Senden
Nonnenwirbel reißt die Sendener mit

Sonntag, 23.01.2011, 17:01 Uhr

Senden - Mit dem, was dem Typischen widerspricht, kann ein Publikum durchaus begeistert werden. Tanzende, singende und kreischende Nonnen, die über ihre Ordensregeln hinausschießen: Auf diesem Konzept basiert „Party Sisters“. Seit letzter Woche befindet sich das Musical auf seinem Weg durch die Bundesrepublik und machte am Samstagabend in der Sendener Steverhalle Station. Nach dem Vorbild der weltberühmten „Sister Act“-Filme mit Whoopi Goldberg , und dem gleichnamigen Hamburger Musical, hat Regisseur und Autor Daniel Witzke eine eigenständige Show auf die Beine gestellt.

Dem Zuschauer fällt unmittelbar auf, was außerdem untypisch ist: Nicht Hauptperson Deloris von Cartier steht in „Party Sisters“ im Mittelpunkt, sondern das fiktive Kloster Lerchengrund in Bayern bildet den Rahmen der Handlung. Doch das ist nicht weniger spektakulär als die ursprüngliche Geschichte um Schwester Mary Clarence. In „Party Sisters“ spielen ganz „eigenständige Charaktere“, wie Daniel Witzke betont.

Es habe ihm widerstrebt, eine reine Kompilation der „Sister Act“-Songs abzuliefern, verriet der Duisburger Musicalschaffende im Gespräch mit der WN. Stattdessen versuchte er eine Geschichte mit einem wellenförmigen Verlauf zu entwickeln. „Nicht nur Gaudi, sondern auch ruhige Töne“, sind seiner Meinung nach das Konzept, was „Party Sisters“ auszeichnet. Die geformten Charaktere erhalten durch Substanz und Herz mehr Tiefe. „Ein bisschen mehr Theater“ hält Einzug in das Musical.

Das Publikum verfolgt also, wie das Herz des strengen und verbitterten Pater Laurentius auftaut, wie der drangsalierte, junge Bruder Lukas Selbstvertrauen gewinnt und die ehemalige Prostituierte Schwester Ricarda ihren Zuhälter in die Schranken weist. Jede Figur hat ihren eigenen Handlungsfaden, überzeugt aber natürlich vor allem mit ihren Gesangseinlagen, wie die wohl prominenteste unter ihnen, Sängerin Sissy Staudinger.

Dann spielt „Party Sisters“ seinen größten Trumpf aus. Nach ruhigen Balladen werden die Zuschauer von bekannten Party-Songs mitgerissen, und schon mal zum Mitsingen motiviert. Dabei kommt auch teilweise beißender Humor nicht zu kurz. Beispielsweise wenn der im Rollstuhl sitzende Pater während „Hit The Road Jack“ „Don´t ya treat me this way, cause I´ll be back on my feet some day“ warnt oder die Nonnen zu „When The Saints Go Marching In“ zum Frühsport aufbrechen. Der Höhepunkt der Geschichte des Klosters Lerchengrund steht an, als Schwester Stella eine Einladung zum Nonnenvision Song Contest erhält. Zu „I´m So Excited“ reißt sie sich in Ekstase Schleier und Habit vom Leib.

Auch die Zuschauer in Senden riss es nach dem Musical zu „Standing Ovations“ aus den Sitzen. Ein unterhaltsamer Abend bot ihnen mehr als die erwarteten Gospel-Songs „Oh Happy Day“ oder „Shout!“. Der Nonnenwirbel auf der Bühne hatte seinen Teil dazu beigetragen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/141792?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F166%2F698460%2F698472%2F
Nachrichten-Ticker