Umweltausschuss fordert neue Formen für Mobilität in Senden
Car-Sharing erobert die Landgemeinde

Senden -

Der Zweitwagen könnte überflüssig und Mobilität flexibler werden. Auf Initiative der CDU beschloss der Umweltausschuss, dass auch in Senden Car-Sharing-Angebote verankert werden sollen. Die Fahrzeuge könnten am Busbahnhof stationiert werden, so der Vorschlag.

Freitag, 22.06.2018, 16:12 Uhr

Mit Car-Sharing-Betreibern wie „Stadtteilauto“ in Münster will die Gemeinde Gespräche über ein Angebot in Senden führen.
Mit Car-Sharing-Betreibern wie „Stadtteilauto“ in Münster will die Gemeinde Gespräche über ein Angebot in Senden führen. Foto: spe

Wofür wird in Senden die meiste Energie verbraucht? „Hier muss man leider feststellen, dass dies nicht etwa das Heizen ist, sondern die Mobilität.“ Darauf wies Prof. Dr. Martin Lühder (CDU) am Donnerstag im Umweltausschuss hin. „Wir düsen wie die Weltmeister mit unseren Autos durch die Gegend“, ergänzte er. Mit dem Ergebnis, dass aus keiner anderen Kommune tagtäglich so viele Autos gen Münster rollen. Nicht nur vor dem Hintergrund der „dringend notwendigen“ Energiewende, sondern auch, um der zunehmenden Flut von zugeparkten Wohngebieten entgegenzuwirken, soll es in Senden auf Initiative der CDU demnächst ein Angebot zur gemeinschaftlichen Pkw-Nutzung über das „Car-Sharing-System“ geben.

Die anderen Parteien begrüßten diesen Vorstoß und setzten große Erwartungen darin, weil es Familien eine praktikable Möglichkeit eröffne, insbesondere auf den Zweitwagen zu verzichten.

Wieviel Auto braucht der Mensch? Muss man wirklich immer ein Fahrzeug zur ständigen Verfügung haben – auch wenn es mehr kostbare Stellfläche blockiert, als dass es tatsächlich genutzt wird? Beim Car-Sharing steht der Gedanke des kostengünstigen Teilens im Vordergrund. Der Verzicht auf ein eigenes Auto schont nicht nur die Umwelt – er kann auch bares Geld sparen. In ländlichen Gebieten sei es aber schwieriger als in Großstädten, völlig ohne Auto auszukommen, führte Lühder aus. Ein Pkw mit vielen verschiedenen Nutzern biete die Chance, die Anzahl der fahrbaren Untersätze insgesamt zu reduzieren. Und weil sich das im Portemonnaie des einzelnen Bürgers positiv bemerkbar mache, gehen Politiker aller Parteien davon aus, dass es in Senden ausreichenden Bedarf für solch ein Angebot gibt.

Angedacht ist ein zunächst dreijähriger Versuchszeitraum mit zwei Fahrzeugen unterschiedlicher Größe – eines eventuell mit elektrischem Antrieb – die zentral und für jedermann deutlich sichtbar am Busbahnhof stationiert werden sollen. Halter der Autos wird ein professioneller Car-Sharing-Anbieter sein: Von der Verwaltung sind Kooperationen mit dem „Stadtteilauto“ in Münster oder dem „Teilauto“ Beckum ins Auge gefasst worden. Wer die Autos fahren möchte, schließt mit diesem Anbieter erst einen Rahmenvertrag ab und kann die einzelnen Fahrten dann jeweils via Internet oder Handy-App buchen. Bei einer Strecke von 20 Kilometern sei mit Kosten um die sieben Euro zu rechnen, nannte der Ausschussvorsitzende Rolf Wiederkehr eine Größenordnung. Das Fahrzeug ist anschließend wieder an seinem Standort am Busbahnhof abzustellen.

Die genauen finanziellen Konditionen müssen jetzt erst noch mit den Betreibern ausgehandelt werden. Sollte der wirtschaftlich notwendige Mindestumsatz wider Erwarten nicht erreicht werden, wird der negative Saldo nach Auffassung des Umweltausschusses durch die Gemeindekasse ausgeglichen. Sofern das Fahrzeug jeden Tag einmal bewegt werde, trage sich das Modell aber bereits von selbst, hieß es. In der Erwartung einer ausreichenden Nachfrage gab es aus den Fraktionen bereits Stimmen, jetzt auch schon die Möglichkeit für weitere Car-Sharing-Standorte sowohl in Senden als auch in Bösensell und Ottmarsbocholt zu prüfen.

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