„Die Physiker“ in der Friedenskapelle
Ein Irrenhaus als Sinnbild der Welt

Senden -

Dem „Theater in der Kreide“ gelang am Samstagabend eine turbulente und eindrucksvolle Aufführung des Dürrenmatt-Stücks „Die Physiker“.

Sonntag, 05.05.2013, 14:05 Uhr

Spektakulär und clownesk brachte das „Theater in der Kreide“ den Zuschauern das Dürrenmatt-Stück „Die Physiker“ auf eindrucksvolle und eindringliche Weise näher.
Spektakulär und clownesk brachte das „Theater in der Kreide“ den Zuschauern das Dürrenmatt-Stück „Die Physiker“ auf eindrucksvolle und eindringliche Weise näher. Foto: Dieter Klein

„In einem hielt sich das Ensemble vom „Theater in der Kreide “ aus Münster auch in Senden an sein Konzept: „Wir inszenieren Stücke gegen jede Erwartungshaltung: spektakulär und clownesk. Dabei wird auch das Publikum mit viel Turbulenz, reichlich Improvisation und deftigem Spaß mit eingebunden.“ Stimmt. Denn rund 70 begeisterte Besucher erlebten am Samstagabend im „Zimmertheater“ der Friedenskapelle Friedrich Dürrenmatts Stück „Die Physiker“ wie anderswo garantiert nie.

So mussten sie sich bereits draußen von einem „SEK-Polizisten“ ( Volker Stefan ) peinlich genau kontrollieren lassen. Der gleiche Beamte, der dann nur wenig später – im Auftrag eines Kriminalbeamten (Cornelius Hüdepohl) die Leiche einer erdrosselten Krankenschwester – übrigens der zweiten Toten in wenigen Tagen – fotografieren muss. „Tatort-Sicherung“. Und dieser liegt in einer geschlossenen Psychiatrie. Bei Dürrenmatt „in einer Irrenanstalt“. Mit drei Physikern die sich als Geisteskranke ausgeben. Beutler (Norbert Kauschitz) alias „Newton“, Ernesti (Volker Stefan) alias „Einstein“ und Möbius (Thomas Hanke) – der vor der Entdeckung seiner, einer weltvernichtenden Erfindung fürchtend, sich hier hinter Gittern versteckt hält.

Betreut werden sie von Krankenschwester Monika (Petra Schulte), die später auch als Dr. Mathilde von Zahnd auftritt. Und da sie davon überzeugt ist, eines Tages neben König Salomo die Weltherrschaft antreten zu müsse, fragt sich der unbedarfte Zuschauer irgendwann: Wer ist denn hier nun wirklich verrückt? Denn ob auch Newton oder Einstein so richtig verrückt sind, oder als verrückte Agenten feindlicher Blöcke hinter der Formel von Möbius her sind, bleibt offen. Denkbar ist alles. Doch nur von sekundärer Bedeutung. Denn im Grunde geht es Dürrenmatt darum, darzustellen, welch verheerende Folgen Kriegswaffen-Forschung mit all ihren Folgen haben kann. Wie grotesk Regisseur Reinhard Stähling Dürrenmatts ethischen Zeigefinger umzusetzen versteht, wird deutlich, wenn der völlig überdrehte Kripobeamte nach einer Zigarette lechzt und darum bittet. Denn die Antwort lautet: „Besucher dürfen hier nicht rauchen, nur die Patienten.“

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