Kultur im Wohnhaus am Kanal
„Wir sind gerne Gastgeber“

Senden -

Die Eigentümer des ehemaligen Schiffsmuseums sind gerne Gastgeber und stellen ihr Wohnzimmer immer wieder für Kultur zur Verfügung. Zuletzt diente es als Schauplatz eines Konzertes in der GWK-Reihe „Küchenterz“.

Mittwoch, 26.07.2017, 17:07 Uhr

Das alte Schiffsmuseum stand jetzt für das Konzert mit Anna Sophie Brosig und Anastasia Kovbyk (kleines Bild mit Felix Hüsch-Waligura und Annette Waligura, r.) nicht zum ersten Mal als Bühne für Kultur zur Verfügung.
Das alte Schiffsmuseum stand jetzt für das Konzert mit Anna Sophie Brosig und Anastasia Kovbyk (kleines Bild mit Felix Hüsch-Waligura und Annette Waligura, r.) nicht zum ersten Mal als Bühne für Kultur zur Verfügung. Foto: Felix Hüsch-Waligura/privat

Als guter Gastgeber muss man nicht jeden seiner Gäste kennen. Annette Waligura und Felix Hüsch-Waligura sind gerne und gute Gastgeber. Für Menschen, mit denen sie die Liebe zu Musik und Kultur verbindet, öffnen sie sogar ihr Wohnzimmer. So geschehen gerade erst beim Konzert im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit (GWK). Das einstige Schiffsmuseum als Bühne – für das Sendener Ehepaar immer wieder eine reizvolle Vorstellung.

Ihr Wohnzimmer stellten Annette Waligura (r.) und Felix Hüsch-Waligura für das Konzert von Anna-Sophie Brosig und Anastasia Kovbyk zur Verfügung.

Ihr Wohnzimmer stellten Annette Waligura (r.) und Felix Hüsch-Waligura für das Konzert von Anna-Sophie Brosig und Anastasia Kovbyk zur Verfügung. Foto: lORSBACH Michael

Wohnzimmer verwandelt sich in Konzert- „Saal“

Die allerdings auch mit ordentlich Arbeit verbunden ist. „Das braucht locker eine halbe bis ganze Woche Vorlaufzeit“, überschlägt Felix Hüsch-Waligura, wie viel Aufwand er in das jüngste Konzert gesteckt hat. Vom Ausräumen des Wohnraums über das Bereithalten von Parkplätzen bis zu ausreichend Servietten und Sekt reicht das Spektrum der Tätigkeiten. Die sich das Sendener Ehepaar ganz freiwillig aufgehalst hat. Damit, dass sie zu den Schauplätzen der GWK-Reihe gehören, zählen sie quasi zum Kreis der Sponsoren dieser Form von Kultur, beschreibt Hüsch-Waligura seine Rolle. „Das ist es uns wert“, bedauern der gelernte Fotograf und die Ärztin auf keinen Fall, Aufwand und Kosten (etwa fürs Catering, das für die Konzert-Gäste „aufs Haus ging“) auf sich zu nehmen.

Wir sind gerne Gastgeber.

Annette Waligura und Felix Hüsch-Waligura

Denn: „Wir sind gerne Gastgeber“, sagen die Eigentümer des ehemaligen Schiffsmuseums, das sie 2013 bei einer Zwangsversteigerung erworben haben. Damit wurde das Ehepaar, dessen erwachsene Tochter im Ausland lebt, Besitzer von 750 Quadratmetern Nutzfläche auf einem großzügigen Grundstück.

Mehrere Nutzer in ehemaligen Schiffmuseum

Dass es nicht schwer sein würde, diese Fläche zu teilen, merkten die Eigentümer, kaum dass sie den Zuschlag für die Immobilie erhalten hatten. Denn: Ein Kfz-Betrieb siedelte sich sogleich als Untermieter an, ein Trockenbauer fand einen Lagerraum und eine Band einen Proberaum. Wie schon für seine vorige Adresse an der Daimlerstraße galt für den Fotografen Felix Hüsch-Waligura, dass Studio und Wohnen unter einem Dach vereint sind.

Museum schloss 2002 seine Pforten

► Es war eine Herzensangelegenheit, die auf rein privater Initiative aufbaute: Von 1983 bis 2002 bildete das Schiffs- und Marine-Museum eine Attraktion in Senden, die auch und gerade überörtliche Besucher anzog. Über 2000 Exponate fanden sich auf rund 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche – Modellboote und seltene maritime Fundstücke des Sammlers und Museumsgründers Hellmuth Klapp, der aus gesundheitlichen Gründen das Museum schloss, das praktisch komplett ohne öffentliche Zuschusse auskommen musste. „Mich schmerzt das immer noch“, gesteht Lieselotte Petzold-Klapp, Witwe des 2012 verstorbenen „Käpt´n Klapp“. Sie bedauert, dass das Museum nicht in öffentliche Hand überführt und weiter betrieben wurde.

► Die ehemalige Industriehalle wurde zum Wohnhaus und Betrieb umgewandelt, dessen Eigentümer Insolvenz anmelden musste.

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Für die kulturellen Veranstaltungen, die mit Stimmbildungsseminaren für den Chor, dem das Ehepaar selbst angehört, begannen, ist Raum nicht im Überfluss, aber ausreichend vorhanden. Darunter ein Appartement unter dem ehemaligen Museumsdach, das als Gästezimmer für Akteure oder als Künstlergarderobe dient, in der auch das Einsingen stattfinden kann.

Auf 120 Quadratmetern im Parterre für Küche und Wohnzimmer lassen sich Veranstaltungen wie am vorigen Sonntag „unterbringen“. 50 Tickets waren für das Konzert „Sehnsucht“ mit Anna-Sophie Brosig (Sopran) und Anastasia Kovbyk (Flügel) verkauft worden. Das Limit würde Hüsch-Waligura bei 70 Personen ziehen.

Spannung zwischen Programm und Location

Die „Sehnsucht“-Gäste empfanden frühe Sehnsucht, den Schauplatz des Konzertes kennenzulernen. Gegen 17.15 Uhr trudelten die ersten von ihnen an der Sendener Kanalstraße ein, genossen den Garten und die Lage am Ufer der Wasserstraße. Kurz nach 18 Uhr starteten Sopranistin Brosig und Kovbyk an den Tasten des Bösendorfer 160 mit Mendelssohn-Bartholdys „Auf den Flügeln des Gesanges (op. 34)“. Mit Pause und Zugaben dauerte es bis 21 Uhr, bis sich die letzten Besucher – die meisten per Handschlag – verabschiedet hatten, erinnert sich Hüsch-Waligura, der mit seiner Frau selbst oft auf kulturelle Entdeckungsreisen geht.

„Küchenterz“ an ungewöhnlichen Orten

„Küchenterz“ lautet mit westfälischem Understatement und Augenzwinkern der Name einer Konzertreihe, zu der die Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit (GWK) noch bis zum 19. August einlädt. Als „erstklassig“ bezeichnet Felix Hüsch-Waligura das Programm, das in Senden geboten wurde. Es reichte von Mozart und Rachmaninov bis zum zeitgenössischen Komponisten Wolfgang Rihm. Zu den weiteren „Locations“ von „Küchenterz“ gehören beispielsweise die Alte Feuerwache in Münster, das Herrenhaus Harkotten und der Innogy-Tower in Dortmund sowie mehrere Privathäuser

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Das Spannungsverhältnis zwischen Ort und Programm mache dabei oftmals den Reiz aus. So wie für die Besucher des ehemaligen Schiffsmuseums, das im November 2014 schon für den „Senden Talk“ von WN und Kulturamt diente.

An diesem Standort soll „in unregelmäßiger Regelmäßigkeit“ Kultur mit Kanalblick geboten werden. Ein Herzensanliegen wäre es Annette Waligura und Felix Hüsch-Waligura, örtlichen Nachwuchstalenten ein Forum zu geben und im Publikum Vertreter aller Generationen begrüßen zu können.

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