Versammlung abgesagt
Wirtin zieht Zusage an die AfD zurück

Bösensell -

(Aktualisiert) Die Pächterin der Gaststätte "Zur Krone" zog die Zusage an den Kreisverband der AfD zurück, der zu Montagabend zu einer Vortragsveranstaltung nach Bösensell eingeladen hatte. Statt der AfD-Anhänger kamen am Abend dann Gäste, die sich mit ihrem Kneipenbesuch mit der Wirtin solidarisierten.

Dienstag, 08.03.2016, 11:03 Uhr

Fotograf: cw
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Die Versammlung des AfD in Bösensell wurde abgesagt. Dies bestätigte am Montagmittag auf Anfrage unserer Zeitung die Pächterin der Gaststätte „Zur Krone“. Dort hatte die „Alternative für Deutschland“ für den Abend ursprünglich zu einem Vortrag zum Thema „Zuwanderung, Asyl und Integration und Rückführung“ eingeladen. Ob Prof. Dr. F. Tropberger, fachpolitischer Sprecher, sein Referat andernorts hält, ist nicht bekannt. Eine entsprechende Anfrage der Redaktion hat die Partei nicht beantwortet. Der Vortragsabend in Bösensell war überdies im Laufe des Tages noch auf der Homepage des AfD-Kreisverbandes zu finden.

Die Polizei stellte sich deshalb weiterhin darauf ein, dass es im Zuge der Veranstaltung zu Begleiterscheinungen kommen könnte. „Wir zeigen auf jeden Fall Präsenz‘“, kündigte Polizeisprecher Martin Pollman an. Bislang aber habe es kein Aufeinanderprallen von AfD-Anhängern und Gegendemonstranten gegeben.

„Krone“-Pächterin Silvia Formell hatte ihre Zusage an die Partei wieder zurückgezogen. Denn sie sei „massiv“ angegangen und in eine Ecke gedrängt worden – online, am Telefon und persönlich. Mit Protest habe sie „in gewissem Maße“ gerechnet, „aber nicht in diesem Ausmaß“, schildert die Wirtin. Sie sei „enttäuscht und erschüttert“.

Silvia Formell stellt klar, dass sie selbst „keine Sympathien“ für die AfD hege. So wie sie als Gastronomin aber auch anderen Parteien, Vereinen und Gruppen, darunter der örtlichen Flüchtlingshilfe, ihr Lokal zur Verfügung stelle, wollte sie es auch für die AfD tun. Sie habe gehofft, dass Anhänger der Alternative für Deutschland und ihre Gegner ins Gespräch über ihre Positionen gekommen wären. „Das beste wäre, die unterhalten sich mal miteinander.“

AfD-Anhänger und Kritiker der Partei prallten am Montag in oder an der Gaststätte nicht aufeinander. Doch die Gaststätte war gefüllt. Rund 80 Bürger hatten sich flashmobartig zum Solidaritäts-Kneipenbesuch verabredet. Unter den Gästen waren auch  Vertreter aller Sendener Ratsfraktionen. Über die Flüchtlingspolitik wurde auch diskutiert, "durchaus kontrovers, aber konstruktiv", wie es hieß.

Einige der "Zur-Krone"-Besucher beteuerten, sie wären auch zur AfD-Veranstaltung gekommen, um Flagge zu zeigen. "Man muss sich mit denen auseinandersetzen", betonte Michael Wilfling. Es helfe nicht, das rechte Gedankengut zu unterdrücken, denn "dadurch ist es ja nicht tot".

Absage der AfD-Veranstaltung in Münster

Die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry sollte im Januar in Münster auftreten. Zwei Gaststätten haben aus Sicherheitsgründen einen Rückzieher gemacht. Demonstranten zeigten sich zufrieden mit der Absage der AfD-Veranstaltung. Organisator Hannes Draeger feierte den „Riesenerfolg für die zivilgesellschaftliche Gegenbewegung“.

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