Revier für possierliche Pelztiere
Fischotter an der Stever gesichtet

Senden -

Experten, die von den WN befragt wurden, schließen nicht aus, dass Fischotter ihr Revier an die Stever in Senden verlegt haben. Einem Naturfreund waren die possierlichen Pelzträger unlängst im Bereich Dümmermündung aufgefallen.

Montag, 10.04.2017, 18:04 Uhr

Im Verlauf der Stever sind Bisamratte und Nutria nicht selten. Einem Sendener ist aber auch ein Fischotter im Bereich Dümmerzufluss aufgefallen.
Im Verlauf der Stever sind Bisamratte und Nutria nicht selten. Einem Sendener ist aber auch ein Fischotter im Bereich Dümmerzufluss aufgefallen. Foto: di

Die Stever und der Dümmer dienen als grüne Lunge, als Joggingstrecke und Gassi-Weg – ein Naherholungsgebiet vor der Haustür der Sendener. Einer von ihnen meint, dass nicht nur das Gewässer und seine Pflanzenwelt etwas Besonderes zu bieten haben, sondern auch die tierischen Bewohner des Flussgebietes. Denn unter ihnen sollen sich auch Otter befinden, will der Sendener beobachtet haben. Die WN fragten bei Fachleuten nach, ob die eher raren Raubtiere in diesen Gefilden vorkommen.

Bisamratten und Nutrias bereits heimisch

Erwin Oberhaus , der in der kommunalen Bauverwaltung das Projekt Stever-Renaturierung koordiniert, hat bisher keinen Otter gesichtet. „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Oberhaus zur Behauptung, dass die schlanken und possierlichen Pelzträger in Senden ihren Lebensraum gefunden hätten. Ganz anders sehe die Lage bei Bisamratten und Nutria aus. Die sich aber ähnlich sähen und auch mit einem Otter zu verwechselt werden könnten, gibt Oberhaus zu bedenken.

Fischotter im Münsterland

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  • Rund 60 Jahre lang galt der Fischotter bei uns als ausgestorben, jetzt leben wieder mehr als ein Dutzend Tiere hier.

    Foto: Georg Rekers
  • An einem Stauwehr bei Dülmen findet Fischotter-Experte Niels Ribbrock ein untrügsames Zeichen, das die Tiere hier waren: Otterkot.

    Foto: Bernd Thissen
  • Der Kot wird untersucht: Er gibt Aufschlüsse über den Speiseplan der Otter?

    Foto: Bernd Thissen
  • Niels Ribbrock von der Biologischen Station Recklinghausen montiert eine sogenannte "Fotofalle" für Fischotter.

    Foto: Bernd Thissen
  • 15 Tiere sind durch solche Fotofallen und DNA-Analysen in der Region sicher nachgewiesen worden.

    Foto: Bernd Thissen
  • Im Uferbereich eines entwässerten Fischteichs sucht Niels Ribbrock nach Spuren der dort lebenden Fischotter. Fischzüchtern geht durch die Rückkehr der Otter einiges verloren: 1,5 Tonnen fehlen einer Farm in Hausdülmen pro Jahr.

    Foto: Bernd Thissen

Dass sich Nutria und Bisamratten an der Stever wohl fühlen, bestätigt der erste Vorsitzende des „Wasser- und Bodenverbandes Stever-Senden“, Karl Schulze Forsthövel. Diese beiden Arten seien vor allem auf dem Abschnitt jenseits der Besiedlung in Richtung Amelsbüren anzutreffen. In der Vergangenheit haben sich vor allem Nutria stärker verbreitet, resümiert Schulze Fortshövel.

Bisam, Nutria, Otter

► Bisamratte und Nutria sind vor rund 100 Jahren von Nord- beziehungsweise Südamerika nach Europa gekommen. Da sie Wohnhöhlen in Böschungen oder Deichen bauen, wird ihr Bestand eingedämmt.

► Auch der Wasser- und Bodenverband Stever gewährt noch eine „Schwanzprämie“ von 15 (Nutria) beziehungsweise zwölf Euro (Bisam).

► Bisamratten ernähren sich hauptsächlich von Wasser- und Uferpflanzen, auch Nutria sind überwiegend Vegetarier.

► Otter, ans Wasser angepasste Marder, fressen Fische, Frösche, Vögel und Insekten.

...

Seit den letzten fünf bis zehn Jahren seien die Bestände in Senden aber stabil, so der Vorsitzende des Wasser- und Bodenverbandes. Soweit möglich und geboten, werden im Verlauf der Stever vereinzelt Fallen gegen Bisam und Nutria eingesetzt, die mit ihren Bauten Schäden an der Böschung verursachen können.

Fallen werden eingesetzt

Dass sich die Bevölkerung teils aufgeregt zeigt, wenn sie Bisamratten oder den – noch größeren – Nutria begegnet, wundert den Verbandsvorsitzenden: „Früher wurde das ganz natürlich hingenommen“, heute gebe es oftmals einen Aufschrei. Die Frage, ob sich Fischotter jüngst auch in Senden angesiedelt haben, sei knifflig: „Auszuschließen ist das nicht“, sagt Schulze Forsthövel.

Fischotter "wären eine Überraschung"

Diesem Tenor folgt auch Hubert Richter, Sendener Förster vom Regionalforstamt Münsterland. Zwar fällt für ihn die Stever nicht in sein berufliches „ Revier “, geläufig ist ihm die Lage aber gleichwohl. Wenn dort Otter gesichtet würden, „wäre das eine Überraschung“, sagte Richter. Dem Beamten beim Landesbetrieb Wald und Holz sind allerdings Bestände im Bereich von Hausdülmen bekannt.

Wie der Förster durch Rückfragen bei der Kreisjägerschaft erfahren hat, haben sich die Otter dort gut vermehrt. So dass manches dafür spräche, dass die Otter auch bis Senden vorgedrungen sein können.

Fischotter verbreiten sich im Münsterland

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