Projekt „Mit Droste im Glashaus“
Auch nach über 100 Jahren noch kühn und modern

Senden -

Das Projekt „Mit Droste im Glashaus“ möchte neue Wege zur Dichterin erschließen. Auf Schloss Senden werden dazu noch bis Ende Oktober eine Ausstellung, Vorträge und Workshops angeboten.

Montag, 01.10.2018, 17:58 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 01.10.2018, 17:58 Uhr
Die Droste neu entdecken: Prof. Dr. Morrien (l.) gab in ihrem Vortrag neue Blicke auf die Dichterin frei. Musikalisch begleitet wurde die Eröffnung vom Duo „this honourable fish“.
Die Droste neu entdecken: Prof. Dr. Morrien (l.) gab in ihrem Vortrag neue Blicke auf die Dichterin frei. Musikalisch begleitet wurde die Eröffnung vom Duo „this honourable fish“.

Zwischen Tradition und Moderne – das Projekt „Mit Droste im Glashaus“ auf Schloss Senden möchte neue An- und Einblicke in das Werk der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff enthüllen. Am Sonntag wurde die intermediale Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe eröffnet, an der 21 Künstler beteiligt sind. Zunächst spielten Anja Kreysing und Helmut Buntjer vom Duo „this honourable fish“ mit Posaune und Akkordeon. Ihre Musik untermauerte den Prozess der Droste zwischen Dekonstruktion, Harmonie bis zum Aufbruch ins Neue.

Dr. Martina Fleßner, Geschäftsführerin des Vereins Schloss Senden, stellte Projekt und Partner in ihrer Eingangsrede über 100 Gästen vor. Sie dankte allen Beteiligten wie dem Droste-Forum, der Gemeinde Senden sowie dem zweiten Projektleiter Christoph Otto Hetzel und stellvertretend den Künstlerinnen Bodil Edmar-Kerstin und Beate Reul-Knebel aus Senden.

Georg Veit, Kulturdezernent der Bezirksregierung Münster, erläuterte die Idee, mit der Dichterin – bildhaft gesehen – in einem Glashaus zu sitzen. Die Künstlerin zwischen Tradition und Moderne zeige sich in ihren Gedichten und Briefen. Wichtige Themen seien Gott, Heimat und Familie.

Prof. Dr. Rita Morrien, Literaturwissenschaftlerin an der Universität Paderborn, führte tiefer in das Werk ein. Droste schrieb 1843 in einem Brief, dass sie nach 100 Jahren gelesen werden möchte. Dies habe sich erfüllt. Die Droste werde immer wieder neu gelesen, hob die Referentin hervor. Sie sei dennoch den meisten eher als „adliges Stiftsfräulein mit Hang zur fein-sinnigen Poesie“ geläufig. Erst seit einigen Jahren werde ihre Modernität näher betrachtet. Ihre Texte würden weitergedacht. Das Hauptthema sieht Morrien in der Fragilität menschlicher Existenzen. Die Dichterin sei sehr kühn und modern im Rahmen des herrschenden Zeitgeistes gewesen. Ihre Texte könnten damit auf die Aktualität befragt, neu interpretiert und medial transformiert werden. Dies habe die Künstler des Projektes angetrieben. Auch Schloss Senden passe als Ausstellungsort gut, denn es erlebe aktuell eine Renaissance als Kulturstätte.

An den offiziellen Teil schlossen sich Führungen durch die Ausstellung im Herrenhaus und an den Kunstbaustellen auf dem Gelände an. Das Angebot umfasst bildende Kunst, Multimediainstallationen und mehr. Beispielhaft zu nennen sind der „Schattenwald“ des Projektleiters Christoph Otto Hetzel, der die „kleine Droste“ in einen modellierten Wald aus gefundenen Holzstücken „einrahmt“. Die Künstlerinnen Edmar-Kerstin und Reul-Knebel haben andere Bezüge. Edmar-Kerstin fand in Drostes Texten „Verständnis“ und in der „Dunkelheit eine Art Heimat“, die sie an ihre schwedische Herkunft erinnert. Daher hat sie morbid Erscheinendes wie das Moor mit Lebendigem wie Wasser farblich ausgedrückt. Ohne Wasser gibt es kein Leben. Reul-Knebel greift den Konflikt zwischen Pflicht und Freiheit mit einer Skulptur auf, die aus einem Körper und aufsteigenden Streben besteht. Dies soll die Lebenssituation der Dichterin verdeutlichen. Außerdem zeichnete die Künstlerin verschiedenen Samen, die den Ursprung von Leben und Vergehen versinnbildlichen.

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Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Oktober geöffnet.   | www.mit-droste-im- glashaus.de

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