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„Gespräch mit den Kindern suchen“

Mittwoch, 11.11.2009, 18:11 Uhr

Senden - Horrorvideos und Killerspiele - Ursachen von Jugendgewalt ? Unter diesem Leitgedanken fand am Dienstagabend auf Einladung des Ökumenischen Jugendtreffs im evangelischen Gemeindezentrum der zweite Beitrag der Veranstaltungsreihe „Medienlust - Elternfrust?“ statt. Es referierte Kristina-Maria Kanz , Kriminologin an der Universität Münster , die ihre Doktorarbeit zu dem Thema geschrieben hat.

Die Referentin stellte heraus, dass Jugendgewalt kein Novum ist und sich sogar Aristoteles im alten Griechenland schon damit beschäftigte. Seit einigen Jahrzehnten jedoch werde die Gewalt primär auch über die neuen Medien verbreitet, und Amokläufe führten diesbezüglich zu kontrovers diskutierten Forderungen, dass gewaltverherrlichende Computerspiele verboten werden sollten.

Es seien verschiedene Gewaltkategorien von Spielen zu unterscheiden: Zum einen Spiele, bei denen man in die Rolle einer virtuellen Person schlüpft und zum anderen die sogenannten Ego-Shooter, bei denen alles aus einer subjektiven Sicht wahrgenommen wird. Von ganz anderer Brutalität zeugen dagegen Spiele wie etwa „Manhunt“ („Fahndung“) in denen nicht die Tötung an sich mit entsprechenden Punkten honoriert wird sondern die Art und Weise, die möglichst brutal und grausam sein sollte. Obwohl „Manhunt“ bundesweit verboten ist, hat es wohl trotzdem über das Internet den Einzug in viele deutsche Jugendzimmer gehalten, vermutet Kanz.

Insgesamt erhöhen diese Gewaltmedien die Wahrscheinlichkeit aggressiver Reaktionen und Grenzen scheinen fließender zu werden. so die Referentin. Kommen dann noch eine problematische Erziehung zu dem erhöhten Gewaltmedienkonsum, steigen oftmals die Toleranz gegenüber der Gewalt und die eigene Gewaltbereitschaft, erläutert Kristina-Maria Kanz.

Als Fazit gab die Referentin den Besuchern mit auf den Weg, dass Gewaltmedien zwar von vielen konsumiert werden - sie isoliert betrachtet aber nur bedingt Unheil anrichten können, obwohl eine latente Suchtgefahr mitschwebt. Vor allem in Verbindung mit einem erhöht gewaltbereiten Umfeld und einer weniger guten Erziehung jedoch bilden sie einen potenzielles Risiko. Daher rät die Kriminologin, dass besorgte Elternteile in erster Linie das Gespräch mit ihren Kindern suchen sollten, Interesse für die Spiele zeigen und vielleicht sogar einmal mitspielen sollten. Oft helfe es, feste Zeiten zu vereinbaren und Alternativen zu den Spielen anzubieten. Indizierte und nicht altersgerechte Spiele können entfernt werden. Schließlich sollte man auch seine eigene Vorbildfunktion kritisch hinterfragen und den Medienkonsum und/oder die Verhaltensweisen ändern.

Die dritte und damit abschließende Veranstaltung aus der Reihe „Medienlust - Elternfrust?“ findet am nächsten Donnerstag (19. November) um 20 Uhr ebenfalls im evangelischen Gemeindezentrum an der Steverstraße statt. In Form einer Gesprächsrunde sollen Fragen wie der verantwortungsvolle Umgang mit dem PC erörtert und persönliche Erfahrungen in den Familien ausgetauscht werden.

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