Burkhard Seeberg schildert seine Stasi-Erfahrungen
Packende Berichte eines Zeitzeugen

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Geschichte, aber nicht aus einem Lehrbuch. In der Geschwister-Scholl-Schule brachte ein Zeitzeuge die dunklen Seiten der DDR näher.

Donnerstag, 30.08.2012, 19:08 Uhr

Burkhard Seeberg schildert seine Stasi-Erfahrungen : Packende Berichte eines Zeitzeugen
Interessiert blicken die Schüler abwechselnd zwischen Burkhard Seeberg, der vorne am Tisch sitzt (kleines Bild) und seiner Power-Point-Präsentation, die an die Leinwand geworfen wird, hin und her. Nichts – so scheint es – wollen sie verpassen. Foto: ik

Ganz still wird es im Klassenraum, als Burkhard Seeberg anfängt, seine Geschichte zu erzählen. „Ich war siebeneinhalb Monate in Berlin-Hohenschönhausen “, sagt er. Der Grund: 1973 lernte Seeberg als damaliger Student in Ost-Berlin seine Freundin kennen. Weil diese versuchte, mit einem gefälschten Reisepass in die Bundesrepublik einzureisen, wurde er im August 1979 verhaftet.

Burkhard Seeberg ist am gestrigen Tag schon zum zweiten Mal an der Geschwister-Scholl-Schule. Vermittelt durch das koordinierende Zeitzeugenbüro der Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, berichtet er den Schülern der Klasse zehn nicht nur von seinen Hafterfahrungen – er bereitet die Schüler mit seinen Erzählungen auch auf den Besuch der Gedenkstätte Hohenschönhausen vor. Denn vom 10. bis zum 14. September reisen sie im Rahmen einer Klassenfahrt nach Berlin .

Bevor der Zeitzeuge detailliert von seinen Erlebnissen berichtet, werden die Schüler zunächst langsam an seine Vorgeschichte herangeführt. „Ich erzähle euch nun von Sachen, die ihr euch gar nicht vorstellen könnt“, sagt er mit ruhiger Stimme.

Dabei kommt er nicht umher, auch ein Foto von seiner damaligen Freundin zu zeigen. Die Jugendlichen schmunzeln, als sie das persönliche Bild, das per Powerpoint an die Wand geworfen wird, sehen. „Hier sitze ich zwischen den zwei hübschen Mädchen. Eine von ihnen wurde meine Freundin und meine spätere Frau.“ Damals hätten sie den Ostblock durchaus „noch mit einer rosaroten Brille“ gesehen. „Unsere erste Erfahrung mit der DDR sammelten wir während der zehnten Weltfestspiele, zu denen nahezu acht Millionen Besucher gekommen waren. Das war beeindruckend.“ Dass sich das Bild aber im Laufe seiner Berichterstattung wandeln würde, war allen Zuhörern klar – spätestens als Burkhard Seeberg beginnt, von seiner Haftzeit in Berlin-Hohenschönhausen zu berichten.

Doch die Erinnerung tut immer noch weh: Zwar falle es ihm mittlerweile leichter, über die Zeit zu reden. Einen Stich ins Herz habe es ihm dennoch versetzt, die Haftstätte nach seiner Freilassung wieder zu besuchen.

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