„Das Jahr geht um“
Janning meistert einen Gedicht-Marathon

Senden -

Vorlesen kann jeder, der des Lesens und des Sprechens mächtig ist. Dass hingegen Rezitation eine echte Kunst ist, bewies Jürgen Janning einmal mehr am Silvestertag. Bereits zum elften Mal in Folge gestaltete er für die Kunst- und Kulturinitiative Senden (KuKIS) einen literarischen Nachmittag unter dem Motto „Das Jahr geht um“.

Mittwoch, 01.01.2014, 15:01 Uhr

Und erneut gelang es ihm mit seiner Stimme und sparsam eingesetzter Gestik und Mimik das geschriebene Wort mit Leben zu erfüllen.

Im vergangenen Jahr lockten Märchen der Brüder Grimm über 80 Literaturinteressierte in den kleinen, heimeligen Saal der Friedenskapelle. Am vergangenen Dienstag waren es lediglich 35 Zuhörer, was dem eher geringen Bekanntheitsgrad des zeitgenössischen Dichters Heinz-Albert Heindrichs geschuldet sein dürfte. Von ihm stand ein wahrer Gedicht-Marathon mit 71 sprachlichen Kleinodien aus den Bänden „Nonnensense“ und „Von Jahr zu Jahr“ auf dem Programm.

Für den Mut, dieses nur wenig bekannte Werk im Rahmen der etablierten Reihe „Das Jahr geht um“ vorzustellen, gebührt der KuKIS Anerkennung. Denn damit wird sie ihrem Anspruch gerecht, Kunst und Kultur in Senden zu fördern. Und das funktioniert eben nicht, wenn nur auf eingefahrenen Bahnen gefahren, das Experiment gemieden wird.

Und experimentell war der literarische Silvesternachmittag gewissen. Denn in seinem „Nonnensense“-Gedichte spielt Heinz-Albert Heindrichs virtuos mit Worten und Silben – und erklärt zum Beispiel, wie ein Haubentaucher zum Taubenhaucher wird, und warum Pyramiden von müden Maiden gemieden werden. „Es schadet nicht, Unsinn zu reden, wenn man sich nur tief genug auf ihn einlässt“, hatte Jürgen Janning eingangs versprochen. Doch es gelang ihm noch mehr. Er zeigte, dass der vermeintliche Unsinn ganz und gar nicht ohne Sinn und auch nicht ohne Tiefsinn ist.

Im zweiten, kürzen Programmteil beleuchtete Jürgen Janning eine ganz andere Seite des Schriftstellers Heinz-Albert Heindrichs: In seinen Gedichten „Von Jahr zu Jahr“ wechselt die Stimmung total – wird besinnlich, schwermütig, ja sogar traurig. Lyrische Impressionen, die den Jahresverlauf und den Lauf des eigenen Lebens widerspiegeln, ließen es im kleinen Saal mucksmäuschenstill und andächtig werden.

So klang der heiter begonnene Nachmittag melancholisch aus und lud dazu ein, die vergangenen zwölf Monate Revue passieren zu lassen und dem neue Jahr mit Hoffnung zu begegnen.

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