Podiumsdiskussion
Kultur steht vor Herausforderungen

Senden -

Das kulturelle Angebot in Senden ist reichhaltig. Dennoch sehen es die kreativen Akteure als geboten an, ihre Kräfte stärker zu bündeln und zu netzwerken. Das ist das Ergebnis einer Podiumsdiskussion, zu der die Kunstschule eingeladen hatte.

Mittwoch, 26.04.2017, 18:04 Uhr

Auf dem Podium saßen (v.l.) Philipp Scholz, Bernd Sparenberg, Alfons Hues, Iris Weintz, Trutz Bieck, Sebastian Täger, Bettina Langenfeld, Günter Melchers und Rolf Schwietring. Durch die Diskussion führte Dr. Klaus Drerup, nachdem Andrea Mantke (kleines Bild) die Gäste begrüßt hatte.
Auf dem Podium saßen (v.l.) Philipp Scholz, Bernd Sparenberg, Alfons Hues, Iris Weintz, Trutz Bieck, Sebastian Täger, Bettina Langenfeld, Günter Melchers und Rolf Schwietring. Durch die Diskussion führte Dr. Klaus Drerup, nachdem Andrea Mantke (kleines Bild) die Gäste begrüßt hatte. Foto: di

Paradoxer Befund: Das kulturelle Angebot in Senden ist üppig, und doch wittern kreative Köpfe und Kunstschaffende eine Krise. Beides schließt sich nicht aus. Denn obschon die relativ kleine Gemeinde mit relativ großem Programm und lebendigen Vereinen aufwarten kann, schlummern doch Potenziale ungenutzt. Und ob die Strukturen reichen, um solide in die Zukunft zu tragen, wurde ebenfalls bei der Podiumsdiskussion am Dienstagabend im Foyer der Steverhalle (selbstkritisch) hinterfragt. Die Kunstschule Senden hatte aus Anlass ihres 25-jährigen Bestehens zur Debatte eingeladen, die unter dem Leitthema stand: „Starke Kultur – starkes Senden?!“

Profil schärfen mit Kultur

Diese Gleichung wurde wohl von niemandem auf dem Podium bezweifelt. Darin, dass Kultur zum Profil der Gemeinde beiträgt, bestand Einigkeit. Die Bedeutung des Standortfaktors Kultur betonte Rolf Schwietring ( SPD ) sowohl für die Bewohner als auch mit Blick darauf, wo sich innovative Unternehmen ansiedeln.

Schlankes Amt

Das Kulturamt besteht aus Leiter Günter Melchers und Volker Sowade, die für unterschiedliche Zielgruppen und die breite Bevölkerung Angebote auf die Beine stellen. Zwischen Einnahmen und Ausgaben sollte dabei die Lücke auf 15 000 Euro beschränkt werden.

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Dass Senden in Sachen Kultur „ganz hervorragend aufgestellt ist“, hob Alfons Hues (CDU) hervor. Auch außerhalb der Gemeindegrenzen werde Senden als Ort mit reichem Kulturleben wahrgenommen.

Bürger oftmals wenig interessiert

Dass die eigene Bürgerschaft aber oftmals verhalten auf das Angebot reagiert, räumten nicht nur Kulturamtschef Günter Melchers und Bettina Langenfeld vom Ökumenischen Jugendtreff ein. Schwierig zu erreichen seien insbesondere Jugendliche sowie Menschen, die aus anderen Ländern stammen, in Senden aber ihre Heimat gefunden hätten. Dennoch gebe es hier Erfolge zu verzeichnen.

Immer ein Highlight: Der Lichterabend strahlt weiter über Senden hinaus.

Immer ein Highlight: Der Lichterabend strahlt weiter über Senden hinaus. Foto: Dieter Klein

Dass interkulturelle Arbeit nötig und möglich sei, machte auch Trutz Bieck , Dozent der Kunstschule Senden, geltend. Er nannte ein Beispiel aus Köln, wie junge Migranten zur Kultur geführt wurden: mit einem Kunstprojekt, bei dem kreative und pädagogische Fachleute an einem Strang zogen. Diese Netzwerkbildung unter Vereinen, Institutionen und Akteuren regte Bieck auch für Senden an.

Kräfte bündeln und netzwerken

Der Gedanke, dass die Kollegen in einer kulturellen Szene stärker auf Tuchfühlung gehen und Kräfte bündeln sollten, fand auf dem Podium und im Publikum Anklang. Dies, so Melchers, gelte nicht nur für die Sparte Kunst, sondern auch für Musik-Ensembles. „Wir müssen von einem gewissen Kirchturmdenken runterkommen“, appellierte der Kulturamtsleiter. Ein Forum oder Arbeitskreis, in dem sich Akteure austauschen könnten, begrüßte Iris Weintz für die Kunst- und Kulturinitiative Senden (KuKiS). Dass Gruppen in Senden dabei auch über die Gemeindegrenzen blicken sollten, wurde mehrfach in der Runde angeregt.

Mut und Transparenz gefragt

Um das heimische Publikum und Auswärtige zu erreichen, brachte Bernd Sparenberg (FDP) die Idee ins Spiel, alljährlich einen Kunst- und Kulturtag auf die Beine zu stellen. Genauso wie Philipp Scholz (Grüne) bedauerte er, dass den Kreisel am Busbahnhof keine Skulptur ziert. Scholz pochte darauf, dass für Kunst im öffentlichen Raum bestimmte Qualitätsstandards und transparente Entscheidungswege angewendet werden müssten. Für Senden gelte: „Etwas mehr Mut tut gut.“

Bürgermeister Täger brach eine Lanze für zeitlich befristete Projekte, die nicht allen Bürgern gefallen müssten und das Gemeindebudget nicht zu arg belasten dürften. In puncto Finanzen betonte der Rathauschef: An der Kultur sei nicht gespart worden und dies wolle er auch verhindern.

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