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Musik und Raum im Dialog

Montag, 26.10.2009, 14:10 Uhr

Senden - Nur spärliches Licht beleuchtete am Sonntagabend die Steverhalle . Und ganz einzigartige Geräusche und Klänge erfüllten den Raum. Was dort bei der „Klangsport-Revue“ passierte, war wirklich ein Erlebnis der ganz besonderen Art für die über 100 Besucher: Bälle, Matten, Seile - alles im Sport so benötigten Utensilien und Hilfsmittel bekamen an diesem Abend eine ganz neue Dimension. Sie wurden zum künstlerischen Ausdrucksmittel, da hätte Künstler wie Beuys und Cage sicherlich ihre Freude gehabt.

Die Miterlebenden - Zuhörer wäre ein zu begrenzter Ausdruck - lauschten dem Geschehen, ließen sich von den eindrucksvollen Bildern und Klangmalereien entführen in einen ganz eigenen Mikrokosmos der kunstvollen Komposition.

Als Regisseurin hatte Marina Sahnwaldt eine große Aufgabe übernommen, sie musste mit großer Sensibilität die Vorgaben der musikalischen Sportler beziehungsweise sportlichen Musiker umsetzen. Der Elektro-Musiker Kai Niggemann, Percussionist Prof. Stephan Froleyk und Blasinstrumentalist Markus Kuchenbusch hatten die Grundlage geschaffen, auf der sich dieses einzigartige Gesamtkunstwerk präsentierte.

Die Akustik der Steverhalle erinnerte an sakrale Kirchenräume, der Nachhall gab dem ganzen Geschehen eine weitere Klangfarbe. Im Kampf der Mannschaften an den Matten, dem Skaten auf glattem Hallenboden agiert Jan Sturmius Becker als wahrer Hexenmeister. Mit der Inspiration eines Zirkusdirektors und dem strengen Habitus eines Schiedsrichters mit roter Verweiskarte bewaffnet, dirigierte er seine Choreographien. Ensembleszenen und solistische Beiträge waren gut gemischt, boten einen ganz eigenen Szenenverlauf.

Markus Kuchenbuch war bewaffnet mit seiner Querflöte - quasi Abbild des Rattenfängers von Hameln . Wer sich auf dieses Klangerlebnis einließ, erlebte ein Klangorchester mit Stäben, Bällen und Seilen in einem klassisch ambitionierten Konzertteil. Momente der Stille wechselten mit rasanten, geballten Geräuschen, zeigte sich eine dynamische Verbindung von verschiedenen Ausdrucksmitteln. Zwischendurch erlebte man das ganze Geschehen dann liegend mit geschlossenen Augen, da wirkten die Geräuschekompositionen ergänzt durch Vibrationen auf dem Boden noch viel intensiver.

Spannend war dieses Experiment der Durchdringung von Musik als Kunstform und Sport als Bewegungsdisziplin in ganzheitlichem Sinne. Musik und Raum vollzogen im Klanggeschehen einen Dialog, der dramatische Elemente mit sensiblen Momenten der Stille mischte. So etwas erlebt man nicht alle Tage, da werden die neuen Erfahrungen sicherlich noch für viele Momente des Nachbesinnens sorgen. Und den ausführenden Kunstsportlern kann man für diesen Abend nur danke. So etwas erlebt man mit Herz, Seele und Körper, ist der Erfahrungshorizont nach dieser Show ein ganz anderer.

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