„Aktion Hoffnungsschimmer“ hilft Jesiden im Nordirak
Sichere Zuflucht mit Perspektive

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Die „Aktion Hoffnungsschimmer“ setzt mit der Hilfe für Jesiden, die im Shingal-Gebirge eine Zuflucht gefunden haben, einen Schwerpunkt. Die Unterstützung fließt in Schulen und Ausbildung, damit die junge Generation eine Perspektive bekommt.

Donnerstag, 30.11.2017, 16:01 Uhr

Auf die Hilfe zum Überleben mit Containern von „Hoffnungsschimmer“ folgt die Investition in Schulen und Bildung.
Auf die Hilfe zum Überleben mit Containern von „Hoffnungsschimmer“ folgt die Investition in Schulen und Bildung. Foto: Hoffnungsschimmer

Um sie herum wüten noch Terror und Bürgerkrieg, das blutige Ringen um religiöse und weltliche Vormachtstellung forderte unzählige Opfer – auch und gerade bei ihrer Glaubensgemeinschaft. Doch die Kinder und Jugendlichen der Jesiden, die im Shingal-Gebirge Zuflucht gefunden haben, sollen nicht in dieselben Muster von Fanatismus und Hass verfallen, denen sie selbst ausgesetzt sind. Im Gegenteil: „Ethnische und religiöse Vielfalt stellt einen Reichtum dar“, betonen Lehrer, die sich in der kargen Region im Norden des Irak für die Bildung der künftigen Generationen einsetzen. Bildung, die Perspektiven bietet und Grundwerte vermittelt – diese Aufgabe will auch die „Aktion Hoffnungsschimmer“ unterstützen.

Enges Netzwerk und Partner in der Region

Das ist Tenor und Ergebnis einer Vorstandssitzung des gemeinnützigen Vereins, zu der sich Alfred Holz (erster Vorsitzender), Dennis Necat Bozan (zweiter Vorsitzender) sowie als weitere Mitglieder des Leitungsgremiums die Pfarrer Klemens Schneider und Stefan Benecke sowie Orhan Atalan und Dr. Jochen Reidegeld in Senden trafen. Wie diese Hilfe aussehen kann und welche Strukturen vor Ort bereits bestehen, dazu gab Dr. Leyla Ferman wichtige Hinweise. Die Politikwissenschaftlerin ist „Hoffnungsschimmer“-Mitglied und pflegt – wie einige aus dem Verein – ein enges Netzwerk in der Region Nordirak, Nordsyrien und Südosttürkei.

Schulbildung, wie sie schon in einigen Flüchtlingscamps geleistet wird, kommt für Dr. Jochen Reidegeld eine zentrale Bedeutung zu.

Schulbildung, wie sie schon in einigen Flüchtlingscamps geleistet wird, kommt für Dr. Jochen Reidegeld eine zentrale Bedeutung zu. Foto: Dietrich Harhues

Bildung ist eine Hauptaufgabe – wir verlieren sonst eine ganze Generation.

Dr. Jochen Reidegeld, stellvertretender Generalvikar und „Hoffnungsschimmer“-Initiator

Dass die bereits geleistete Hilfe von Hoffnungsschimmer im Shingal-Gebirge – dort waren Container zum Wohnen und Schulen sowie Generatoren und Pumpen mit Hilfe des gespendeten Geldes aufgestellt worden – tatsächlich Hoffnung verbreitet hat, zeige die jüngere Entwicklung in dem Gebiet: Jesiden, die in Folge des Massakers an Jesiden vom August 2014 flüchteten, suchen wieder ihre einstmals angestammte Heimat und Ort heiliger Stätten auf. 130 000 von ihnen seien in das weitläufige Shingal-Gebirge zurückgekehrt, berichtete Ferman. Darunter seien rund 56 000 Schüler und Studenten im Alter von fünf bis 28 Jahren.

Großer Bedarf – vom Computer bis zum Musikinstrument

Der Bedarf an Material für Unterricht und Ausbildung ist entsprechend groß. Von Schulbüchern und Computern über folkloristische wie moderne Musikinstrumente und Sportgeräten bis zu Personalkosten für die Lehrer reicht die Bandbreite, an der Unterstützung ansetzen kann. „Bildung ist eine Hauptaufgabe – wir verlieren sonst eine ganze Generation“, unterstreicht Dr. Jochen Reidegeld, Schirmherr und stellvertretender Generalvikar des Bistums.

„Aktion Hoffnungsschimmer“ Senden plant Projekte

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  • In Flüchtlingscamps im Südosten der Türkei sind viele Kinder auf sich gestellt.

    Foto: di
  • Mit einer Reise ins türkisch-syrische Grenzgebiet verschafften sich Angehörige von „Hoffnungsschimmer“ einen Eindruck von der Not und suchten Anknüpfungspunkte für Hilfe.

    Foto: Dietrich Harhues
  • Leben in Sicherheit, aber ohne Perspektive: Eindrücke aus Flüchtlingscamps im Südosten der Türkei.

    Foto: di
  • Viele menschliche Begegnungen berührten die Delegation aus Senden bei ihrer ersten Reise.

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  • Container zum Überleben von jesidischen Flüchtlingen im Shingal-Gebirge.

    Foto: Hoffnungsschimmer
  • Schulunterricht im Container im Shingal-Gebirge

    Foto: Hoffnungsschimmer
  • Das Trauma von Terror und Flucht ist bei einigen Kindern in den Camps selbst für Laien zu spüren.

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  • Akute humanitäre Hilfe organisiert: Dr. Jochen Reidegeld und Alfred Holz packen in Diyarbakir mit an.

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  • Humanitäre Hilfe erreicht auch die Menschen in schwer zugänglichen Gebieten.

    Foto: Hoffnungsschimmer
  • Beim Verteilen der Hilfsgüter fassen Kinder aus den Flüchtlingscamps mit an.

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  • Der Winter stellt die Flüchtlinge vor besondere Herausforderungen.

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  • Ein dauerhaftes Leben in den Camps ist schwer vorstellbar.

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  • „Hoffnungsschimmer“ mit dem Vorsitzenden Alfred Holz wird von vielen örtlichen Vereinen und Gruppen, wie der KFD St. Urban, unterstützt.

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  • Bildung misst Dr. Jochen Reidegeld besondere Bedeutung zu.

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  • Schulbildung soll durch „Hoffnungsschimmer“ besonders unterstützt werden.

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  • Die Perspektivlosigkeit betrifft nicht zuletzt die jugendlichen Heranwachsenden.

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  • Viele Menschen in den Camps haben die Männer oder sonstige Angehörige verloren.

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Schulbildung muss auf Grundwerten basieren

Für ihn ist wichtig, dass die Schulbildung, in die der Verein investieren würde, nicht nur bei den Inhalten, sondern auch bei der Haltung modernen Standards entspricht. Dass der Unterricht auf einem „freien und demokratischen Menschenbild“ basiere, haben Pädagogen aus dem Gebiet bereits in einem Schreiben beteuert.

Die Region strebe auch keine Abspaltung an, sondern den Status einer Art autonomen Bundeslandes innerhalb des Irak.

Verein bereitet weitere Reise vor

Über die intensiven Kontakte in das kurdisch geprägte Gebiet hinaus will sich „Hoffnungsschimmer“ selbst wieder ein Bild von der Lage vor Ort machen. Für das kommende Jahr wird deshalb bereits eine seit Längerem anvisierte Reise vorbereitet, an der Mitglieder des Vereins teilnehmen wollen. Mit den im Shingal-Gebirge gesammelten Informationen „im Gepäck“ soll das eigene Engagement konkretisiert und darüber hinaus versucht werden, noch weitere Partnervereine und Hilfsorganisationen für Projekte in Shingal mit ins Boot zu holen.

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Die Lebensbedingungen sind in dem Gebirge nicht einfach, doch ein autarkes Dasein, beispielsweise mit Landwirtschaft und Tierhaltung, sei möglich, solange es die Sicherheitslage erlaube.

Den Terror überleben mit einer Perspektive

Hoffnungsschimmer möchte dazu beitragen, dass die Menschen im Norden des Irak eine dauerhafte Perspektive in einem Gebiet sehen, aus dem die IS-Terrormilizen die Jesiden samt sämtlicher anderer Minderheiten barbarisch ausmerzen wollten. Eine Festlegung auf eine Gruppe bedeute dies aber nicht: „Wir leisten humanitäre Hilfe für alle Menschen – unabhängig von Religion und Herkunft“, unterstreicht Alfred Holz, Bürgermeister a.D. und Vorsitzender von „Hoffnungsschimmer“.

Zum Thema

Spendenkonto „Aktion Hoffnungsschimmer e.V.“ bei der Volksbank Senden, IBAN: DE42 4006 9546 0035213700

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