Poetische Häppchen zum Jahresende
Lesung mit Jürgen Janning hat sich im KuKIS-Programm etabliert / (Für)Sprecher des geschriebenen Wortes

Senden -

Kräftiger Applaus zur Pause. Kräftiger Applaus zum Schluss. Ansonsten: Stilles Zuhören und Besinnung auf die von Jürgen Janning rezitierten Texte. Nicht mit Böllern und knallenden Sektkorken stimmten sich am Samstagnachmittag rund 60 Literaturinteressierte auf den Jahreswechsel. Sie ließen sich in der Friedenskapelle von Jürgen Janning mit köstlichen kleinen poetischen Häppchen großer Literaten verwöhnen.

Samstag, 31.12.2011, 16:12 Uhr

Bereits zum neunten Mal hatte die Kunst- und Kulturinitiative Senden (KuKIS) zu einer Lesung „Das Jahr geht um“ mit Jürgen Janning eingeladen. Dieses Mal ging es um „gemessene und ungemessene Zeit“. Bereichert wurde die Lesung durch kurze Gitarrenstücke, die zwischen den Textblöcken von Alexander Zinowsky vorgetragen wurden.

Die Musik ergänzte die Wirkung des gesprochenen Wortes nicht nur. Sie gab auch Gelegenheit, die Texte noch einmal in sich nachhallen zu lassen. Oder im Bild der „literarischen Häppchen “ zu bleiben: Diese zu verdauen. Denn der Rezitator servierte durchaus auch schwere Kost, wie zum Beispiel „Das Zeitmaß“ des belgischen Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers Maurice Maeterlinck .

Dabei erwies sich Jürgen Janning einmal mehr als Vortragender im besten Sinnen, als ein (Für-)Sprecher des geschriebenen Wortes, und sich ganz und gar in den Dienst des literarischen Werkes stellt: Klar artikulierend und schnörkellos transportierte er die Gedanken und Emotionen zum Zuhörer.

Mit seiner Textauswahl spannte Jürgen Janning gleichsam einen weiten literarischen wie auch philosophischen Bogen: vom Prediger Salomos „Ein jegliches hat seine Zeit“, über Augustinus Frage „Was also ist die Zeit?“ zu Klassikern wie Goethe, Schiller und Fontane bis Morgenstern und Ringelnatz („Meine alte Schiffsuhr“).

Doch über alle dem stand stets die Frage von Augustinus: „Was also ist Zeit? Wenn mich niemand fragt, weiß ich es, soll ich es einem Fragenden erklären, weiß ich es nicht.“Und vielleicht gab ja die „Sonnenuhr“ die trefflichste Antwort, die sich für 2012 als Vorsatz und das Leben schlecht als Motto eignen mag: Man möge, so wie die Sonnenuhr, nur die „lichten Stunden“ zählen.

„Für die Kunst- und Kulturinitiative ist die Lesung von Jürgen Janning eine feste Institution geworden“, betonte Johanna Brusdeilins, zweite Vorsitzend der KuKIS. „Es ist ein wunderschöner Zeitvertreib zum Jahresschluss.“

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