Senden
Dioxin: „Da läuft was falsch“

Mittwoch, 26.01.2011, 14:01 Uhr

Senden - „Die Bauern sind Opfer im Dioxin-Skandal“: Diese klare Aussage hätten sich die Sendener Landwirte gerne von ihrem nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsminister Johannes Remmel gewünscht. Doch der sehe sich wieder einmal nicht in der Lage, objektiv über die konventionelle Landwirtschaft - die schließlich „über 90 Prozent der Bevölkerung mit einwandfreien Nahrungsmitteln“ versorge - zu urteilen. Der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Franz Kückmann , hielt dem Minister auf der Jahreshauptversammlung der Sendener Landwirte am Dienstagabend bei Niemeyer vor, statt dessen „nur die ökologische Landwirtschaft in den Himmel zu heben und negative Klischees über große Ställe zu pflegen“.

Sinn und Verstand ließen nicht nur die Politik, sondern auch Radio und Fernsehen vermissen. Mit dieser Äußerung war Ludger Althoff einer der Landwirte, die ihrer inneren Wut über den Umgang mit dem Dioxin-Skandal Luft machten. In unverantwortlicher Weise seien die Ängste der Verbraucher geschürt worden. Ohne die Dioxin-Panscherei verharmlosen zu wollen - aber etwas mehr Aufklärung über die tatsächliche Gesundheitsgefährdung wäre hier zur Beruhigung der Verbraucher angebracht gewesen, so der Tenor unter den Landwirten.

„Wenn bei Fisch der gleich strenge Grenzwert wie bei Schweinefleisch angelegt würde, dann dürfte davon überhaupt nichts mehr gegessen werden“, so der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbandes. Aber hier sei eine viermal höhere Menge zulässig - weil es unvermeidbar sei, dass die Fische im Wasser soviel Dioxin aufnehmen. Franz Kückmann ergänzte: „Und wieso hat niemand den Mut, öffentlich zu sagen, dass Hühner oder Rinder, die immer auf der grünen Wiese laufen, deutlich höhere Dioxingehalte aufweisen als solche in Stallhaltung, weil der Boden ein natürliches Dioxinvorkommen aufweist“. Minister Remmel verstehe sich halt nur als Interessenvertreter der Bio-Bauern. Ein Signal, mit dem er die breite Masse der Bauern klar von den Schuldigen abgegrenzt hätte, habe man vermisst, erklärte Kückmann. Die Sendener Landwirte fühlen sich alleine im Regen stehen gelassen. Die Zeche müssen sie nun zahlen: Die Schweinepreise sind abgestürzt.

Als ein Unding bezeichnete es Ludger Althoff, dass die Verursacher dieses Skandals nach geltender Rechtslage mit einer Geldstrafe davonkämen. „Und dann sind die auch noch so dreist und heben die Finger hoch“. Lange Gefängnisstrafen würden da weit mehr Abschreckung bringen. Ludger Schulze Tomberge, Vorstandsmitglied des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes, warnte vor der zunehmenden Tendenz in der Bevölkerung, der modernen Landwirtschaft distanziert gegenüberzustehen. Wenn am Wochenende auch aus Münster ein Bus zur Demo gegen „die falsche Tierhaltung“ nach Berlin gefahren sei, „dann läuft da was falsch“.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/141187?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F166%2F698460%2F698472%2F
Stadt baut weitere Polleranlagen
Wird in Kürze fertiggestellt: Sicherheitspoller-Anlage an der Löerstraße zwischen Karstadt und Stubengassen-Bebauung. Weitere Anlagen werden bis 2021 in der Innenstadt gebaut.
Nachrichten-Ticker