Herkunftssprachlicher Unterricht in Polnisch:
Kinder können Brücke zwischen Nationen bauen

Senden -

Für Kinder mit polnischstämmigen Eltern wird zum ersten Mal in Senden ein herkunftssprachlicher Unterricht angeboten.

Freitag, 09.12.2016, 12:12 Uhr

Konzentriert und mit Eifer sind die Kinder beim herkunftssprachlichen Unterricht bei der Sache. Darüber freuen sich Renata Kaczmarek und Stanislaus Grabowski.
Konzentriert und mit Eifer sind die Kinder beim herkunftssprachlichen Unterricht bei der Sache. Darüber freuen sich Renata Kaczmarek und Stanislaus Grabowski. Foto: sff

„Dzién dobry“ und gleich darunter „Guten Tag“ steht in großen Lettern auf der Tafel: Eine Begrüßung auf Polnisch, ins Deutsche übersetzt für den WN-Redakteur. Für die anwesenden Grundschüler ist die Übersetzung allerdings überflüssig. Denn sie nehmen seit dem Beginn des Schuljahres am herkunftssprachlichen Unterricht in Polnisch an der Bonhoefferschule teil. Ein derartiger Sprachkursus wird in Senden zum ersten Mal angeboten. Initiiert wurde er von den polnischstämmigen Wahl-Sendenern Beata Dabal und Stanislaus Grabowski . Derzeit beteiligen sich zwölf Kinder der ersten bis fünften Klasse, die von der Lehrerin Renata Kaczmarek unterrichtet werden. Drei Teilnehmer stammen aus Bösensell . Die übrigen gehen in Senden zur Schule.

„Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass ein Elternteil Polnisch spricht und die Kinder Polnisch verstehen“, erklärt Grabowski. Von daher und durch Besuche bei Verwandten in Polen bringen alle schon recht gute Voraussetzungen mit. Jeweils mittwochs von 12.45 bis 14.15 Uhr nimmt Renata Kaczmarek die Kinder unter ihre Fittiche, übt mit ihnen die Schriftsprache, erweitert ihren Wortschatz und bringt ihnen Geografie und Geschichte Polens näher.

„Den Unterricht sollte man als Beitrag zur Mehrsprachigkeit der polnischen Schüler sehen und als Einsatz für die europäische Integration“, sagt Kaczmarek. Überdies stärke der Unterricht die „interkulturelle Kompetenz“ und sei eine gute Grundlage zum Erwerb weiterer Sprachen.

„Auch der Horizont der Kinder wird breiter, weil sie zwischen Deutsch und Polnisch hin und her switchen müssen“, betont die Lehrerin. „Sie können sich problemlos in Deutschland und in Polen auf einem guten sprachlichen Niveau verständigen“, ergänzt Grabowski. Hierdurch ergibt sich nicht nur eine Basis für die Völkerverständigung. Es entstehen auch Chancen für die zukünftige berufliche Entwicklung, weil die Teilnehmer nach einer Ausbildung beziehungsweise nach einem Fachstudium gleichermaßen in beiden Ländern arbeiten können.

Prüfung nach der Sekundarstufe I

► Die Teilnahme am herkunftssprachlichen Unterricht ist kostenlos.

► Die Lehrkraft wird über das Land finanziert.

► Die Bonhoefferschule stellt den Raum zur Verfügung.

► Zurzeit werden Kinder des ersten bis fünften Schuljahres unterrichtet. Das Projekt kann aber bis zur neunten Klasse des Gymnasiums oder bis zur zehnten Klasse der Haupt- und Realschule fortgesetzt werden.

► Nach regelmäßigem Besuch des herkunftssprachlichen Unterrichts legen Schülerinnen und Schüler am Ende der Sekundarstufe I eine Prüfung ab. Diese besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil und bewertet sprachliche wie soziokulturelle Fähigkeiten, die im Unterricht erworben wurden.

...

Den Unterricht sollte man als Beitrag zur Mehrsprachigkeit der polnischen Schüler sehen und als Einsatz für die europäische Integration.

Lehrerin Renata Kaczmarek
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4489777?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F166%2F4849159%2F4849160%2F
„Wir erleben ein Wunder“
Frühstücksgespräch: Die Stornos beim Interview in der Küche von unserem Redaktionsmitglied Stefan Werding.
Nachrichten-Ticker