Außenwohngruppe in Fachwerkgebäude
Lebenshilfe erhält Mühle am Leben

Senden -

„So viel Freiheit wie möglich und so viel Betreuung wie nötig.“ Dieser Slogan prägt das pädagogische Konzept der Außenwohngruppe, die die Lebenshilfe in der ehemaligen Stevermühle eingerichtet hat. Der Bedarf nach Plätzen ist damit noch nicht gestillt.

Freitag, 28.08.2015, 16:08 Uhr

Die einstige Stevermühle dient als Außenwohngruppe, deren vier Bewohner (mit Pädagoge Christian Huesmann) sich sehr wohl fühlen. Ina Droste zu Senden (kleines Bild, r.) und Bärbel Kreimeier sind froh, dass das Gebäude erhalten worden ist.
Die einstige Stevermühle dient als Außenwohngruppe, deren vier Bewohner (mit Pädagoge Christian Huesmann) sich sehr wohl fühlen. Ina Droste zu Senden (kleines Bild, r.) und Bärbel Kreimeier sind froh, dass das Gebäude erhalten worden ist. Foto: di

Es stand auf Messers Schneide. Das Gebäude hätte auch ein Fall für die Abrissbirne werden können. Der Vorstand der Lebenshilfe Senden hat eine Zeit lang spitz gerechnet, ob das historische Gebäude, allem Reiz zum Trotz, seine Aufgaben erfüllen und der Trägerverein seinen Kostenrahmen einhalten könnte. „Wir haben lange gerungen“, räumt Ina Freifrau Droste zu Senden , zweite Vorsitzende der Lebenshilfe Senden, ein. Ihr ist deutlich anzumerken, dass sie froh ist, dass die Lebenshilfe das Leben des Fachwerkbaus mit einer Frischzellenkur am Leben erhalten hat.

Seit rund vier Wochen ist auch Leben in die Außenwohngruppe der Lebenshilfe eingekehrt. Drei Männer und eine Frau wohnen in der einstigen Mühle. Sie sind zwischen 23 und 35 Jahre alt und haben zuvor bei ihren Eltern beziehungsweise im Wohnheim der Lebenshilfe gewohnt. Abnabeln – das gehört auch bei Menschen mit Handicap dazu. „Es tut ihnen gut, eigenständig zu leben“, betont Bärbel Kreimeier , Leiterin des Lebenshilfe Wohnheims. Für Vorstand und Team der Lebenshilfe war es ein Glücksfall, die betagte Immobilie in unmittelbarer Nachbarschaft der Einrichtung an der Steverstraße angeboten zu bekommen. Die Nähe bietet die Möglichkeit, bei Betreuung zu kooperieren und Besuche ohne Aufwand zu gestalten.

Außenwohngruppe in Stevermühle

1/3
  • Historisches Gemäuer mit neuem Leben erfüllt: Die Lebenshilfe nutzt die Stevermühle als Außenwohngruppe. Foto: di
  • Historisches Gemäuer mit neuem Leben erfüllt: Die Lebenshilfe nutzt die Stevermühle als Außenwohngruppe. Foto: di
  • Historisches Gemäuer mit neuem Leben erfüllt: Die Lebenshilfe nutzt die Stevermühle als Außenwohngruppe. Foto: di

Das Konzept der Außenwohngruppe, auf die sich die Bewohner eigens vorbereitet haben, lautet: „So viel Freiheit wie möglich und so viel Betreuung wie nötig.“ Teilhabe und ein eigenständiges Leben seien ohnehin die zentralen Ziele des Inklusions-Gebots, so Droste zu Senden und Kreimeier.

Niedrige Schwellen – das gilt im Wortsinn auch in der einstigen Mühle mit ihrem Charm und Charakter eines jahrhundertealten Gebäudes. Denn hinter gedämmten Fachwerk schlummert im zuvor völlig entkernten Inneren auch ein Aufzug: Ein Zuschuss in Höhe von 200 000 Euro durch die Aktion Mensch hat der Lebenshilfe die Entscheidung für diese technische Ausstattung erleichtert. Komplette Barrierefreiheit, nachhaltiges Bewirtschaften und ein Erinnern an historische Funktionen der Mühle – diese Aufgabe hat Architekt Eckhard Scholz gereizt. Und mit „Herzblut“ erfüllt, wie Kreimeier und Droste zu Senden resümieren, die auch alle Gewerke in ihren Dank einschließen.

Den vier Bewohnern, die zum Beispiel Kochen und Wäsche waschen, selbst Aufstehen und Frühstücken, bevor sie Werkstätten aufsuchen, macht das Zusammenleben Spaß, die Betreuung durch pädagogische Fachkräfte nimmt mehr und mehr ab. „Wir fühlen uns wohl“, betonen die neuen Bewohner der alten Stevermühle.

So viel Freiheit wie möglich und so viel Betreuung wie nötig.

Pädagogisches Konzept der Außenwohngruppe
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3472705?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F166%2F4849172%2F4849177%2F
Nachrichten-Ticker