Kinder von Tschernobyl in Familie
Abenteuer gemeinsam bewältigt

Senden -

Sie haben Ilya aufgenommen und ins Herz geschlossen: Familie Sandbaumhüter, die erstmals ein Kind aus Weißrussland aufgenommen hat, zieht ein positives Resümee.

Freitag, 07.07.2017, 09:07 Uhr

Eingeschworenes Team beim Spielen: Ilya (l.) versteht sich prächtig mit Tim, Arne und Ole Sandbaumhüter.
Eingeschworenes Team beim Spielen: Ilya (l.) versteht sich prächtig mit Tim, Arne und Ole Sandbaumhüter. Foto: hha

„Es ist echt cool, einen internationalen Gast in der Familie zu haben!“ Die Sendener Familie Sandbaumhüter bot dem zwölfjährigen Ilya aus Tschernobyl für vier Wochen ein Zuhause und tolles Programm.

Im Rahmen der „vierwöchigen Erholungsmaßnahme für die Kinder aus Weißrussland“ erlebten die fünf-köpfige Familie und ihr Gastsohn Abenteuer: Gemeinsam tobten sie im Sendener Cabrio, bewunderten im Planetarium in Münster die Sterne, cruisten mit dem Motorboot, streichelten die Tiere auf dem „Heupferdchen Hof“ in Lüdinghausen und spielten wilde Spiele im „ Ketteler Hof “ in Lavesum. Ilyas persönliche Highlights waren die Kett-Car-Rennfahrten auf dem Hof von „Grandma und Grandpa Sandbaumhüter“ in Ahaus und die Vormittage in den Räumen des Kubuz` an der evangelischen Kirche.

Nur kleine Hürden bei der Kommunikation

Auch die kleinen Herausforderungen des Alltags bewältigten die Sendener, die zum ersten Mal ein Gastkind aufnahmen, und der Achtklässler aus Weißrussland gemeinsam: „Die Kommunikation erfolgte auf Englisch – oder „mit Händen und Füßen“, wie Steffi Sandbaumhüter erzählt. An die wenigen kulturellen Unterschiede hat sich Ilya schnell angepasst, er gewöhnte sich gut an eine, statt drei warme Mahlzeiten am Tag, wie es in Weißrussland üblich ist. „Seitdem er gemerkt hat, dass wir alle unser Geschirr abräumen, hilft Ilya konsequent mit“, so Steffi Sandbaumhüter, „sogar besser als unsere eigenen Kinder“, lacht sie. Und die wichtigsten deutschen Ausdrücke beherrscht er auch schon: „Lecker, Zähne putzen, Uno spielen, ich wünsche mir Rot und Tschüss“.

Beim Abschlussfest auf dem Hof Mersmann tobten sich die Kinder noch einmal aus.

Beim Abschlussfest auf dem Hof Mersmann tobten sich die Kinder noch einmal aus. Foto: sff

Gegen die Anflüge von Heimweh half ihm seine Lieblingsbeschäftigung: Lego bauen. Ilya erbaute riesige Transporter und Autos, die seine Gastbrüder Ole, Arne und Tim begeistert präsentierten. Und bei Redebedarf war die russischsprachige Nachbarin der Sandbaumhüters für den Jungen da, die sich mehr als eine Stunde lang mit dem Jungen in seiner Heimatsprache unterhielt. Auch der Jugendbuchklassiker „Harry Potter“, den sein Gastvater für ihn auf Russisch herunter geladen hatte, half Ilya, wenn er sich nach seiner Familie sehnte.

„Senden ist eine sehr schöne Stadt und ich komme nächstes Jahr auf jeden Fall wieder“, meint der Zwölfjährige. Auch Steffi Sandbaumhüter möchte im nächsten Jahr wieder einem Kind in Platz in ihrer Familie bieten: „Wir würden sehr gern noch ein Mal ein Kind aus Tschernobyl aufnehmen“, betont sie.

Wir würden sehr gern noch ein Mal ein Kind aus Tschernobyl aufnehmen.

Steffi Sandbaumhüter
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