„Smart City“: Interview mit Bürgermeister Täger
„Besser als Münster oder Singapur“

Senden -

Was bedeutet „Smart City“ Senden für die Bürger, wie sieht der Zeitplan für die Digitalisierung von Rathaus, Schulen und Handel aus? Darüber sprachen die WN mit Bürgermeister Sebastian Täger.

Donnerstag, 01.06.2017, 09:06 Uhr

 
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Was verbirgt sich konkret hinter dem Konzept „Smart City Senden“ und worin liegen Alleinstellungsmerkmale der Gemeinde? Darüber sprach unserer Redaktionsmitglied mit Sebastian Täger , Bürgermeister und zuvor als Wirtschaftsförderer einer der Motoren des Glasfaser-Ausbaus.

Was unterscheidet Senden als Smart City von anderen Kommunen? Steht Senden mit diesen Merkmalen alleine da in der Region oder in einem weiten Radius?

Täger: Meistens verbindet man mit dem Begriff „Smart City“ Großstädte wie Kopenhagen, Wien oder Singapur, welche zum Beispiel durch besonders innovative Konzepte der digitalen Parkraumbewirtschaftung oder Energieversorgung bekannt geworden sind. Doch die Digitalisierung wird in den nächsten Jahren jeden Lebensbereich, auch in kleineren, ländlich geprägten Städten beeinflussen. Wir haben in Senden bald eine flächendeckende Glasfaserinfrastruktur sogar bis zum entlegensten Bauernhof und damit eine bessere Internetanbindung als in Münster, Düsseldorf oder Singapur. Dies ist ein besonderer Standortfaktor, den es so in unserer Region noch nicht gibt; zugleich ist es die Basis für eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie. Nun wollen wir zusammen mit unseren Projektpartnern zukunftsfähige Digitalisierungskonzepte für unsere aufstrebende, ländlich geprägte Kommune entwickeln. Es geht dabei insbesondere um digitale Bildung, digitale Wirtschaft und das digitale Rathaus.

Wie ist es gelungen, große Unternehmen wie Cisco als Projektpartner zu gewinnen?

Täger: Das war in diesem Fall ganz einfach, weil Vertreter von Cisco und der Deutschen Glasfaser die Idee des Pilotprojektes an uns herangetragen haben. Nach der erfolgreichen und breit angelegten Nachfragebündelung in Senden wollte man die sich neu ergebenden Möglichkeiten der Digitalisierung am Beispiel einer mittleren Flächengemeinde aufzeigen. Alle Projektbeteiligten finden diese Idee höchst spannend.

Wann gibt es ein digitales Rathaus für die Bürger und welcher konkrete Nutzen verbindet sich damit für sie?

Täger: Hier stehen wir noch ganz am Anfang, haben aber bereits die ersten Schritte eingeleitet. Dabei geht es um eine neue, interaktivere Homepage und City-App (Anfang 2018), die Einführung eines digitalen Ratsinformationssystems (Herbst 2017), die elektronische Rechnungsbearbeitung / digitaler Workflow (Herbst 2017) sowie die Errichtung einer flächendeckenden WLAN-Versorgung im Rathaus (Anfang 2018). Hierfür haben wir eine eigene Projektgruppe in der Verwaltung gebildet und werden die IT-Abteilung auch personell um eine weitere Fachkraft aufstocken. In Zukunft geht es darum, die Kommunikation zwischen Bürger und Rathaus via Internet zu optimieren (Stichwort: E-Government), aber auch darum, Möglichkeiten wie Webinare oder Home-Office sowie den Einsatz mobiler Endgeräte in der Belegschaft stärker zu nutzen. – Auch hier sind wir gespannt auf die Ideen, das Know-How und die Unterstützung durch unsere Projektpartner.

Zieht der Einzelhandel am Ort auch mit, die Möglichkeiten des Digitalzeitalters auszuschöpfen?

Täger: Mit dem City-WLAN im Sendener Ortskern steht ein Tool zur Verfügung, das in Verbindung mit einer City-App auch für die Händler im Ort neue Einsatzmöglichkeiten bringt. Bei der Umsetzung weiterer Optimierungsmöglichkeiten ist die gemeindliche Wirtschaftsförderung gerne beratend behilflich.

Wie ist eine immer wieder aufflackernde Skepsis von Bürgern / Kunden gegenüber Glasfaser zu erklären und ist diese gerechtfertigt?

Täger: Nach Aussagen von Experten, wie der Firma MyCMD, die viele Kunden hier in Senden betreuen, und auch aus eigenen Erfahrungen haben Störungen oftmals ihre Ursache in der Hausverkabelung oder zum Beispiel in der Routerkonfiguration, worüber die WN ja gerade berichtet haben. Hier wäre es wünschenswert, wenn Störungen/Beeinträchtigungen, zum Beispiel aufgrund eines Softwareupdates auch zeitnah den Kunden mitgeteilt würden. In den wenigsten Fällen dürfte die bestehende Glasfaserverbindung das „Nadelöhr“ beim schnellen Internet sein.

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