„Radikalku(ltu)r“
Auf dem Triumph-Pfad zur Wahrheit

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Der Smartphone-Wahn wurden den Besuchern von „Radikalku(ltu)r“ genauso vor Augen gehalten wie Nonsens aus dem Raumschiff Berlin oder der täglichen Fernseh-Werbung.

Sonntag, 07.06.2015, 17:06 Uhr

Der Smartphone-Wahn wurden den Besuchern von „Radikalku(ltu)r“ genauso vor Augen gehalten wie Nonsens aus dem Raumschiff Berlin oder der täglichen Fernseh-Werbung.
Der Smartphone-Wahn wurden den Besuchern von „Radikalku(ltu)r“ genauso vor Augen gehalten wie Nonsens aus dem Raumschiff Berlin oder der täglichen Fernseh-Werbung. Foto: dk

Wer den ganzen Schwachsinn selbst ernannter TV-„Comedians“, satt hat, kann Hoffnung schöpfen. Denn in Münster-Nienberge hat sich ein Kabarett-Ensemble aus Künstlern, Hausfrauen, Angestellten und Pädagogen gefunden, dass – der Vergleich sei erlaubt – in „nur“ zwei Jahren vom „Federweißen“ zu bouquet-reichem „Weinessig“ gereift ist. Ob es einmal ein „Aceto Balsamico“ der Extraklasse werden wird, bleibt abzuwarten. Doch das, was diese Truppe mit dem bezeichnenden Etikett „Radikalku(ltu)r“ am Freitagabend in der „Kukis“-Unterkunft, der „Friedenskapelle Grüner Grund“ zum Besten gab, weckte Hoffnungen.

„Parallel-Universen“ so die Titel der Programmpunkte, die von der Musik-Professorin Mechthild von Schoenebeck geschrieben, von Ulrich Petermann arrangiert und von Regisseurin Christa Romberg in Szene gesetzt, gut anderthalb Stunden feinste Unterhaltung boten. Ob in spöttischen singulären Tiraden, ob in gewollt spießig giftigen Dialogen, oder häufig auch nur in anklagendem Gesang – die Inhalte sprachen mehr als deutliche Kritik. Die galten dem Smartphone-Wahn unserer Tage, dem ständigen Nonsens im politischen Berlin , festgefahrenen Festspiel-Traditionen, dem Gehalt-Gigantismus in den Vorstandsetagen der Konzerne, („am Golde hängt, zum Golde drängt….“), der „familienfreundlichen“ Bundeswehr , („wie hält sich der Feind an die Bundeswehr-Kita-Öffnungszeiten“) und der geradezu geisteskranken Werbung in den Medien. Wie zum Beispiel: Das Opernhaus in Köln hat „Carmen“ aus dem Programm genommen, weil darin für Rauchen geworben wird. Rom hat alle Opern abgesetzt, in denen Ehebruch vorkommt, und in manchen Ländern dürfen keine Theaterstücke mehr inszeniert werden, in denen gemordet wird. Dafür wirbt eine große deutsche Firma für Windeln gegen Inkontinenz mit meterlangen Spezial-Exemplaren für ältere Besucher. Passend zum sorgenfreien Genuss des kompletten „Ring der Nibelungen“ ohne störenden Gang zur Toilette! Dazu gibt es mit der Eintrittskarte für Bayreuth kostenlose Kompressionsstümpfe.

Zum Finale erklären sie sich selbst: „Satire ist der Triumph-Pfad zur Wahrheit, der dich aus dem Dunkel holt, dich zum Licht führt. Wir sind, was früher mal der Hofnarr war, und krümmen wie dieser keinem ein Haar. Wir schaufeln der Dummheit ein solides Grab, und weder Furcht noch Beifall halten uns ab.“

Zu den Kuki-Freunden um Iris Weintz und ihr Team jedenfalls passte das Nienberger Ensemble wie Schlagsahne auf Erdbeeren. Einfach perfekt! Trotz der Säure.

Wir sind, was früher mal der Hofnarr war, und krümmen wie dieser keinem ein Haar.

Radikalku(ltu)r
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