Gedenkstele soll keine Namen enthalten
Würdigung ohne Hervorhebung

Ottmarsbocholt -

Das historische Verdienst, Ottmarsbocholt ohne weiteres Blutvergießen am Karfreitag 1945 an die amerikanischen Truppe übergeben zu haben, verdient eine Würdigung. Das beschloss der Bezirksausschuss des Ortsteils. Einzelne Namen der Akteure von damals sollen aber nicht genannt werden.

Montag, 09.05.2016, 16:05 Uhr

Über die Lüdinghauser Straße ging am Abend des Karfreitag 1945 eine Gruppe von Ottmarsbocholter Bürgern – von denen nur Wilhelm Kasberg und ein Erich Hammer namentlich bekannt sind – den amerikanischen Truppen mit einer weißen Fahne entgegen und verhinderte damit, dass es im Ort zu Kampfhandlungen kam.
Über die Lüdinghauser Straße ging am Abend des Karfreitag 1945 eine Gruppe von Ottmarsbocholter Bürgern – von denen nur Wilhelm Kasberg und ein Erich Hammer namentlich bekannt sind – den amerikanischen Truppen mit einer weißen Fahne entgegen und verhinderte damit, dass es im Ort zu Kampfhandlungen kam. Foto: ure

Die Befreiung Ottmarsbocholts von der nationalsozialistischen Diktatur durch amerikanische Soldaten im April 1945 – wie lief sie genau ab? Auch der Geschichtskurs des Joseph-Haydn-Gymnasiums habe – wie berichtet – anhand von Zeitzeugenbefragungen nicht eindeutig rekonstruieren können, ob Wilhelm Kasberg und ein Herr Hammer dabei eine historische Leistung gezeigt hätten, die wirklich herausragend gewesen sei. Zu diesem Ergebnis kam der Bezirksausschuss in seiner jüngsten Sitzung und lehnte es bei einer Enthaltung ab, Kasberg und Hammer in einer noch zu errichtenden Gedenkstele zum Kriegsende namentlich zu erwähnen.

Bei dieser Entscheidung ließen sich die Politiker von einer zentralen Aussage des Dossiers der Gymnasiasten leiten: Kasberg und Hammer agierten nicht alleine, als sie am Abend des Karfreitag 1945 den von der Lüdinghauser Straße her vorrückenden amerikanischen Truppen entgegengingen und auf diese Weise dafür sorgten, dass es im Ort zu keinerlei Kampfhandlungen kam. Es sei eine Gruppe gewesen, die sich mit den Amerikanern verständigte – konkrete Namen ließen sich mit Ausnahme von Kasberg und Hammer aber nicht mehr ermitteln. „Ist es vor diesem Hintergrund gerechtfertigt, diese beiden hervorzuheben?“ So fragte Sascha Weppelmann (CDU).

Auch die anderen Ausschussmitglieder wollten dem Risiko, anderen Personen womöglich zu kurz zu tun, von vorne herein aus dem Wege gehen.

Patrick Alfs (CDU) erinnerte daran, dass man sich schon bei der Straßennamensvergabe im Neubaugebiet Sudendorp gegen einen entsprechenden Vorschlag entschieden habe. „Da wäre es inkonsequent, jetzt anders zu handeln.“

Der Schwiegersohn von Wilhelm Kasberg hatte, nachdem sein Vorstoß beim Straßennamen nicht zum Tragen gekommen war, die Anregung zur Aufstellung einer Gedenkstele an der Lüdinghauser Straße gegeben.

Um bei dieser Würdigung den Grundsatz der Gleichbehandlung zu wahren und die damaligen Ereignisse von unvoreingenommener Stelle durchleuchten zu lassen, war der Geschichtsleistungskurs des Gymnasiums ins Spiel gekommen. Der hatte für die Aufschrift der Gedenktafel dann vorgeschlagen, dass „mutige Frauen und Männer aus Ottmarsbocholt mit Wilhelm Kasberg und Erich Hammer an der Spitze den Amerikaner entgegengingen“. Auf die Erwähnung der beiden Namen soll aber verzichtet werden.

Über den Standort der Stele will der Bezirksausschuss Ottmarsbocholt erst zu einem späteren Zeitpunkt nach vorheriger Rücksprache mit dem Heimatverein entscheiden.

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