Zeitzeuge schildert Realschülern Haft im DDR-Gefängnis:
„Wir wurden psychisch gefoltert“

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Wegen „staatsfeindlichem Menschenhandels“ wurde Burkhard Seeberg zu einer Freiheitsstrafe in der DDR verurteilt. Seine Erlebnisse schilderte der Zeitzeitzeuge den Zehntklässlern der Geschwister-Scholl-Realschule.

Dienstag, 05.09.2017, 13:09 Uhr

Eindringlich, doch zugleich unaufdringlich schilderte Zeitzeuge Burkhard Seeberg den Zehntklässlern sein Leben im DDR-Gefängnis.
Eindringlich, doch zugleich unaufdringlich schilderte Zeitzeuge Burkhard Seeberg den Zehntklässlern sein Leben im DDR-Gefängnis. Foto: sff

Burkhard Seeberg nimmt kein Blatt vor den Mund. Er spricht Klartext. Und vielleicht schon deshalb lauschen die Zehntklässler der Geschwister-Scholl-Realschule andächtig, obwohl sich die geschilderten Ereignisse in den Gefängnissen der DDR über 20 Jahre vor ihrer Geburt abgespielt haben.

„Das Schlimmste war die absolute Isolation. Auf diese und andere Weise wurden wir zwar nicht körperlich, aber psychisch gefoltert“, sagt Seeberg mit ruhiger Stimme. „Wir wurden Tag und Nacht alle zehn Minuten kontrolliert, durften nur auf dem Rücken schlafen, mit den Händen über der Decke, damit sich niemand heimlich die Pulsadern aufschneidet“, erzählt der Zeitzeuge, der 1979 in der damaligen DDR verhaftet wurde. Gefasst wurde er, als seine Freundin mit einem gefälschten Reisepass in die Bundesrepublik ausreisen wollte. Wegen „staatsfeindlichem Menschenhandels“ wurde er zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Nach knapp acht Monaten kaufte ihn die Bundesrepublik für 70 000 D-Mark wieder frei.

Seeberg malte den Schülern in lebendigen Schilderungen die Willkür und Schikane des DDR-Regimes. Er zeigte Fotos aus der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen der Staatssicherheit, die heute als Gedenkstätte an die Opfer dient. „Man konnte sich nicht sicher sein und wurde von Mitgefangenen bespitzelt. Zuwiderhandlungen wurden dort hart bestraft.“ „Wurden Sie auch bestraft ?“, wollte ein Schüler ein wenig vorlaut wissen. Seebergs Antwort war deutlich: „Ich war ein braves Kerlchen. Denn ich wollte nicht in einer Dunkelzelle in der eigenen Scheiße liegen.“

„Wichtig ist uns dieser Besuch vor allem im Hinblick auf die in unserm Schulprogramm verankerte Werteerziehung unserer Schüler“, sagt Lehrerin Martina Schirwitz . Die Vorträge für die drei zehnten Klassen böten die Möglichkeit, ein Unrechtsregime aus der unmittelbaren Erfahrung eines Zeitzeugen kennenzulernen. „Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, wie wichtig Freiheit und Demokratie für jeden Einzelnen sind und dass es notwendig ist, sich aktiv für eine Bewahrung einzusetzen“, führt Schirwitz aus.

Das Schlimmste war die absolute Isolation.

Burkhard Seeberg über seine Haft in einem DDR-Gefängnis
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