Drohne nervt Anwohner
Spion aus der Luft: Unübersehbar und unerreichbar

Senden -

Das weiße unbemannte Flugobjekt dreht regelmäßig seine Runden über dem Wohngebiet Droste Gärten. Dort nervt die Drohne zusehends einige Anwohner, sie fühlen sich beobachtet und fürchten sogar, von Kriminellen ausspioniert zu werden.

Mittwoch, 05.08.2015, 18:08 Uhr

Von einem Quadrocopter fühlen sich einige Anwohner an den Droste Gärten belästigt.
Von einem Quadrocopter fühlen sich einige Anwohner an den Droste Gärten belästigt. Foto: dpa/Axel Heimken

Vier Rotoren steuern einen weißen Rumpf – unübersehbar und unerreichbar bewegt sich das Flugobjekt über Häuser und Gärten. Beim ersten Mal quittierten die Bewohner des Wohnviertels den Gast aus luftiger Höhe noch mit Achselzucken. Inzwischen ordnen sie das surrende Gerät schon in die Schublade „Nervensäge“ ein. Oder noch schlimmeres? Eine Drohne, die seit ein paar Wochen über dem Bereich Droste Gärten ihre Runden dreht, sorgt dort für Ärger und ein Quäntchen Unruhe. „Wir wissen nicht, was und wer dahinter steckt“, lautet die Frage, die einige Bewohner umtreibt.

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Sollten gar Kriminelle ihren Beutezug per Hightech-Einsatz vorbereiten, äußerten Hausbesitzer ihre Sorge. Das glaubt die Polizei nicht. Auf Anfrage der WN hält sie verbrecherisches Vorgehen für unwahrscheinlich. „Wir haben noch nie davon gehört, dass Einbrecher zuvor Drohnen einsetzen“, fasst Polizeisprecher Ralf Storcks die Erfahrungen der Beamten zusammen.

Die Frage, wer den Quadrocopter lenkt, lässt sich nur per Ausschlussprinzip beantworten – und das auch nicht abschließend. Behörden jedenfalls, das ergaben WN-Recherchen, setzen die Fluggeräte nicht oder nur in Ausnahmefällen ein.

Das gilt beispielsweise für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Dort greifen die Planer und Techniker nur dann auf Drohnen zurück, wenn es um besonderen Anlagenbau (wie die neue Schleuse in Münster) geht. Ein solches Projekt ist aber in Senden weit und breit nicht zu finden, weshalb Renate Schäfer, Sprecherin der Wasser- und Schifffahrtsdirektion, den Einsatz einer Drohne in Senden ausschließt.

Wir haben noch nie davon gehört, dass Einbrecher zuvor Drohnen einsetzen.

Polizeisprecher Ralf Storcks

Die Gemeinde Senden lässt in Einzelfällen die Mini-Helikopter aufsteigen. Klaus Mende, stellvertretender Leiter des Bauamtes, nennt als Beispiel die Inspektion des Daches eines Schulgebäudes. Dabei hat die Drohne, gesteuert von einem versierten und mit allen Auflagen vertrauten Mitarbeiter der Verwaltung, den Einsatz eines teuren Krans ersetzt.

Im Bereich Droste Gärten, so die Gemeinde, saß die Gemeinde aber nicht am Steuerknüppel der Fluggeräte.

Die Vermutung, dass Privatleute die Lufterkundung betreiben, liegt daher nahe. In der vorigen Woche war es der Montag, als die Drohne über die Häuser stieg, davor sei der Spion von oben alle drei, bis vier Tage aufgefallen, schildert ein Anwohner. Mal sei es gegen Mittag, meist nachmittags gewesen, dass das Viertel mit der Kamera am „Ufo“ inspiziert worden sei. Skeptisch machte dabei, dass sich die Flugzone auf das bebaute Gebiet konzentrierte, der Park und der Kanal weniger überflogen wurden.

Beschwerden über „zu penetrante“ Drohnen sind bisher weder beim Ordnungsamt der Gemeinde noch bei der Polizei eingegangen. Wobei das noch kommen könnte, wie Storcks einräumt, denn der Polizeihauptkommissar weiß auch, dass sich die Zahl der kleinen flotten Flieger und ihrer womöglich rücksichtslosen Piloten vergrößert.

Hobby-Flieger brauchen für ihre Drohne keine Lizenz

► Fliegen ohne Lizenz: Wer eine Drohne (bis fünf Kilogramm Gewicht) als Privatvergnügen und zu Hobbyzwecken nutzt, braucht keine Genehmigung. Persönlichkeitsrechte von Anwohnern müssen aber berücksichtigt werden.

► Wenn die Drohne für gewerbliche Zwecke verwendet wird, kommt die Bezirksregierung als Genehmigungsbehörde ins Spiel. Wiegt der Mini-Helikopter samt Ladung unter fünf Kilogramm stellt die Behörde in der Regel Genehmigungen aus, die für zwei Jahre in ganz NRW gelten. Wird dieses Limit überschritten, erteilt die Verwaltung eine einzelne Erlaubnis für den Tag und Ort. Die Anträge sind umfangreich und mit Kosten verbunden.

► Als gewerblicher Nutzer einer Drohne gilt auch ein Fotograf, der seine Bilder kostenpflichtig anbietet, nennt Sigrun Rittrich, Sprecherin der Bezirksregierung Münster, ein Beispiel.

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