Betriebe und Branchen stellen sich vor
Handwerk umgarnt den Nachwuchs

Ottmarsbocholt -

Der Fachkräftemangel droht nicht nur, er zeichnet sich schon ab. Handwerksbetriebe in Ottmarsbocholt gehen neue Wege: Sie stellten sich im Rahmen des KRAKE-Projektes künftigen Schulabgänger vor. Und offenbarten damit zugleich, welche Vielfalt an Branchen das Handwerk bietet.

Mittwoch, 12.09.2018, 16:56 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 09.09.2018, 14:14 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 12.09.2018, 16:56 Uhr
Beim Dachdeckerbetrieb Wermter konnten Schüler selbst Hand anlegen und sich bereits mit ihrem Fingerspitzengefühl empfehlen. Überaus zufrieden mit der ersten Ottmarsbocholter „Dorfrallye“ zur Berufsorientierung waren die sieben beteiligten Handwerksbetriebe und die Projektleiterin der KRAKE-Konzeption, Friederike von Hagen, von der FH Münster (kleines Bild, l.).
Beim Dachdeckerbetrieb Wermter konnten Schüler selbst Hand anlegen und sich bereits mit ihrem Fingerspitzengefühl empfehlen. Überaus zufrieden mit der ersten Ottmarsbocholter „Dorfrallye“ zur Berufsorientierung waren die sieben beteiligten Handwerksbetriebe und die Projektleiterin der KRAKE-Konzeption, Friederike von Hagen, von der FH Münster (kleines Bild, l.). Foto: ure

Ein Tischlermeister, der acht Stunden am Schreibtisch sitzt – auch das kommt vor. Die Rechnungen müssen ja schließlich auch mal geschrieben werden. Für Michael Busch sind solche Zeiten eine Strapaze: „Dann bin ich anschließend kaputt und habe an nichts mehr Lust“, räumt er ein. Weitaus weniger ermüdend sieht für ihn ein klassischer Arbeitstag in der Werkstatt, auf der Baustelle und mit Kundengesprächen aus. Und das können auch ruhig zwölf Stunden werden. „Dann bin ich immer noch gut gelaunt und hochmotiviert.“ Für Busch ein wesentlicher Pluspunkt des Handwerks – was die 16 Schüler, die am Samstagnachmittag an der im Rahmen des KRAKE-Projektes initiierten Dorfrallye zur Berufsorientierung teilnahmen, offensichtlich genauso sahen.

Kein Bock allein auf Büro und PC

Denn viele äußerten sich dahingehend, sich keinen Job vorstellen zu können, „wo man den ganzen Tag nur im Büro und am PC verbringt“.

Dorfrallye durch Handwerksbetriebe

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  • Initiative des KRAKE-Projektes gegen Nachwuchsmangel: Ottmarsbocholter Betriebe laden Schüler ein.

    Foto: ure
  • Initiative des KRAKE-Projektes gegen Nachwuchsmangel: Ottmarsbocholter Betriebe laden Schüler ein.

    Foto: ure
  • Initiative des KRAKE-Projektes gegen Nachwuchsmangel: Ottmarsbocholter Betriebe laden Schüler ein.

    Foto: ure
  • Initiative des KRAKE-Projektes gegen Nachwuchsmangel: Ottmarsbocholter Betriebe laden Schüler ein.

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  • Projektleiterin Friederike von Hagen legt auch Hand an.

    Foto: ure
  • Initiative des KRAKE-Projektes gegen Nachwuchsmangel: Ottmarsbocholter Betriebe laden Schüler ein.

    Foto: ure
  • Initiative des KRAKE-Projektes gegen Nachwuchsmangel: Ottmarsbocholter Betriebe laden Schüler ein.

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  • Beim Dachdeckerbetrieb Wermter konnten Schüler selbst Hand an legen und sich bereits mit ihrem ersten Meisterstück empfehlen.

    Foto: ure
  • Überaus zufrieden mit der ersten Ottmarsbocholter Dorfrallye zur Berufsorientierung waren die sieben beteiligten Handwerksbetriebe und die Projektleiterin der KRAKE-Konzeption, Friederike von Hagen (links). 16 Schüler überwiegend aus den neunten Klassen von Haupt- und Realschule fühlten sich von dem Angebot angesprochen.

    Foto: ure

Die Aktion, angehende Schulabgänger und örtliche Handwerksbetriebe zusammenzubringen, war einmalig – auch über die Grenzen von Ottmarsbocholt hinaus. „Ich weiß nicht, ob es so etwas in dieser Kompaktheit und mit dieser Unterstützung der Unternehmen schon einmal gegeben hat.“ Dr. Frank Kühn-Gerhard von der Wirtschaftsförderung der Handwerkskammer Münster zog seinen Hut vor dem Engagement der Betriebe, das beispielhaft sei. Angestoßen worden war diese Initiative vom KRAKE-Projekt (das auch die Kosten trägt) mit deren Leiterin Friederike von Hagen. Sie zeigte sich am Samstag erfreut über die gute Resonanz, die das neuartige Angebot bei den Jugendlichen gefunden habe. Auch die teilnehmenden Betriebe waren angenehm überrascht, als sich 16 Schüler – überwiegend Neuntklässler von Haupt- und Realschule – mit ihren Fahrrädern beim Startpunkt am Spieker einfanden.

Wie sich dann in Gesprächen herausstellte, sind die Jugendlichen in erster Linie in den Schulen über ihre Lehrer auf diese Aktion aufmerksam geworden. Und dann aus eigenem Antrieb und aus eigenem Interesse losgegangen. „Es gab eine große Unterstützung durch die Schulleiter“, betonten mehrere Unternehmen, und darin liege wohl der entscheidende Schlüssel für den Erfolg.

Schulen leisteten Unterstützung

Einziger Wermutstropfen: Unter den Teilnehmern waren ausschließlich Jungen. Dabei könnten Handwerksberufe durchaus auch für Mädchen das Richtige sein, hieß es. Darüber machten sich aber offensichtlich die Wenigsten Gedanken, ebenso auch über die Tatsache, „dass das Handwerk eine Wirtschaftsmacht ist“, wie Alexander Lindfeld meinte, in dessen Werkstatt ein Einblick in umweltschonendes Heizen mit Wärmepumpen gewonnen werden konnte. Nach einer Ausbildung stünde einem auch noch der Weg des Studiums offen, betonten die Vertreter des Handwerks. Verstaubt, altmodisch, schwere Handarbeit und ein geringer Verdienst: Dieses schlechte Image entspreche überhaupt nicht der Realität. Orthopädie-Schuhmachermeister Michael Möller brachte die Zukunftsperspektiven so auf den Punkt: „Das Handwerk kann das Sprungbrett sein, um sich und seine Lebensziele zu verwirklichen.“ Des Weiteren wurde immer wieder auf die Vielseitigkeit hingewiesen, wie etwa beim Dachdeckerbetrieb Wermter. Kennt man einen Bau, dann kennt man alle. Wer das glaube, liege völlig falsch, „denn jeder Bau ist anders“.

Außerdem waren noch die Firmen Schemmer Fußbodentechnik, Lindfeld Metall und Tischlerei Möllers beteiligt. Überall wurden die Schüler umgarnt und zu Praktika oder Ferienjobs eingeladen. Denn man sieht einen bedrohlichen Fachkräftemangel auf sich zukommen. „Uns brechen in den nächsten Jahren die Arbeitskräfte weg“, warnte Alexander Lindfeld.

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