Familie Al Mahmood-Aladel ist dankbar für ihr neues Zuhause in Bösensell
„Gutes Leben, bis der Krieg begann“

Bösensell -

Der Syrer Bashar Al Mahmood hat mit seiner Frau Noha Aladel und seinen fünf Kindern in Bösensell eine neue Heimat gefunden. Für die gesamte Familie steht Integration im Fokus: Al Mahmood hat eine Vollzeitstelle in Aussicht, seine Kinder besuchen die Schule beziehungsweise den Kindergarten. Alle bemühen sich um die Verbesserung ihrer deutschen Sprachkenntnisse.

Dienstag, 07.08.2018, 15:42 Uhr

Bashar Al Mahmood ist mit seiner Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen. Er ist froh, mit seiner Frau und seinen fünf Kindern in Bösensell ein neues Zuhause gefunden zu haben.
Bashar Al Mahmood ist mit seiner Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen. Er ist froh, mit seiner Frau und seinen fünf Kindern in Bösensell ein neues Zuhause gefunden zu haben. Foto: Felix Hüsch-Waligura

Heimat und Zuhause? „Das ist da, wo meine Familie ist“, sagt Bashar Al Mahmood, „Und wir sind jetzt in Senden.“ Der 43-Jährige Syrer, der seit 2014 in der Gemeinde lebt, muss nicht lange überlegen. Er fühlt sich wohl im Ortsteil Bösensell. Die siebenköpfige Familie hat dort ein Haus bezogen, freut sich über die Kontakte in die Nachbarschaft und darüber, dass Bashar Al Mahmood eine Vollzeitstelle als Industriemechaniker in Aussicht hat.

Seine Kinder sind längst auch schon in der neuen Heimat angekommen, haben Fuß gefasst in einer Welt, die für sie anfangs sehr fremd war. Jetzt geht es für die 21-jährige Rim, ihre Schwestern Rasha (14) und Rana (13) und ihre beiden Brüder Ahmed (20) und Mohamed (4) mit großen Schritten voran.

Mohamed, das jüngste der Al Mahmood-Kinder geht in den Bösenseller Kindergarten. „Er hat viele Freunde gefunden“, berichtet seine älteste Schwester Rim. Sie fungiert beim WN-Gespräch hin und wieder als Dolmetscherin für ihren Vater, der sich dafür entschuldigt, dass sein Deutsch noch nicht so gut ist. „Aber ich arbeite daran“, weiß der Syrer muslimischen Glaubens, wie wichtig das Erlernen der deutschen Sprache und ein Arbeitsplatz für die Integration in der neuen Heimat sind.

Die Zustände in Syrien werden sich nicht ändern. Es ist ein Kampf um Öl und ein Kampf der Rebellengruppen untereinander.

Bashar Al Mahmood

Seine Frau Noha Aladel hatte bislang kaum Gelegenheit, die neue Sprache zu lernen. Die Versorgung und Erziehung ihrer fünf Kinder stand für die 38-Jährige an erster Stelle. „Doch da Mohamed jetzt in den Kindergarten geht, hat sie Zeit, einen Sprachkursus zu besuchen“, spricht Rim für ihre Mutter.

Die 21-Jährige, die das Abendgymnasium in Münster besucht und in anderthalb Jahren ihr Abitur bauen will, möchte danach „irgendwas mit Mathematik machen und vielleicht Architektin werden.“ Ihre 13- und 14-jährigen Schwestern Rana und Rasha sind ähnlich zielstrebig unterwegs. Wie auch der große Bruder Ahmed, der die elfte Klasse besucht und von seinen Schulfächern Informationstechnologie am liebsten mag. Schule ist ein großes Thema im Hause Al Mahmood-Aladel: „Der Schulbesuch ist sehr wichtig für uns.“ Nicht hingehen – „das ist bei uns streng verboten“, lächelt Rim Al Mahmood und berichtet, dass das auch in Syrien nicht anders war.

Ob sie die alte Heimat vermissen? „Natürlich“, stimmen Bashar Al Mahmood und seine Tochter Rim überein. Während Rim vor allem die alten Freunde fehlen, mit denen sie nach wie vor über die sozialen Medien und via Skype Kontakt hält, vermisst Bashar Al Mahmood seine Mutter und seine Schwestern sehr, die nach wie vor in Syrien leben.

„Es war ein gutes Leben, bis der Krieg begann“, sagt der Familienvater. 2012 begann der erste Teil der Flucht der Familie, die sie bis nach Ägypten führte. Ein Jahr später flohen Bashar Al Mahmood, seine Frau Noha Aladel und ihre fünf Kinder übers Mittelmeer bis nach Italien, wo sie im November 2013 ankamen. Bereits einen Monat später erreichten sie Deutschland und „landeten“ Ende Januar 2014 schließlich in Senden.

Ein Zurück in die alte Heimat kann sich Familie Al Mahmood-Aladel kaum vorstellen: „Die Zustände in Syrien werden sich nicht ändern“, sagt der studierte Klimatechniker: „Es ist ein Kampf um Öl und ein Kampf der Rebellengruppen untereinander.“

Die syrische Familie ist in ihrer neuen Heimat angekommen und hat ihre Traditionen und ihre Kultur mitgenommen. „Das sind unsere Wurzeln“, sagt Rim Al Mahmood und ist sich sicher, dass Integration funktionieren kann, „wenn man die Kultur des jeweils anderen akzeptiert und respektvoll miteinander umgeht.“

Zum Thema

In Senden leben etwa 500 Flüchtlinge aus vielen Ländern der Erde. Manche schon seit vielen Jahren, viele von ihnen sind erst 2015 angekommen. Mit der Reihe „Mein Name ist“ wollen die WN in Zusammenarbeit mit der Flüchtlingshilfe Senden und dem Sendener Fotografen Felix Hüsch-Waligura einigen von ihnen in lockerer Folge ein Gesicht geben und ihre Geschichte erzählen. Von Erlebtem, von der neuen Heimat und von Erwartungen an die Zukunft.

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