Ottmarsbocholter Petrijünger rufen Notstand aus
Fische verenden im vertrocknenden See

Ottmarsbocholt -

Die Ottmarsbocholter Petrijünger schlagen Alarm: Im Saalmann See hat das Fischsterben eingesetzt. Durch die Hitze und Dürre der vergangenen Wochen ist das Gewässer nahezu ausgetrocknet – die Wassertemperatur beträgt 32 Grad und ist zur tödlichen Gefahr für die Fische geworden.

Freitag, 27.07.2018, 14:24 Uhr

Ein bis zu 15 Meter breiter Schlamm-Strand ist durch Hitze und Trockenheit am Saalmann See entstanden. Die Petrijünger können bis zur Mitte des Gewässers waten.
Ein bis zu 15 Meter breiter Schlamm-Strand ist durch Hitze und Trockenheit am Saalmann See entstanden. Die Petrijünger können bis zur Mitte des Gewässers waten. Foto: sff

Die Mitglieder der BWO-Angelsportabteilung kämpfen einen verzweifelten Kampf gegen das Fischsterben im Saalmann See. Dort hat sich die Situation wegen der seit Wochen anhaltenden tropischen Temperaturen und der Dürre dramatisch zugespitzt: In Randbereichen ist ein bis zu 15 Meter breiter Schlamm-Strand entstanden. Von dort ist es möglich, im nur noch knöcheltiefen Wasser bis zur Mitte des Sees zu waten. An einzelnen Stellen ragen die Rücken noch lebender, kapitaler Brassen und Karpfen aus dem Wasser. Der See ist dort schon so flach, dass die Tiere auf Grund gelaufen sind.

„Es braucht jetzt nur noch ein paar Tage und wir können das Gewässer komplett aufgeben“, fürchtet Nico Helmer, Vorsitzender der BWO-Angelsportabteilung. Gemeinsam mit einigen anderen Petrijüngern des Vereins hat er am Donnerstagabend ein gutes Dutzend große Tiere – Hechte und verschiedene karpfenartige Fische – tot aus dem rund 2,4 Hektar großen Gewässer gezogen. Tiere, die (noch) zu retten sind, sollen so schnell wie möglich in vereinseigene Gewässer umgesetzt werden.

Trauriger Moment für Nico Helmer: Etliche gesunde Fische von kapitaler Größe sind im Saalmann See bereits verendet.

Trauriger Moment für Nico Helmer: Etliche gesunde Fische von kapitaler Größe sind im Saalmann See bereits verendet. Foto: sff

„Wir haben den Notstand ausgerufen und beim Kreis Coesfeld darum gebeten, einen Bagger einsetzen zu dürfen“, berichtet Helmer. Die Petrijünger möchten an einem schattigen Randbereich Schlamm aus dem See herausholen, um ein ausreichend großes Becken zu schaffen, in dem möglichst viele Tiere vor Ort überleben können. „Wir haben eine Fläche, auf der wir den Schlamm ablagern dürfen. Allerdings ist es nicht gestattet, hier im Naturschutzgebiet einen Bagger einzusetzen“, erklärt der Vorsitzende der Angelsportabteilung das Kernproblem.

Die beim Kreis angesiedelte Untere Naturschutzbehörde hat sich am Freitag gegen den Einsatz eines Baggers am Saalmann See ausgesprochen, ergab eine Anfrage der WN. „Durch das Ausbaggern würde so viel Organik im Gewässer aufgewirbelt, dass das Fischsterben noch beschleunigt werden würde“, begründet Wolfgang Heuermann, stellvertretender Pressesprecher des Kreises Coesfeld, die Entscheidung der Fachbehörde. „Es besteht zurzeit nur die Möglichkeit, die Fische aus dem See herauszuholen.“

Bis zu 36 Grad: Deutschland schwitzt weiter

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  • Hamburg: Ein junger Mann springt im Kaifu-Bad kunstvoll vom Drei-Meter-Brett.

    Foto: Daniel Reinhardt
  • Wegen der anhaltenden Hitze haben Polizeibeamte am Vormittag mit zwei Wasserwerfer Bäume und Pflanzen im Stadtpark gewässert.

    Foto: Bodo Marks
  • Ein Badegast springt im Strandbad vom Floß in den Bodensee. Der Bodensee hat eine Wassertemperatur von rund 24 Grad Celsius.

    Foto: Felix Kästle
  • Köln: Ein Mann sonnt sich im Rheinpark auf einer vertrockneten Wiese.

    Foto: Oliver Berg
  • Timmendorfer Strand: Bei 28 Grad Lufttemperatur und 20 Grad Wassertemperatur bevölkern zahlreiche Urlauber den Strand.

    Foto: Markus Scholz
  • Sarstedt: Ein Mähdrescher fährt über ein Getreidefeld. Die Dürre macht den Landwirten zu schaffen.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Neuhausen auf den Fildern: Zwei leicht bekleidete Jogger laufen mit einem Hund auf einem Feldweg.

    Foto: Marijan Murat
  • Filderstadt: Anhaltende Trockenheit. Risse ziehen sich durch ein Feld, auf dem im Hintergrund Salatpflanzen stehen.

    Foto: Sebastian Gollnow
  • Sebastian Müller vom Grünflächenamt der Stadt Chemnitz bewässert mit Unterstützung der Feuerwehr Straßenbäume in der Stadt. Vor allem Jungbäume und Neupflanzungen werden aufgrund der derzeitigen Trockenheit mit Wasser versorgt.

    Foto: Hendrik Schmidt
  • Ein Badegast lässt im Bodensee seine Füße aus dem Wasser schauen, währen im Hintergrund die Schlosskirche (r.) zu sehen ist. Der Bodensee hat eine Wassertemperatur von rund 24 Grad Celsius.

    Foto: Felix Kästle
  • Sankt Peter Ording: Strandgäste suchen Erfrischung im Wasser.

    Foto: Axel Heimken
  • Warendorf: Die Sonne scheint in einem Wald durch die Blätter von Buchen.

    Foto: Guido Kirchner
  • Langenhagen: Nach der Sperrung wegen eines Hitzeschadens heben vom Flughafen in Hannover seit 6 Uhr morgens wieder Flieger ab.

    Foto: Hauke-Christian Dittrich
  • Neukirchen-Vluyn: Eine Kuh von Milchbauer Leuchtenberg steht auf der knochentrockenen Weide hinter dem Hof. Die Dürre hat die Landwirte in Nordrhein-Westfalen so fest im Griff wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Im Juli muss das Winterfutter verfüttert werden.

    Foto: Roland Weihrauch
  • Laatzen: Zwölf Fußballer und ihr Trainer liegen bei einer Trainingseinheit auf einem Fußballplatz und bilden aus der Vogelperspektive betrachtet fast eine Uhr.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Berlin: Die Sonne geht über dem Grunewaldsee hinter Wolken auf.

    Foto: Paul Zinken
  • Hannover: Ein Tretboot fährt über den Maschsee.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Sankt Peter Ording: Strandgäste sonnen sich zwischen Strandkörben und Strandmuscheln.

    Foto: Axel Heimken
  • Schöneiche: Staubwolken ziehen bei Temperaturen um 32 Grad über einen Acker in Schöneiche bei Berlin, während ein Landwirt den völlig kargen und ausgetrockenen Boden mit seinem Traktor umpflügt.

    Foto: Wolfgang Kumm
  • Düsseldorf: Ein Schiff fährt an einer trocken gefallenden grünen Fahrwassertonne vorbei.

    Foto: Federico Gambarini
  • Lieberose: Wald- und Heideflächen brennen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Südbrandenburg. Riesige Waldbrände so wie in Griechenland sind in Deutschland nach Einschätzung von Behörden und der Feuerwehr sehr unwahrscheinlich.

    Foto: Patrick Pleul
  • Langenhagen: Die Sonne geht am rötlich gefärbten Morgenhimmel hinter Wolken auf.

    Foto: Hauke-Christian Dittrich
  • Rietberg: Stark vertrocknet sind die Blätter von Bäumen an einer Straße. Die Kommunen statten Bäume teils mit speziellen Wassersäcken aus mit einem erhöhten Fassungsvermögen von 100 Litern. Bei der derzeitigen Rekordhitze bekommen viele Straßenbäume zu wenig Wasser.

    Foto: Friso Gentsch

Genau dazu hat sich Helmer am Freitag entschieden: „Wir werden uns ein großes Netz besorgen, die Fische am Wochenende in eine Ecke treiben und dann mit Keschern so viele kapitale Tiere retten, wie möglich.“ Gleichwohl seien BWO-Angelsportabteilung und Untere Naturschutzbehörde im Gespräch, um eine dauerhafte Lösung für den ohnehin flachen Saalmann See zu finden, bestätigen beide Seiten.

Fische kollabieren im warmen Wasser

Nicht etwa Sauerstoffmangel sei die Ursache für das massiv einsetzende Fischsterben im Saalmann See, sagt Till Seume, Fischwirtschaftsmeister beim Fischereiverband Westfalen und Lippe. Die Wassertemperatur sei das Problem: „Im See befinden sich genug Organismen, die Sauerstoff produzieren. Den Gehalt haben wir gemessen. Bei karpfenartigen Fischen ist bei 30 Grad die höchste Alarmstufe erreicht. Hier, am Saalmann See, liegt die Wassertemperatur bei 32 Grad“, führt der Fischwirtschaftsmeister aus und verdeutlicht das Problem an einem Beispiel: Für eine gewisse Zeit in der Sauna zu sitzen, sei für den Menschen angenehm. Dauerhaftes Verweilen führe jedoch zum Tod. „In dem warmen Wasser funktionieren die inneren Organe der Tiere irgendwann nicht mehr, und sie kollabieren“, erklärt Seume.

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