Schloss Senden: „Akuter Handlungsbedarf“
Kein Geld für Winter-Sicherung

Senden -

Ein Vorstoß der Schloss-Initiative, mit kommunalen Mitteln Akutmaßnahmen für die Winter-Sicherung des Denkmals durchzuführen, ist bei den Kommunalpolitikern gescheitert. Die Mehrheit der Mandatsträger sieht zuerst den Eigentümer in der Pflicht.

Freitag, 12.12.2014, 17:12 Uhr

Das Schloss bräuchte akuten Schutz, damit im Winter keine drastischen Bauschäden entstehen. Um die Substanz zu bewerten, haben angehende Bauingenieure mit FH-Dozentin Andrea Huesmann und Bernd Sparenberg (Schloss-Initiative) die Kellergewölbe von Müll befreit.
Das Schloss bräuchte akuten Schutz, damit im Winter keine drastischen Bauschäden entstehen. Foto: di

Der Winter, vor dessen Folgen geschützt werden sollte, steht schon vor der Tür. Das Schloss hat der Wucht der Elemente nicht viel entgegenzusetzen, sollten Schnee, Eis, Starkregen oder Sturm an dem Gemäuer zerren. Deshalb hat die „Initiative Schloss Senden“ einen Antrag auf „Notsicherungsmaßnahmen“ gestellt, der am 14. Oktober im Rathaus eintrudelte. Die Höhe der erwarteten Kosten für den Akut-Schutz enthält das Papier nicht. Am Donnerstagabend hat der Haupt- und Finanzausschuss den Vorstoß abgelehnt – einstimmig bei drei Enthaltungen von Grünen und UWG.

Die meisten Mandatsträger pochten darauf, dass „kein öffentliches Geld in privates Eigentum gesteckt werden soll“, worin Lambert Lonz ( SPD ) eine Grundsatzfrage erkannte. Wenn die Gemeinde Mittel aufwenden würde, dann nur mit der Auflage, dass das Geld zurückerstattet werden müsste, sobald das Schloss an einen Dritten verkauft wird, schlug Achim Peltzer (SPD) vor.

Sascha Weppelmann ( CDU ) brachte die prinzipiellen Bedenken auf den Punkt: „Es ist der richtige Weg, den Eigentümer in die Pflicht zu nehmen.“ Sich um das Denkmal zu kümmern, sei dessen „ureigenste Pflicht“. Einen weiteren Satz mit dem Begriff Pflicht steuerte Günter Mondwurf mit dem Rückgriff aufs Grundgesetz bei: „Eigentum verpflichtet“, zitierte der CDU-Ratsherr.

Einigkeit herrschte in der Politik darin, den Druck auf den in Hamburg lebenden maßgeblichen Vertreter der Erbengemeinschaft zu erhöhen. Auf Unkenntnis über den heiklen Zustand des Gebäudes könne sich dieser nicht berufen: „Der Eigentümer kennt die Schäden“, sagte Bürgermeister Alfred Holz. Die Gemeinde warte auf Reaktionen, nachdem mehrere Gespräche stattgefunden hätten. Notwendige Sanierungs- und Unterhaltungsmaßnahmen seien zuletzt Anfang Mai gegenüber der Eigentümergemeinschaft thematisiert worden.

„Irgendwann ist Schluss mit lustig, und man muss dem Eigentümer die Folgen seines Handelns aufzeigen“, appellierte Lambert Lonz (SPD), die Gangart zu verschärfen.

Peter Moll (FDP) brachte die Frage in die Debatte ein, ob der Eigentümergemeinschaft nicht eine Frist gesetzt werden könne, bis zu der Tatsachen geschaffen werden müssten, das Denkmal winterfester zu machen.

Von diesem Schritt, so Holz, sei bislang abgesehen worden, um das Klima der Verhandlungen mit den Eigentümern nicht zu belasten. Von einer „Eskalationsspirale“ riet Ratsherr Dr. Christian Vogdt (CDU) auch weiterhin ab. Dem pflichtete Weppelmann bei, „weil ja gerade Investorengespräche laufen“. Was Tom Hageney (UWG) als „Licht am Ende des Tunnels“ interpretierte.

Dass die Schloss-Initiative auch selbst hätte Geld für die Rettungsmaßnahmen sammeln können, hob Hans-Otto Kramer (CDU) hervor. „Ich finde das nicht so witzig, die hätten längst aus dem Quark kommen können.“

Berthold Rieger und Anneliese Pieper (beide Grüne) erinnerten daran, dass sich alle Ratsfraktionen in dem Wunsch einig seien, das Denkmal zu erhalten. Das Geld für den Schutz des Schlosses sollte daher aufgebracht werden – unter Sicherstellung, dass es die Gemeinde zurückbekommt.

Der Haupt- und Finanzausschuss traf ein anderes Votum: Das Gremium lehnte den Akut-Antrag der Schloss-Initiative ab und fordert die Eigentümergemeinschaft „schriftlich und mit Nachdruck“ auf, ihre Pflichten zum Schutz des Denkmals zu erfüllen.

Denkmalschützer schlagen Alarm

► Die Fachleute des Amtes für Denkmalpflege beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) schlagen Alarm: Sie sehen beim Schloss Senden „akuten Handlungsbedarf“, so ein Behördensprecher am Freitag auf WN-Anfrage. Denn das Dach des Bauwerkes sei nicht mehr dicht, was als „sehr gefährlich“ bewertet wird.

► Die Denkmalschützer bestätigten, dass sie eine angemessene Bebauung der Flächen beiderseits der Schloss-Allee und auf der Vorwiese akzeptieren könnten, wenn dies einem Nutzungskonzept zum Erhalt des Denkmals dient.

Der Eigentümer kennt die Schäden, wir warten auf eine Antwort.

Bürgermeister Alfred Holz
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