um die zehn ältere Daruper einmal im Monat zu einer gemütlichen Erzählrunde bei Kaffee und Kuchen. „Das Erzählcafé läuft im Prinzip immer noch. Momentan natürlich wegen Corona nicht“, bedauert sie.

Diese Erinnerungen hat Christiane Gottschalk nach und nach aufgeschrieben. „Damit die Geschichten nicht in Vergessenheit geraten, denn die Menschen werden älter, auch die Erinnerungen verblassen.“ Von da an war Christiane Gottschalk vollends von der Daruper Vergangenheit fasziniert. Zu den Geschichten, die sie erfuhr, gab es immer auch noch die alten Häuser oder Plätze. Und so kam sie auf die Idee, einen Flyer zu erstellen.

Mit Hilfe des Heimatvereins entstand solch ein Flyer, auf dem 34 Stationen im und um das Dorf herum erklärt werden. „Ein kleiner Streifzug durch die Zeit“ lautet der Titel, und wer gut zu Fuß ist, kann diese Stationen abgehen und findet zu jedem Ort einen QR-Code, der auf weitere Informationen verweist.

Da Christiane Gottschalk inzwischen zehn Enkelkinder hat, die zum Teil schon in die Schule gehen, hat sie mit Grundschulkindern auch einen kindgerechten Parcours durch das Dorf erstellt. „Für die Kinder sind ganz andere Dinge wichtig“, war sie überrascht. „Bei einem Gang durch das Dorf wollen sie wissen, wie viele Stufen zur Tür der Grundschule führen, was auf dem Sportplatz möglich ist oder welche Farbe eine bestimmte Haustür hat.“ Daraufhin erstellten die Kinder selbst einen Parcours über die vorhandene Lern-App „Biparcours“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

Dabei blieb es aber nicht. „Ich wollte den Kindern, die nach der vierten Klasse in die weiterführenden Schulen außerhalb Darups gehen, etwas mitgeben, das sie an ihre Wurzeln in Darup erinnert.“ Also erstellte sie ein Heft „Geschichte und Geschichten für Daruper Grundschüler 2020“. Zum Schulabschluss im vorigen Sommer bekam jeder Viertklässler und jede Viertklässlerin der Sebastianschule dieses Heftchen.

„Ihr Engagement ist nachahmungswert und hat Vorbildcharakter“, lautet das Lob der Jury des Heimatpreises. Auf diesem Lob ruht sich Christiane Gottschalk indes nicht aus. „Ich bastele gerade an einer Schulgeschichte“, verrät sie. „Ich weiß einiges über die Daruper Schule und auch die alte Schule in Hövel.“ So soll auch der aktuelle Jahrgang vier an der Daruper Schule eine schöne Erinnerung zum Abschluss bekommen. „Damit die Kinder sich immer gern an ihr Dorf erinnern, aus dem sie stammen“, wünscht sich Christiane Gottschalk. So wie sie selbst gern immer wieder in die Vergangenheit ihres Heimatdorfes eintaucht.

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