Senden
Wundersame Legende - wunderschönes Erzählen

Mittwoch, 03.11.2010, 09:11 Uhr

Senden - Die Spannung war groß, als Rezitator Jürgen Janning von der 1. Vorsitzenden Johanna Brusdeilins auf die Bühne der Friedenskapelle gebeten wurde. Nicht nur weil es der erste indische Abend war, den die KuKIS am Freitag veranstaltete. Leider wissen viele nur wenig von den Menschen und der Kultur der größten Demokratie der Erde. Vielleicht galt das nicht für alle der zirka 35 Besucher, die an diesem Abend gekommen waren, um der Legende Sâvitrî und indischen Melodien zu lauschen. Doch wenn noch Erklärungsbedarf bestand, half Jürgen Janning in seiner Einführung gerne weiter.

Der Germanist und Sprechwissenschaftler kann auf eine umfangreiche Karriere in der Märchenerzählforschung zurückblicken, war beispielsweise Präsident der Europäischen Märchengesellschaft. Aber er musste gleich zu Beginn aufklären: „Sâvitrî ist kein Märchen, sondern eine Legende.“ Und eine besonders traumhafte dazu.

Über zwei Jahrtausende wurde sie im großen Epos Mahabharata überliefert, und könne heute noch lehrreich für uns sein, hieß es. Königstochter Sâvitrî wählt darin unwissend den zum Tode bestimmten Prinzen Satyavan zum Mann. Sie heiratet ihn trotz der Warnungen des weisen Narada und bleibt ein Jahr bis zum vorhergesagten Todestag bei ihm. Als er dann von Todesgott Yama entführt wird, folgt sie diesem und betört ihn mit „Worten der Wahrheit“. Fünf Gaben gewährt er ihr, doch erst mit der letzten darf sie ihren Mann ins Leben zurückwünschen. Vorher sorgt sie selbstlos für das Glück ihrer und der Familie des Ehemanns, und wird schlussendlich dafür belohnt.

Der Verlauf erinnert entfernt an einen besseren Orpheus der griechischen Mythologie. Doch nicht allein die Geschichte von Tugendhaftigkeit und Lohn begeisterte das Publikum. Jannings Stimme wurde auf wundervolle Art und Weise durch Musikstücke von Sham Sunder und Ludger Kramm ergänzt. Ersterer vollbrachte an der Sitar, die optisch wie im Klangspektrum wie eine erweiterte Gitarre daherkommt, wahre Wunderwerke, die von Ludger Kramm an den Tabla-Trommeln passend untermalt wurden. Auch Brusdeilins war überzeugt: „Musik und Legende sind fast gleichwertig.“ Klänge und Legende luden den Zuhörer zum Fortträumen aus der indisch geschmückten Friedenskapelle ein.

Die Zeit bei indischem Tee verging wie im Flug, erst der tosende Applaus nach der Vorstellung riss zurück in die westfälische Realität. Ein bisschen fühlte man sich auch dabei wie in Indien . Janning betonte, dass Religion und Alltag dort so stark verwoben seien, dass es fast unbemerkt sei. Allzu unbemerkt sollte aber auch ein solcher Abend in Senden nicht bleiben, Brusdeilins zeigte sich zufrieden mit dem Andrang, betonte aber: „Es könnte mehr sein.“

Die Besucher müssen ja nicht gleich wie Satyavan erst aus dem Jenseits zurückkehren. Mehr als lohnend war die Atmosphäre dieses indischen Abends allemal. Spätestens als Sitar-Spieler Sunder vor dem finalen Stück fragte: „Können wir ein bisschen fröhliche Musik machen, Chef?“ Und Janning entgegnete: „Natürlich, wir haben allen Grund fröhlich zu sein.“ Wohl wahr, erst recht nach dieser Legende.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/271473?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F166%2F698473%2F698475%2F
Nachrichten-Ticker