Zeitzeuge berichtet Realschülern über DDR-Regime
Unterdrückung, Spitzel und Schikane

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Burkhard Seeberg war Ende der 1970er Jahre 13 Monate in DDR-Haft, weil er versucht hatte, seiner Freundin die Flucht in den Westen zu ermöglichen. Im Rahmen der „Werteerziehung“ der Geschwister-Scholl-Realschule schilderte er den Zehntklässlern seine persönlichen Erfahrungen.

Mittwoch, 29.01.2014, 17:01 Uhr

„Wer weiß, was ein I.M. ist“, fragt Burkhard Seeberg und lässt seinen Blick über die Reihen der Zehntklässler schweifen. Doch keiner der 15- bis 17-Jährigen kennt die Antwort. Denn die Zeit der Informellen Mitarbeiter, der Spitzel in der DDR , ist seit fast 25 Jahren Geschichte.

Burkhard Seeberg, der 13 Monate wegen „staatsfeindlichen Menschenhandels“ in DDR-Haft saß, gelang es allerdings, den Jugendlichen ein düsteres Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte anschaulich näher zu bringen – auf eine sehr persönliche Weise, durch Schilderung eigener Lebenserfahrungen.

Als junger Mann war der Münsteraner Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). 1973 lernte er bei einem Aufenthalt in Ostberlin seine Freundin kennen, mit der er über Jahre eine Fernbeziehung führte. „Sie war der Grund, warum meine Beziehung zur DDR enger wurde“, scherzte Seeberg.

Der Zeitzeuge berichtete den Jugendlichen von den scharfen Kontrollen an der deutsch-deutschen Grenze, von Stacheldraht-Verhauen und Wachtürmen, von Einreise-Visum und Zwangsumtausch. Ebenso schilderte Burkhard Seeberg die ärmlichen Lebensverhältnisse in der DDR der 1970er Jahre. Und er erzählte, wie verdeckte Mitarbeiter der Staatssicherheit versuchten, ihn auszuhorchen und als Spitzel zu gewinnen.

Burkhard Seeberg verdeutlichte die Verhältnisse in der DDR durch einen Vergleich mit dem Nazi-Regime: „1938 gab es 8500 Gestapo-Mitarbeiter für 80 Millionen Menschen. Kurz vor der Wende hatte die DDR rund 90 000 Stasi-Mitarbeiter.“ Damals lebten dort rund 16,7 Millionen Einwohner.

Beim Versuch, seiner Freundin mit gefälschtem Pass die Flucht über Ungarn zu ermöglichen, wurden beide 1979 erwischt und festgenommen. Es folgten stundenlange Verhöre, Verurteilung und Inhaftierung, bis er nach 13 Monaten von der Bundesrepublik freigekauft wurde.

„Die Werteerziehung ist in unserem Schulprogramm fest verankert, sowohl mit Blick auf die Historie als auch auf unseren Schulalltag“, sagt Lehrerin Alexandra Brintrup-Feldhaus . „Nur wer die Geschichte kennt, kann die Zukunft gestalten.“ Der Vortrag von Burkhard Seeberg biete diesbezüglich die Möglichkeit, ein Unrechtsregime aus der unmittelbaren Erfahrung eines Zeitzeugen kennen zu lernen. Die Jugendlichen sollen erkennen, wie wichtig Freiheit und Demokratie für jeden Einzelnen sind und dass es notwendig ist, sich aktiv für deren Bewahrung einzusetzen. In der Geschwister-Scholl-Realschule gebe es zum Beispiel die Möglichkeiten, sich als Schulsanitäter, Sporthelfer oder im Rahmen des Zivilcourageprogramms aktiv in das Gemeinschaftsleben einzubringen. „Wir wollen die Schülerinnen und Schüler stärken, um sie als Persönlichkeit reifen zu lassen“, erklärt Alexandra Brintrup-Feldhaus.

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