Hochwasserschutz
Schnell oder nachhaltig?

Appelhülsen/Nottuln -

Wie wendet man die Hochwassergefahr für Appelhülsen ab? Die CDU hat zwei Vorschläge gemacht. Die Verwaltung hat sie prüfen lassen. Jetzt gibt es ein Ergebnis.

Donnerstag, 08.04.2021, 19:14 Uhr aktualisiert: 08.04.2021, 20:48 Uhr
Wenn das Wasser in der Stever steigt, ist der Durchlass unter der Bahnlinie weiterhin ein Nadelöhr. Eine Verbesserung an dieser Stelle allerdings ist ziemlich unwahrscheinlich..
Wenn das Wasser in der Stever steigt, ist der Durchlass unter der Bahnlinie weiterhin ein Nadelöhr. Eine Verbesserung an dieser Stelle allerdings ist ziemlich unwahrscheinlich.. Foto: Susanne Heumann

Der Hochwasserschutz im Gemeindegebiet, speziell in Appelhülsen, ist ein Thema, das das Zeug zum Dauerbrenner hat. Obwohl die Gemeinde vor Jahren ein Streichwehr an der Stever eingebaut hat, ist das Hochwasserproblem nicht gelöst. Überschwemmungen von Gärten und Wegen im Bereich Steverstraße und Pastorskamp sind zuletzt trotzdem nicht zu verhindern gewesen.

Den viel zu engen Durchlass unter der Bahnlinie zu erweitern, diese Lösung hat sich in den vergangenen Jahren als frommer Wunsch herausgestellt, der wohl nicht in Erfüllung gehen wird. Das liegt, sagt die CDU-Fraktion, nicht zuletzt am „bekannt schwierigen Verhandlungspartner Deutsche Bahn “. Deshalb hatten die Christdemokraten zwei alternative Lösungen vorgeschlagen: Die Absenkung des Streichwehrs zum Roggenbach oder die umfangreiche Renaturierung der Stever samt der Schaffung einer Auenlandschaft.

Die Verwaltung hat diese Vorschläge prüfen lassen. Am Dienstag (13. April) wird das Planungsbüro Hahm die beiden Alternativen in der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Mobilität vorstellen und bewerten. Die Sitzung beginnt – nach einem kurzen nicht öffentlichen Teil – um 19.15 Uhr im Bürgerzentrum Schulze Frenking.

Planungsbüro stellt Alternativen vor

In Kürze: Die Absenkung des Streichwehrs ist eine vergleichsweise kostengünstige und mit etwa sechs bis acht Monaten schnell zu realisierende Maßnahme. Rund 70 000 Euro würde sie nach ersten Schätzungen kosten. Dabei wären 50 000 Euro für die notwendige Überarbeitung des Berechnungsmodells, die Vorbereitung der Genehmigungsunterlagen und die Planung aufzubringen. Hinzu kommen 20 000 Euro für die eigentlichen Baukosten. Ein ohne größeren Aufwand zu meisterndes Projekt. Das allerdings nach Aussage des Planungsbüros nur ein „begrenztes Schutzniveau“ bietet.

Die Renaturierung der Stever und die Schaffung ökologisch hochwertiger Auenflächen hat das Planungsbüro in zwei Varianten durchgespielt. Die Flächen können je nach Ausführung teilweise auch für die Naherholung genutzt werden und würden der Gemeinde Ökopunkte bringen, die sie selber nutzen oder an Dritte vermarkten kann. Eine nachhaltige und zukunftssichere Maßnahme, die allerdings nicht nur sehr hohen organisatorischen Aufwand erfordert und anderthalb bis zwei Jahre dauern wird, sondern auch ihren Preis hat. Rund eine Million Euro würde sie inklusive Planungsleistungen kosten, schätzt die Gemeinde. Hinzu kommt die Frage, wie mit den rund 55 000 Kubikmetern Bodenaushub umzugehen ist. Das könnte das Unterfangen noch einmal um bis zu eine Million Euro verteuern. Immerhin: „Die gesamte Maßnahme zur ökologischen Verbesserung ist mit bis zu 80 Prozent durch das Land NRW förderfähig“, so die Verwaltung. Zu bedenken gibt sie indes, dass die gemeindeeigenen Flächen, die für die Maßnahme genutzt werden, anschließend nicht mehr als Tauschflächen etwa für potenzielle Baugebiete zur Verfügung stehen.

Hochwasserschutz wird auch für die Ortslage Nottuln ein Thema. Die Bezirksregierung Münster hat diese erstmals in die Hochwasserrisiko- und Gefahrenkarte aufgenommen. In der Karte sind Risikopotenziale für einzelne Flächen und Gebäude notiert. Um diese zu sichern, müsste ein Schutzkonzept erarbeitet werden, erklärt die Verwaltung.

Was tun mit dem Bodenaushub?

Sie macht allerdings zugleich deutlich, dass aufgrund der engen Haushaltssituation sowie des personellen Aufwands die zeitgleiche Realisierung der Vorhaben in Appelhülsen und Nottuln nicht möglich sein wird. Und empfiehlt dem Ausschuss deshalb, die Maßnahmen zu priorisieren.

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