Literarischer Nachmittag
Janning zündet ein Feuerwerk der Worte

Senden -

„Worte sind der Seele Bild“ lautete das Motto des literarischen Nachmittages, zu dem die Kunst- und Kulturinitiative Senden (KuKiS) in ihr Domizil am „Grünen Grund“ eingeladen hatte.

Donnerstag, 01.01.2015, 15:01 Uhr

Jürgen Janning nahm die 50 Interessenten mit auf einen Parforceritt durch 400 Jahre hochverdichtete Litaraturgeschichte. Alexander Zinowsky sorgte für musikalische Brücken.
Jürgen Janning nahm die 50 Interessenten mit auf einen Parforceritt durch 400 Jahre hochverdichtete Litaraturgeschichte. Alexander Zinowsky sorgte für musikalische Brücken. Foto: sff

Während draußen im Dorf schon die ersten Böller mit Trara im Nichts verpufften, herrschten drinnen Stille und Besinnung. Und trotzdem zündete am Silvestertag in der Friedenskapelle ein Feuerwerk – ein Feuerwerk der Worte. Jürgen Janning war es, der es schillernd steigen ließ. Nicht in den Himmel, sondern in den Köpfen seiner Zuhörer.

„Worte sind der Seele Bild“ lautete das Motto des literarischen Nachmittages, zu dem die Kunst- und Kulturinitiative Senden (KuKiS) in ihr Domizil am „Grünen Grund“ eingeladen hatte. Bereits zum zwölften Mal fand dort „Das Jahr geht um“ eine aufmerksam lauschende Zuhörerschaft.

Doch wurden die Gäste zum Jahresausklang vom Feuerwerk der Poesie nicht nur erleuchtet. Sie wurden intellektuell auch ordentlich gefordert. Denn Jürgen Janning mutete den knapp 50 Literaturinteressierten eine Menge zu: Im Parforceritt eilte er in anderthalb Stunden durch 400 Jahre hochverdichtete Literaturgeschichte. Vom Barockdichter Simon Dach ging es über Johann Wolfgang von Goethe zu Rainer Maria Rilke. Dann wieder (zeitlich) zurück zu Friedrich Rückert (1788 - 1866), schließlich zur modernen Lyrik – zu Hilde Domin und zu Rose Ausländer – und zur avantgardistischen Sprachartistik einiger „junger Wilden“.

Dazwischen halfen mit Musik gefüllte Pausen immer wieder, die soeben gehörte, längst nicht immer einfache, literarische Kost zu „verdauen“. Alexander Zinowsky sorgt mit seiner „klassischen“ Gitarre gleichwohl für ein harmonisches Pendant zum literarischen Vortrag.

Doch so sprachlich und literaturhistorisch die vorgetragenen fast 50 Gedichte auch waren: Jürgen Janning reihte sie mit großem rezitatorischen Können wie kostbare Perlen aneinander. Mal ganz leise, mal die Stimme hebend, gab er jedem einzelnen Gedicht auf seine ganz eigene Weise Klang und schafft ihm Gehör. Doch ließ er sie auch miteinander sprechen: Mal schien das eine seinen Vorgänger zu bestätigen, dann wieder schien ein anderes beiden zu widersprechen.

Jürgen Janning hatte das lyrische Sammelsurium mit viel Bedacht zusammengestellt. Denn in sämtlichen Werken aus ganz verschiedensten Epochen beschäftigt sich der Dichter mit der Sprache selbst: mit der Zauberkraft und Schönheit der Poesie, mit dem Medium, das dem Geist Ausdruck verleiht – aber auch mit seinem Missbrauch. Somit spannte Jürgen Janning den Bogen zum Goethe-Zitat, das gleichsam Motto des literarischen Nachmittags war: „Worte sind der Seele Bild“.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2973225?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F166%2F4849172%2F4849184%2F
Unbekannte sprengen Geldautomat
Die Sprengung des Geldautomaten an der Westfalen Tankstelle hat heftige Folgeschäden hinterlassen: Schaufenster und Tür sind demoliert worden.
Nachrichten-Ticker