Zeitzeuge berichtet über Stasi-Haft
„Freiheit und Demokratie aktiv bewahren“

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Burkhard Seeberg saß 1979 aus politischen Gründen im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen. Am Montag und Dienstag war er in der Geschwister-Scholl-Realschule zu Gast und berichtet den Jugendlichen der zehnten Klassen über die Zeit der DDR-Diktatur.

Mittwoch, 05.09.2018, 16:12 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 04.09.2018, 16:50 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 05.09.2018, 16:12 Uhr
Zeitzeuge Burkhard Seeberg berichtete den Zehntklässler der Geschwister-Scholl-Realschule über seine Haft im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen.
Zeitzeuge Burkhard Seeberg berichtete den Zehntklässler der Geschwister-Scholl-Realschule über seine Haft im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen. Foto: sff

DDR-Diktatur, die Mauer und Stasi-Spitzelei: Für die Zehntklässler der Geschwister-Scholl-Realschule sind dies Begriffe wie aus einem Buch mit sieben Siegeln. Vor der bevorstehenden Abschlussfahrt nach Berlin öffnete Burkhard Seeberg den 78 Jugendlichen einen Blick in ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte. „Wenn ihr das ehemalige Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen besucht und an Zelle 246 vorbeikommt, dann denkt an mich. Dort war ich eingesperrt“, berichtete der Zeitzeuge, der 1979/1980 in der damaligen DDR aus politischen Gründen inhaftiert war.

Seeberg (geb. 1954) stammt aus Münster und war in seiner Jugend Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) in der Bundesrepublik. 1973 lernte der Student in Ost-Berlin seine damalige Freundin kennen. 1979 wurde er verhaftet, als sie mit gefälschtem Reisepass mit ihm gemeinsam in die Bundesrepublik ausreisen wollte. Wegen „staatsfeindlichen Menschenhandels“ wurde er zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Nach knapp acht Monaten kaufte ihn die Bundesrepublik für 70 000 D-Mark wieder frei.

„Ich möchte den Jugendlichen klar machen, was eine Diktatur ist und wie wertvoll eine Demokratie ist“, erläuterte der Zeitzeuge im WN-Gespräch. Ebenso wichtig sei es ihm, Parallelen zwischen der Situation in der DDR und der heutigen Zeit aufzuzeigen: „Wir können froh sein, dass die Stasi damals nicht über unsere heutigen technischen Möglichkeiten wie zum Beispiel Smartphone verfügte. Die Jugendlichen sollen vorsichtig mit dem umgehen, was sie über WhatsApp oder facebook von sich preisgeben“, sagte Seeberg, der nach eigenem Bekunden seit 2010 über 190 Vorträge vor Schülern gehalten hat. In der Geschwister-Scholl-Realschule war er am Montag beziehungsweise Dienstag bereits zum achten Mal zu Gast. Vermittelt wurde der Kontakt durch das Zeitzeugenbüro der Stiftung „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“.

„Wichtig ist uns dieser Besuch im Hinblick auf die in unserem Schulprogramm verankerte Werteerziehung“, erklärt Lehrerin Martina Schirwitz. Die Jugendlichen sollen erkennen, „wie wichtig Freiheit und Demokratie für jeden Einzelnen sind“ und dass es notwendig sei, „sie aktiv zu bewahren“.

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