Initiative „Hoffnungsschimmer“
Hilfe zwischen den Terror-Fronten

Senden/Diyarbakir/Kobane -

Die Stadt liegt in Trümmern, zerschossen, zerbombt, voller Minen und Leichnamen. Kobane steht für den erfolgreichen Kampf gegen die Terrormiliz IS. Der blutige Krieg hält an, und doch bahnt sich die humanitäre Hilfe einen Weg. Der „Aktion Hoffnungsschimmer“ ist es gelungen, akute Unterstützung in das kurdische Gebiet zu bringen.

Mittwoch, 15.07.2015, 21:07 Uhr

Dabei entpuppt sich die türkisch-syrische Grenze für viele Organisationen als Nadelöhr: Die Räder der Lastwagen mit Hilfsgütern stehen oftmals lange still, weil die Behörden den Nachweis immer neuer Papiere verlangen.

 

Initiative „Hoffnungsschimmer“

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Ziele von „Hoffnungsschimmer“

► Das Netzwerk der Partner, das im Januar aufgenommen worden war, sollte weiter geknüpft und der Einsatz des Spendengeldes vor Ort kontrolliert werden. Dem Ausbau von Kontakten in der Region galt auch die Teilnahme am „Mesopotamien-Kongress“, bei dem Vertreter von Ärzte-Vereinigungen, Hilfsorganisationen, Politiker und verschiedene NGO in Van zusammenkamen.

► Über die akute Hilfe hinaus, die im türkisch-syrischen Grenzgebiet nötig bleibt, will „Hoffnungsschimmer“ einen erkennbaren Beitrag am Wiederaufbau eines Krankenhauses in Kobane leisten.

Die Flüchtlingsinitiative aus Senden, die aus dem ganzen Münsterland ideelle und materielle Unterstützung erhält, treibt gerade die Gründung eines eingetragenen Vereins voran.

Spendenkonto: Volksbank Senden eG, IBAN: DE 91400695460000341221

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Doch die Hilfsorganisation, die in Senden rund um den stellvertretenden Generalvikar des Bistums Münster, Dr. Jochen Reidegeld, mit kurdischen Vereinen, den Kirchengemeinden und dem Bürgermeister sowie dem Bundestagsabgeordneten Karl Schiewerling entstanden ist, verfügt über ein Netzwerk vor Ort. Das ist bereits bei einer ersten Reise im Januar geknüpft und nun ausgebaut worden. „Sobald jemand die kurdische Sprache spricht, ist das Vertrauen da“, betont Dennis Necat Bozan , Mitgründer von Hoffnungsschimmer . Er kehrt gerade von einer Reise aus der Region zurück, die er gemeinsam mit Ute Hoffmann von der Hilfsorganisation „action medeor“, ein fester Partner von Hoffnungsschimmer, unternommen hat.

Ihr wichtigster Akteur vor Ort ist die „Union der Städte und Gemeinden in Südostanatolien (GABB)“. Der Regionalverband hat den Transport von Lebensmitteln im Wert von 20 000 Euro nach Kobane gewährleistet. „Die Stadt liegt in Schutt und Asche, aber die Verwaltung funktioniert“, beteuert Bozan.

Lebensmittel für 25 000 Euro hat „Hoffnungsschimmer“ ins nordirakische Shingal-Gebirge bringen lassen – eine Lkw-Lieferung über einen Korridor mitten durch ein Gebiet, in dem Terror und Krieg immer wieder blutig aufflackern. Kurdische YPG-Milizen sichern die rund 150 Kilometer von der türkischen Grenze bei Nusaybin bis zu den Bergen mit der Pilgerstätte Serfidin, auf denen sich jezidische Bewohner seit vorigem August vor selbst ernannten Gotteskriegern verschanzt haben. „Die Menschen kämpfen ums nackte Überleben“, unterstreicht Orhan Atalan von „Hoffnungsschimmer“. Die geflüchteten Jeziden weichen dennoch nicht. Denn sie wissen: Dann fiele das Gebiet an den IS – und die religiöse Minderheit würde dort ausradiert.

Die Situation in den Camps auf türkischem Gebiet hat sich in den vergangenen Monaten noch verschlechtert: Die Zahl der Menschen, die in Zelten leben, ist gewachsen, ihre Versorgung wird immer prekärer, hat Hoffmann festgestellt. Ihre Organisation hat jetzt Medikamente im Wert von 100 000 Euro bereitgestellt.

Traumatische Erlebnisse, Not und Perspektivlosigkeit in allen Generationen: „Viele Menschen sind völlig resigniert“, bedauert Bozan.

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