Dürre macht dem Mais zu schaffen:
Die Kolben verkümmern

Ottmarsbocholt -

Mit „dramatischen Verlusten“ bei der Maisernte in einer Größenordnung von 50 Prozent und mehr rechnet Bastian Lenert, Pflanzenbaureferent bei der Landwirtschaftskammer in Coesfeld. Besonders gebeutelt werden auch Landwirte, die Milchwirtschaft betreiben, da Mais eine besonders wichtige Futterpflanze ist.

Freitag, 10.08.2018, 17:58 Uhr

Unter der langanhaltenden Dürre hat der Mais deutlich stärker gelitten als das Getreide, Bastian Lenert findet viele vertrocknete Bestände.
Unter der langanhaltenden Dürre hat der Mais deutlich stärker gelitten als das Getreide, Bastian Lenert findet viele vertrocknete Bestände. Foto: ure

Die Dürre hat jetzt Dimensionen „in einem bislang nicht gekannten Ausmaß“ angenommen. So beschreibt eine regionale Agrarzeitschrift die aktuellen Auswirkungen der extrem langen Trockenheit auf den Mais. Hatten sich die Ertragseinbußen beim vor einem Monat geernteten Getreide noch in einem erträglichen Rahmen bewegt, so geht es beim Mais jetzt für viele Landwirte ans Eingemachte. Vor allem, wenn die Futter- und Energiepflanze auf leichten Sandböden steht. „Dramatische Verluste von 50 Prozent und mehr sind mehr abzuwenden“, erklärte Bastian Lenert , Pflanzenbaureferent bei der Landwirtschaftskammer in Coesfeld, bei einem Feldtag der Raiffeisen-Genossenschaft Ascheberg auf dem Hof Schulze Bölling in Ottmarsbocholt.

Nicht ganz so schlimm sieht es auf den schweren Lehmböden aus, die sich durch ein besseres Wasserspeichervermögen auszeichnen. Hier rechnet der Fachmann, der im vergangenen Jahr die Nachfolge von Dr. Ludger Laurenz übernommen hat, mit Einbußen in einer Größenordnung um die 20 Prozent. Im Mittel aller Bodenarten werde das Minus wohl bei 40 Prozent liegen. Damit werden die Landwirte beim Mais im Schnitt doppelt so hohe Einbußen verkraften müssen wie beim Getreide, wo die Hitze nach Angaben von Lenert ein Minus von etwa 20 Prozent verursacht hat.

Nur kümmerlich entwickelte Kolben schmälern den Nährwert des Futters ganz erheblich.

Nur kümmerlich entwickelte Kolben schmälern den Nährwert des Futters ganz erheblich. Foto: ure

Doch das ist noch nicht alles. Nicht nur die Mengen werden erheblich niedriger sein. Erschwerend kommt noch hinzu, dass dann auch noch der Futterwert abfällt. Auf Sandböden werde der Mais 20 Prozent weniger Nährstoffe enthalten, auf Lehmböden fünf bis zehn, so die Einschätzung des Experten. Das liegt daran, dass sich der Wassermangel in erster Linie auf die Kolben auswirkt. Die darin enthaltenen Körner sind es, die die Energie ins Futter bringen. Aufgrund der Dürre fehlen die Kolben entweder ganz, oder sie sind kümmerlich geblieben. Solcher Mais ist für Schweine überhaupt nicht mehr zu gebrauchen, weil hier nur die Kolben geerntet werden. Aber hier haben die Landwirte wenigstens noch die Möglichkeit, stattdessen Getreide zu verfüttern – diese sich abzeichnende Entwicklung hat bereits zu einem spürbaren Preisanstieg bei Weizen und Gerste geführt.

Solch eine Alternative gibt es bei Kühen und Bullen, deren Verdauungstrakt ganz anders aufgebaut ist wie bei Schweinen, aber nicht. „Hier lässt sich ohne Mais keine vernünftige Ration aufstellen“, so Bastian Lenert. Erschwerend komme hier auch noch ein „Alkoholproblem“ hinzu. Normalerweise werden die hohen Zuckermengen, die in der Maispflanze enthaltenen sind, im Kolben als Stärke eingelagert – was jetzt aber oft zwangsläufig nicht möglich ist. „Es besteht nun die Gefahr, dass dieser Zucker später zu einer Bildung von Alkohol führt“. Und den können die Kühe überhaupt nicht vertragen. „Die reagieren da ähnlich wie Menschen“. Beim Gras, das neben Mais die zweite Futtergrundlage bildet, kommen die Milchviehhalter ebenfalls in die Bredouille, weil es auch hier gravierende Ernteausfälle gibt. Die vertrockneten Weiden, die man allenthalben sieht und die eher einer braunen Wüste gleichen, sprechen eine deutliche Sprache. „Besonders die Kuhbauern sind echt gebeutelt“, unterstreicht Bastian Lenert deren Dilemma.

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