Ehemalige Leiterin des „Zentrum Lenz“ kritisiert Haltung der Verantwortlichen
Insolvenz zu spät eingeleitet ?

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Das Insolvenzverfahren für das „Zentrum Lenz“ ist im vergangenen Juli eröffnet worden. Aus Sicht von Ingrid Fontolan hätte dieser Schritt deutlich früher eingeleitet werden müssen. Die Krise habe schon im Mai 2017 bestanden, sagt die ehemalige, langjährige Leiterin der Einrichtung für Langzeitarbeitslose.

Dienstag, 28.08.2018, 18:42 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 28.08.2018, 18:42 Uhr
Vom Inventar des „Zentrum Lenz“ an der Industriestraße ist nur ein „Trümmerhaufen“ zurückgeblieben. Auch das Möbelkontor hat längst dicht gemacht.
Vom Inventar des „Zentrum Lenz“ an der Industriestraße ist nur ein „Trümmerhaufen“ zurückgeblieben. Auch das Möbelkontor hat längst dicht gemacht. Foto: sff

Ein Berg Sperrmüll türmt sich nach der Insolvenz auf dem Gelände des ehemaligen „Zentrum Lenz“ an der Industriestraße auf. Und im einstmals angeschlossenen Möbelkontor an der Gettruper Straße hängt ein schlichtes Blatt Papier mit der Aufschrift „Der Laden ist geschlossen. Danke für Ihre jahrelange Treue!“ an der Tür. „Wir befinden uns in der Abwicklung. Die Versteigerung des Lkw und der Maschinen läuft im Rahmen eines Online-Verfahrens“, sagt Thorsten Groeneveld. Der Erlös diene zur Deckung der Verfahrenskosten sowie der Ansprüche der Gläubiger, die weiterhin geprüft würden. Leidenschaftslos umreißt der Insolvenzverwalter das Ende des „Lenz“, in dem 30 Jahre lang Langzeitarbeitslose beschäftigt, beraten und umfangreich betreut wurden.

Ganz anders stellt sich die Gefühlslage von In­grid Fontolan dar: „Das Lenz war mein drittes Kind. Ich hab’ alles dafür gemacht“, sagt die Sozialarbeiterin, die die Einrichtung 24 Jahre lang geleitet hat, bevor sie im April 2016 aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weitermachen konnte. Angesichts ihres umfassenden „Insider-Wissens“ sieht sie die Vorgänge mit kritischen Augen.

Mit Engpässen habe das Arbeitslosenzentrum immer zu kämpfen gehabt, räumt Fontolan ein: „Die finanziellen Mittel waren über das Jahr gesehen ausreichend. Sie liefen aber nicht berechenbar ein, weil Land und Kreis zu verschiedenen Zeiten zahlten.“ Ferner seien die selbst erwirtschafteten Einnahmen saisonbedingt sehr unterschiedlich ausgefallen.

Trotzdem ist es für sie kaum nachvollziehbar, warum eine Insolvenz nicht abgewendet beziehungsweise warum das Insolvenzverfahren erst im Juli 2018 (WN berichteten) eröffnet wurde. „Die Krise hat sich schon im Mai 2017 deutlich abgezeichnet“, sagt Fontolan. Nach ihrer Einschätzung „hätten die Verantwortlichen eher reagieren müssen“, kritisiert sie. Walter Wiemeler, seinerzeit Vorsitzender des „Modell Senden“ wollte sich auf WN-Anfrage zu diesem Vorwurf nicht äußern.

Wegen ausstehender Lohnfortzahlung während ihrer Krankheitsphase habe sie sich mit dem Träger-Verein „Modell Senden“ vor dem Arbeitsgericht auseinandersetzen müssen, erläutert Fontolan. Da das Geld, das ihr per Vergleich zugesprochen wurde, (bis heute) nicht vollständig gezahlt worden sei und sie überdies von „Lenz“-Mitarbeitern von der finanziellen Schieflage erfahren habe, habe sie die Gemeinde Senden 2017 „per Mail darauf hingewiesen, dass die Situation bedenklich ist“.

„Die Mail haben wir bekommen“, bestätigt Bürgermeister Sebastian Täger auf WN-Anfrage. Seinerzeit habe sich die Verwaltung „in Abstimmung mit der Politik bemüht, Lösungen zur Entspannung der Finanzsituation herbeizuführen“. Allerdings seien die notwendigen Informationen seitens des Vereins „nicht frühzeitig genug und in Gänze eingereicht worden“, sagt Täger. Letztendlich habe man sich darauf geeinigt, nach einer Lösung zu suchen, wie die Arbeit des „Lenz“ „außerhalb der bestehenden Struktur“ weitergeführt werden kann.

Daran wird zurzeit beim Kreis Coesfeld gearbeitet. Der bemüht sich um einen Nachfolger für den Verein „Modell Senden“: „Wir befinden uns im Ausschreibungsverfahren“, berichtet Detlef Schütt auf WN-Anfrage. Gesucht werde eine Träger, der zwölf Werkstattplätze anbietet, erläutert der Sozial-Dezernent des Kreises Coesfeld. In dieser Einrichtung sollen sich Langzeitarbeitslose – so wie bisher im „Lenz“ – neu orientieren und ihre Fähigkeiten erkunden. „Dieses Angebot muss am Ort verankert sein. Das heißt aber nicht, dass der Träger auch aus Senden kommt“, sagt Schütt.

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