Senden
Kabarett: „Unser Alltag ist voller Löcher“

Sonntag, 21.02.2010, 13:02 Uhr

Senden - Nanu? Was sollten die kleine Tafel, die Mikadostäbe in der Ecke, das Tischchen in der Mitte und die Stühle? Doch genau hier richtete sich Manne Spitzer ein und begrüßte das Publikum: „Herzlich willkommen im Kinderzimmer meiner Fantasie“. Für zwei Stunden lud der Kabarettist ein, ihm in seine bunte Welt zu folgen und seinen sprachlichen Abenteuern zu lauschen. Und das Publikum genoss sichtlich den Abend, den die KuKIS zusammen mit dem katholischen Bildungswerk initiiert hatte.

Leicht schien sein Leben mit Sicherheit nicht gewesen zu sein, denn sein Programm „Das Kind im Manne“ sprudelte nur so von Missgeschicken und Hürden, die er zu meistern hatte. „Unser Alltag ist voller Löcher“, klagte er und verwies beispielsweise auf Finanzlöcher im Portemonnaie oder Gedächtnislücken. Wie ein Schwamm, der habe auch Löcher und demonstrierte seinen „schwammigen“ Redefluss, indem er fix eine Literflasche Wasser austrank.

Herzlich gab er einen Einblick in Episoden seines Lebens, die er vorspielte und verwies auf Merkwürdigkeiten, denen er begegnet war. „Ist euch aufgefallen, dass die Deutschen wieder oben ohne rumlaufen? Überall Glatzen. Ganz klar, damit scheinen sie Vorteile beim Sport zu haben und sie sind immer eine Idee voraus“. Feinfühlig wusste Spitzer seine Geschichten mit Wortwitz abzurunden und erntete dafür viel Lacher.

Aus seiner Kindheit konnte sich Spitzer noch an den Hausmeister erinnern, der in den Pausen stets zum „Einzelhandelverkaufsmonster“ mutierte, und an die Hänseleien seiner Mitschüler, die ihm regelmäßig zuriefen: „Na, Stumpfes, sollen wir dich anspitzen?“

Mit seinem literarischen Kabarett setzt Manne Spitzer sich seit vielen Jahren gegen die Comedy-Flut zur Wehr und zeigte in Senden einmal mehr, dass geschmeidiger Wortwitz genauso ankommt wie „ein Lacher nach dem anderen“.

Auch über gesunde Nahrung hat es sich Gedanken gemacht und wägte zwischen Vollwertkost und Junk-Food ab. Dabei konnte er beim besten Willen nicht nachvollziehen, dass Vollwertkost schlank machen soll. Denn: „Elefanten sind Vegetarier“. Außerdem bewies Spitzer noch eine andere kreative Ader und demonstrierte seine Spielerfindungen, wie ein scheinbar recht kompliziertes „Single-ärger-dich-nicht“, aber auch das mit nur zwei Karten gespielte „todsichere Memory“.

Schließlich gab Spitzer zu, dass er die Zeitschriften seiner Frau im Keller sammelt, wobei er sicher war, dass auch andere Männer dies tun. Dann hielt er inne und fragte das Publikum: „Sicher, dass die Elbe steigt?“ Die Möglichkeit, dass Deutschland aufgrund der Papiermassen in den Kellern sinkt, halte er gar nicht für so unwahrscheinlich. Schließlich bemerkte er: „Die Geschichten müssen zu Bett“, und er verabschiedete sich aus seiner fantasievollen Kinderwelt: „Ich muss zum Universum neben an.“

Von viel Applaus begleitet verließ der Kabarettist den Raum und brachte das Publikum mit einer Zugabe noch ein letztes Mal zum Lachen. Er, der Wortakrobat, der verspielte Manne Spitzer, der beim Publikum kräftig punktete.

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