Förderprogramm soll Haus Palz retten:
Hoffnung auf Karriere als Bürgertreff

Senden -

Seit Jahren ist die Zukunft von Haus Palz ungewiss. Rettung könnte ein Förderprogramm von Bund und Land bedeuten. Es ermöglicht die Umgestaltung von historischen Gebäuden zu Treffpunkten für Bürger und Vereine.

Montag, 17.04.2017, 13:48 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 17.04.2017, 13:15 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 17.04.2017, 13:48 Uhr
Gemeinsam mit Eigentümer Wilhelm Palz (Mitte), Architekt Eckhard Scholz (l.) und Vertretern des Heimatvereins besichtigte Bürgermeister Sebastian Täger (2.v.l.) das Haus Palz.
Zusammen mit Eigentümer Wilhelm Palz (Mitte), Architekt Eckhard Scholz (l.) und Vertretern des Heimatvereins besichtigte Bürgermeister Sebastian Täger (2.v.l.) das Haus Palz. Foto: di

Es kann mit dem Pfund einer privilegierten Lage wuchern und hat einige Reize zu bieten. Dass Haus Palz aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden sollte, davon sind Agnes Wiesker und Karl Schulze Höping sowie ihre Mitstreiter vom Heimatverein Senden überzeugt. Das Denkmal könnte auch die Herzen vieler Skeptiker erobern. Wenn es sich erst zu einem quicklebendigen Bürgerhaus wandelt. Die Chance dafür ist da.

Hoffnung auf eine Karriere für diese Immobilie schürt das Programm „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“. Es wurde jüngst erst mit Mitteln von Land und Bund aufgelegt. 55 Millionen Euro schlummern für NRW im Topf. Die Gemeinde möchte zugreifen. Verwaltung und Politik müssen flott Entscheidungen treffen, weshalb für unmittelbar nach den Osterferien sogleich eine nichtöffentliche, außerordentliche Sitzung des Gemeindeentwicklungsausschuss anberaumt wurde. Thema ist das Projekt Haus Palz. Ein Antrag auf Fördermittel (die 90 Prozent der Kosten abdecken würden) muss bis zum 3. Mai bei der Bezirksregierung eingetrudelt sein.

Bürgermeister Sebastian Täger sieht damit eine Möglichkeit, das Vorhaben wieder aufleben zu lassen, für das keine Städtebaufördermittel zu akquirieren waren, während zugleich die Denkmalförderung praktisch auf Null gesenkt wurde. Der Rathaus-Chef stellt im Umkehrschluss auch klar, dass es ohne öffentlichen Zuschuss kein Bürgerhaus gegenüber von Pfarrkirche St. Laurentius und Brennerei geben kann. Falls Senden bei dem neuen Programm zuerst in die Röhre schaut, bleibe aber noch die Hoffnung auf Folgejahre, schildert Täger, dass der Fördertopf längerfristiger angelegt sei.

Für Karl Schulze Höping, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins, und seine aktiven Mitstreiter wäre ein positiver Förderbescheid das schönste Geschenk zum 70. Geburtstag des Vereins, der 2018 ansteht. Bereits seit dem Leerstand im Jahr 2005 habe er und der Verein ein Auge auf das mutmaßlich älteste Gebäude in Sendens Ortskern geworfen. Schulze Höping fügt aber auch hinzu, dass der Verein seinen Plan, ein Ackerbürgerhaus zu sanieren und als Domizil zu beziehen, nicht aufgibt, sondern wieder verfolgt, falls sich das ehemalige Gilde- und Zollhauses am Dümmer nicht zum Leben erwecken lasse.

Damit keine Luftschlösser gebaut werden, haben Klaus Ehr, Friedhelm Böckenholt, Agnes Wiesker und Karl Schulze Höping sowie Rolf Bunk von den Heimatfreunden, von denen einige selbst bautechnisch vom Fach sind, sowie Architekt Eckhard Scholz beträchtliche Vorarbeiten geleistet. Die Schichten an Decke und Boden sowie das Fachwerk wurden durch Bohrproben freigelegt und inspiziert. Viele Arbeitsstunden wurden beispielsweise auch in Schürfproben an der Außenfassade des Gebäudes gesteckt.

Das beruhigende Ergebnis: Die Substanz ist, mit ganz wenigen Ausnahmen, sehr gut. Und das Haus, dessen genaues Entstehungsjahr noch ermittelt werden soll, ruht auf einem soliden steinernen Fundament, sodass keine Feuchtigkeit von unten in die Balken gedrungen sei.

Welche finanzielle Dimensionen Sanierung und Umbau nach sich ziehen würden, kann die Projektgruppe noch nicht genau beziffern. Doch bevor der Antrag eingereicht wird, soll darüber Klarheit herrschen. Das Konzept müsse belastbar sein. Denn: „Wir wollen später keine bösen Überraschungen erleben“, sagte Täger bei einem gemeinsamen Pressetermin mit Heimatverein und Architekt Scholz.

Der Bürgermeister lobt, dass Gemeinde, Heimatverein und weitere Partner an einem Strang ziehen. „Das ist eine richtig schöne Gemeinschaftsaktion.“

Und beim Verwaltungschef der Kommune hat es persönlich übrigens auch „gefunkt“. Seine Liebe zum Haus Palz drückt er so aus. „Das ist mir eine echte Herzensangelegenheit.“

Viel Platz für Vereine

Das Bürgerhaus würde allein im Erdgeschoss eine Nutzfläche von rund 350 Quadratmetern bieten. Als Domizil könnte Haus Palz dem Heimatverein, dem Büro „Ehrenwert“, der Flüchtlingshilfe Senden, dem Bürgerbusverein und „Senioren für Senioren“ dienen. Eine Anlaufstelle soll auch die Arbeit rund um das Thema demografischer Wandel erhalten. Die Musikschule hadert ebenfalls seit dem Auszug aus dem alten Rathaus (heute Kita Steverspatzen) mit ihrer Raumsituation in der Marienschule.

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Das ist mir eine echte Herzensangelegenheit.

Bürgermeister Sebastian Täger zu den Bemühungen zum Erhalt von Haus Palz
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