Tänzerin unterstützt Ballettschule
Neue Heimat – alte Leidenschaft

Senden -

Ihre Leidenschaft gehört seit Kindstagen dem Tanzen. Gabriela Eriksen unterstützt jetzt die Ballettschule Palmai in Senden. Die neue Dozentin kam aus Argentinien nach Deutschland – zu alten Wurzeln.

Dienstag, 06.09.2016, 20:09 Uhr

Tanzt seit ihrem achten Lebensjahr: Gabriela Eriksen, die die Ballettschule von Erzsébet Pálmai unterstützt.
Tanzt seit ihrem achten Lebensjahr: Gabriela Eriksen, die die Ballettschule von Erzsébet Pálmai unterstützt. Foto: anw

Mittwochs, kurz vor 18.30 Uhr in der Turnhalle der Edith-Stein-Schule. Sechs junge Frauen in Sportkleidung und flachen Tanzschuhen an den Füßen warten schon auf den Beginn ihrer Modern-Dance-Stunde in der Ballettschule von Erzsébet Pálmai . Gabriela Eriksen , Modern Dance-, Ballett- und Pilateslehrerin, sucht am CD-Player noch rasch nach der richtigen Musik.

Schließlich wummern Percussionsrhythmen gedämpft durch die kleine Halle an der Schulstraße. Und nun stehen erst einmal Übungen zum Aufwärmen auf dem Programm.

Die 39-jährige Argentinierin – gertenschlank, groß, durchtrainiert, die dunklen Haare zu einem Dutt gebunden – zeigt, was sie damit meint: Raumgreifend nutzt sie die gesamte Länge der Halle, wiegt dem Rhythmus der Musik folgend die Hüften, biegt sich von einer Seite zur anderen, nimmt die Arme nach oben, führt sie an einer Körperseite nach unten und nutzt diesen Schwung, um ihren Körper damit um die eigene Achse rotieren zu lassen. Bei Gabriela Eriksen ist das eine einzige fließende Bewegung. Leicht und elegant sieht das aus.

Tanzlehrerin von Argentinien nach Senden

1/8
  • Die Leidenschaft fürs Tanzen begleitete Gabriela Eriksen von Argentinien bis nach Senden, wo sie in der Ballettschule Palmai als Dozentin tätig ist. Foto: anw
  • Die Leidenschaft fürs Tanzen begleitete Gabriela Eriksen von Argentinien bis nach Senden, wo sie in der Ballettschule Palmai als Dozentin tätig ist. Foto: anw
  • Die Leidenschaft fürs Tanzen begleitete Gabriela Eriksen von Argentinien bis nach Senden, wo sie in der Ballettschule Palmai als Dozentin tätig ist. Foto: anw
  • Die Leidenschaft fürs Tanzen begleitete Gabriela Eriksen von Argentinien bis nach Senden, wo sie in der Ballettschule Palmai als Dozentin tätig ist. Foto: anw
  • Die Leidenschaft fürs Tanzen begleitete Gabriela Eriksen von Argentinien bis nach Senden, wo sie in der Ballettschule Palmai als Dozentin tätig ist. Foto: anw
  • Die Leidenschaft fürs Tanzen begleitete Gabriela Eriksen von Argentinien bis nach Senden, wo sie in der Ballettschule Palmai als Dozentin tätig ist. Foto: anw
  • Die Leidenschaft fürs Tanzen begleitete Gabriela Eriksen von Argentinien bis nach Senden, wo sie in der Ballettschule Palmai als Dozentin tätig ist. Foto: anw
  • Die Leidenschaft fürs Tanzen begleitete Gabriela Eriksen von Argentinien bis nach Senden, wo sie in der Ballettschule Palmai als Dozentin tätig ist. Foto: anw

Ihre Schülerinnen tun es ihr gleich, sind mit Begeisterung dabei, die Übung zu absolvieren. Nur als es später heißt, „Jetzt improvisieren wir“, stößt das nicht auf ungeteilte Zustimmung. „Improvisation ist so gar nicht meins“, sagt jemand. Die vor den Sommerferien einstudierte kleine „Choreo“ dafür schon eher.

Schnell ist die Dreiviertelstunde vorbei. Abgerundet werden die 45 Minuten Modern Dance oder „Contemporary“, wie es im Informationsblatt der Ballettschule von Erzsébet Pálmai heißt, von einigen Pilates-Übungen. Die sehen einfach aus, haben es aber in sich. Für Gabriela Eriksen scheinen aber auch sie eher ein Leichtes zu sein.

Während der ganzen Stunde sitzt Ballettlehrerin und Inhaberin der Ballettschule, Erzsébet Pálmai, auf einer der Turnbänke und schaut zu. „Gabriela ist ein Geschenk des Himmels“, sagt die 71-Jährige gebürtige Ungarin, die ihre Ballettschule seit 1976 unter anderem in Senden betreibt. „Eines Tages stand Gabi zwischen zwei Kursen in der Tür der Turnhalle und hatte ihre Bewerbungsmappe dabei“, erinnert sich Pálmai.

Nachdem Gabriela Eriksen ihr Können an der Ballettstange gezeigt hatte, war Erzsébet Pálmai rasch von ihren Qualitäten überzeugt und „ich war sozusagen engagiert“, sagt die neue Lehrerin mit einem breiten Lächeln. Und sie verschwindet zum letzten Kursangebot des Abends – 45 Minuten Pilates stehen noch auf dem Programm.

Von Lateinamerika nach Deutschland – zu den Wurzeln

Die gelernte Buch- und Wirtschaftsprüferin Gabriela Eriksen tanzt seit ihrem achten Lebensjahr, in Buenos Aires ließ sie sich zur „Modernen Tänzerin“ ausbilden und betrieb ihre Ballettschule „Las Descalzas“ in ihrer Heimat Eldorado, einer Stadt mit 80 000 Einwohnern im Norden Argentiniens im Dreiländereck Argentinien, Paraguay und Brasilien.

Jetzt versuchen sie und ihr Mann Denis Degener, ihrem Sohn in Deutschland ein besseres Leben zu ermöglichen.

Der zehnjährige Adrian leidet am Goldenhar-Syndrom, einer angeborenen Fehlbildung des Auges beziehungsweise des Ohres und des Unterkiefers. Als das rechte Ohr von Adrian begann, Probleme zu machen, und die Ärzte ihm in Argentinien nicht weiterhelfen konnten, besann sich die argentinische Familie ihrer deutschen Wurzeln und knüpfte Kontakte in die Heimat der Vorfahren, die nach dem Ersten Weltkrieg nach Südamerika ausgewandert sind.

Seit November vergangenen Jahres sind Gabriela Eriksen, ihr Mann und ihre Kinder, die zwölfjährige Maia-Isabella und die zehnjährigen Zwillinge Adrian und Francis in Deutschland, wo sie in Senden eine neue Heimat gefunden haben und Adrian mit Professor Dr. Ulrich Joos vom Centrum für craniofaciale Chirurgie in Münster endlich den Arzt getroffen hat, der ihm helfen kann. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge habe die gesamte Familie Argentinien verlassen, um in Deutschland noch einmal von vorne anzufangen. „Wir fühlen uns hier zu Hause“, sagt Gabriela Eriksen. Die Kinder haben in Senden Freunde gefunden und Ehemann Denis eine Arbeit als Immobilienökonom in Münster.

Und Gabriela Eriksen? Sie ist nicht nur als Tanzlehrerin mit Begeisterung bei der Sache, sondern engagiert sich zudem einmal pro Woche in der Geschwister-Scholl-Realschule, die Maia-Isabella besucht: „Jeden Montag helfe ich dort, das Mittagessen zu zubereiten“, berichtet Eriksen, die demnächst noch damit beginnen wird, die Kinder der Bonhoeffer-Grundschule beim Lese-Projekt „Antolin“ zu begleiten.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4286225?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F166%2F4849159%2F4849163%2F
Nachrichten-Ticker