Erziehungsberatung: Immer mehr Nachfrage
Grenzen ziehen – gelassen bleiben

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Die Erziehungsberatungsstelle des Caritasverbandes für den Kreis Coesfeld weitet ihr Angebot in Senden aus. Termine für ein Gespräch mit dem Diplom-Sozialpädagogen werden auch im Nebengebäude des Rathauses angeboten. Der Bedarf bei Vätern und Mütter, Tipps zu erhalten, wächst.

Samstag, 03.08.2013, 09:08 Uhr

Kurze Wege und niedrige Schwellen für Eltern, die bei Erziehungsfragen Tipps bekommen möchten. Sie haben eine weitere Möglichkeit, sich vor Ort an die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbandes für den Kreis Coesfeld zu wenden. Themen, die Fragen aufwerfen, gibt es genug: Sie reichen von Konflikten um Bildschirm-Spiele über Notenstress bis zu Fragen, wie das Selbstbewusstsein eines Kindes gestärkt oder Trennungsfolgen für gemeinsame Kinder minimiert werden können. Alle Aspekte können in der Nebenstelle des Rathauses ausführlich besprochen werden. Die WN nahmen dieses neue Angebot zum Anlass, um Norbert Janning (52), Diplom-Sozialpädagoge und stellvertretender Leiter der Caritas-Beratungsstelle, zu den Herausforderungen bei der Erziehung zu befragen.

Der Bedarf bei Eltern, sich in Erziehungsfragen beraten zu lassen, steigt kontinuierlich an. Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Janning: Dafür gibt es sicher vielfältige Gründe. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen als Erziehungs- und Familienberater wird mir immer deutlicher, dass viele Eltern zunehmend verunsichert sind in ihrem Erziehungsverhalten. Dies liegt wohl daran, dass es immer mehr Informationen gibt für Eltern über Medien wie Bücher, Fernsehen und Internet. Einerseits findet man dort Hilfestellungen, andererseits jedoch verunsichert das viele Eltern, weil gar nicht mehr klar ist, was nun richtig und falsch ist für mich als Mutter oder Vater. Hinzu kommt, dass Eltern immer höhere Erwartungen stellen hinsichtlich des Verhaltens und der Leistungsbereitschaft ihrer Kinder. Das sorgt für Druck und Stress in den Familien. Gelassenheit und Zuversicht kommen dabei leider oft zu kurz.

Welche konkreten Erziehungsfragen werden in den Beratungsgesprächen am häufigsten thematisiert?

Janning: Häufig geht es darum, wie die Eltern ihrem Kind sinnvoll Grenzen setzen können. Viele Eltern haben Sorge, dass sie ihrem Kind durch autoritäres Einschreiten schaden könnten. Dies wird dann in den Beratungen thematisiert: Wie kann ich mein Kind begrenzen, ohne seine berechtigten Interessen zu verletzen? Ein zweiter Bereich, der immer größeren Raum einnimmt, ist das Thema Trennung und Scheidung von Eltern. Nach dem Trennen auf der Paarebene bleiben Mutter und Vater ja in der gemeinsamen Verantwortung für ihr Kind. Als Eltern gemeinsam die notwendigen Regelungen zu treffen im Interesse des Kindes ist dann oftmals nicht einfach. Hier benötigen viele Eltern Hilfestellung durch Information und Beratung.

Gibt es Phasen im Jahr, in denen die Nachfrage nach Erziehungsberatung besonders hoch ist?

Janning: Die Nachfrage ist immer hoch. Früher gab es manchmal einen kleinen Einbruch im Sommer, aber das gibt es heute nicht mehr. Nach den Elternsprechtagen melden sich vermehrt Eltern, die von der Schule den Hinweis bekommen haben sich in unserer Beratungsstelle zu melden.

Gibt es goldene Regeln, die alle Eltern während der Erziehung befolgen sollten? Und welche Eigenschaften benötigen Eltern heute am meisten, um ihre Kinder weitgehend harmonisch aufwachsen zu lassen und sie für die Herausforderungen fit zu machen?

Janning: Die meisten Eltern, auch diejenigen, die in die Beratung kommen, haben ein ganz gutes Gespür dafür, was richtig ist in der Erziehung und was nicht. Eltern sollten sich selber zum Experten für ihre Erziehungsangelegenheiten machen und sich nicht zu sehr von außen beirren lassen. In unserer schnelllebigen, leistungsorientierten Zeit ist es wichtig, gelassen und optimistisch zu bleiben. Hilfreich ist zumeist auch, den Blick nicht nur auf Fehler und Schwächen zu richten und das Kind zu kritisieren, sondern mehr Gelungenes in den Fokus zu nehmen.

Geben Sie diesen Hinweis nur als Fachmann oder haben Sie persönliche Erfahrungen gesammelt?

Janning: Ja. Denn als Vater zweier Söhne habe ich selbst auch die Erfahrung gemacht, dass mich Erziehungsfragen an persönliche Grenzen führen können.

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