Auschwitz-Überlebende Erna de Vries berichtet:
Gräueltaten am eigen Leib erfahren

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Nur knapp hat die heute 92-jährige Erna de Vries das Massenvernichtungslager Auschwitz überlebt. Im Joseph-Haydn-Gymnasium berichtete die Zeitzeugin Jugendlichen über die Gräueltaten der Nazi-Diktatur.

Mittwoch, 11.03.2015, 15:03 Uhr

Aufmerksam luschten die Jugendlichen den Ausführungen von Erna de Vries. Die Auschwitz-Überlebende schilderte ihnen den Alltag im Massenvernichtungslager.
Aufmerksam lauschten die Jugendlichen den Ausführungen von Erna de Vries. Die Auschwitz-Überlebende schilderte ihnen den Alltag im Massenvernichtungslager. Foto: dre

Sie legt die Hände ineinander – damit sie nicht so zitterten. Erna de Vries hat gerade Platz genommen. Und rund 40 Schülerinnen und Schüler, des Geschichtskursus der Jahrgangsstufe zwölf sowie die neunte Klasse des Joseph-Haydn-Gymnasiums sitzen der 92-Jährigen im Kursraum gegenüber. De Vries blickte in die aufmerksamen Gesichter der Jugendlichen. Dann erzählt die Zeitzeugin mit gefestigter Stimme aus ihrem Leben. Im Zweiten Weltkrieg musste sie die Gräueltaten der Nationalsozialisten am eigenen Leib erfahren: Die 92-Jährige überlebte das Massenvernichtungslager Auschwitz nur knapp. Heute ist Erna de Vries eine der wenigen Zeitzeugen des Holocaust.

Als Tochter einer jüdischen Mutter und eines evangelischen Vaters wurde Erna de Vries 1923 in Kaiserslautern geboren. Ihr Vater verstarb bereits 1931. Sie weigerte sich 1943 ihre Mutter zu verlassen und folgte der Deportation nach Auschwitz. „Es war ein schwerer Schlag für mich. Ich wusste, was in Auschwitz passiert. Viele wussten es nicht, aber die, die es wissen wollten, wussten es. Ich konnte und wollte meine Mutter nicht alleine lassen.“

Erna de Vries kam nach Auschwitz-Birkenau. „Das war das eigentliche Vernichtungslager mit Gaskammer und Krematorium“, erzählte die 92-Jährige. Sie sei registriert, rasiert und tätowiert worden, bekam Arbeitskleidung. Die Zeitzeugin hob ihren Arm, zog ihren Pullover hoch und zeigte den Jugendlichen die Tätowierung, die selbst 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz noch zu erkennen ist.

„Wir wurden schikaniert, angebrüllt und geschlagen“, erinnert sich die Zeitzeugin. „Ich war damals 19 Jahre. Meine Mutter und ich mussten auf dem Weg zur Arbeit immer zwischen den Krematorien hindurch laufen. Das war schrecklich.“

1943 seien viele Juden aus ganz Europa nach Auschwitz gekommen. „Die Nationalsozialisten konnten gar nicht so viele Menschen verbrennen, so viele wurde vergast“, weiß Erna de Vries.

Ihre Mutter kam im Vernichtungslager um. Sie selbst entging dem Tod im Konzentrationslager nur knapp, da sie als „Mischling“ nicht rein jüdisch war. Nach dem Krieg heiratete sie den Juden Josef de Vries und folgte ihm ins emsländische Lathen. Dort gründeten die beiden eine Familie. Erna de Vries gebar drei Kinder.

Bis heute kommt die 92-Jährige nun dem letzten Wunsch ihrer Mutter nach und besucht Schulen auf Anfrage, um aus ihrem Leben zu berichten. „Meine Mutter hat immer gesagt: Du wirst überleben. Dann wirst du erzählen, was man mit uns gemacht hat.“

Für ihr Engagement wider das Vergessen der NS-Zeit erhielt Erna de Vries im vergangenen Jahr das Bundesverdienstkreuz aus den Händen von Bundespräsident Joachim Gauck.

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