Sanierung des Mannenhauses gerade gestartet
Bohren am Gebäude mit Karies

Senden -

Die Sanierung des Mannenhauses hat begonnen. Das schmucke Denkmal mit Schräglage soll stabilisiert werden. Dazu bekommt es ein neues Fundament „untergeschoben“.

Dienstag, 02.10.2018, 12:16 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 01.10.2018, 19:44 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 02.10.2018, 12:16 Uhr
Mit schwerem Gerät und Fingerspitzengefühl schiebt Jan Skuwacz dem Mannenhaus ein neues Fundament unter. Das Schloss gleicht einer Großbaustelle.
Mit schwerem Gerät und Fingerspitzengefühl schiebt Jan Skuwacz dem Mannenhaus ein neues Fundament unter. Das Schloss gleicht einer Großbaustelle. Foto: di

Jan Skuwacz hat die Macht über geballte Hydraulikkraft. Er braucht aber ein Einfühlungsvermögen wie ein Zahnarzt. Mediziner wie Maschinist bedienen kräftige Bohrer – allerdings unterschiedlichen Kalibers. Skuwacz geht mit Respekt an das betagte Gemäuer heran. Denn das Mannenhaus, so umschreibt es Architekt Bernhard Mensen, gleiche einem „voll kariösen Zahn“. Der Routinier der Firma Celler-Grundbau bringt deshalb nicht nur Power mit. Vielmehr „braucht man Fingerspitzengefühl und Erfahrung“ sagt der gelernte Tischler, der aber schon drei Jahrzehnte im Spezial-Tiefbau auf dem Buckel hat.

Sanierung des Mannenhauses auf Schloss Senden

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  • Gleicht einer Großbaustelle – das Schloss Senden

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  • Jan Skuwacz bedient den Spezialbohrer, mit dem auf 21 Säulen ein Fundament unter dem Mannenhaus gelegt wird.

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  • Aufwendige Rettungsaktion: Das Mannenhaus wird mit spektakulärer Technik stabilisiert. Foto: di
  • Verlangt Fingerspitzengefühl: Projektleiter Andreas Schaffrath und Jan Kuwacz bedienen den Spezialbohrer.

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  • Droht immer mehr abzusacken: das Mannenhaus aus dem Jahr 1719.

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  • Aufwendige Rettungsaktion: Das Mannenhaus wird mit spektakulärer Technik stabilisiert. Foto: di
  • Aufwendige Rettungsaktion: Das Mannenhaus wird mit spektakulärer Technik stabilisiert. Foto: di
  • Die Firma aus Oberhausen rückte mit schwerem Gerät an.

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  • Aufwendige Rettungsaktion: Das Mannenhaus wird mit spektakulärer Technik stabilisiert. Foto: di
  • Innerhalb des Mannenhauses wurden zur Vorbereitung Kernbohrungen vorgenommen.

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  • Aufwendige Rettungsaktion: Das Mannenhaus wird mit spektakulärer Technik stabilisiert. Foto: di
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  • Verfolgen die Arbeiten aufmerksam: Architekt Bernhard Mensen (l.) und Dr. Franz Waldmann, Vorstand des Schloss Senden e.V.

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  • Aufwendige Rettungsaktion: Das Mannenhaus wird mit spektakulärer Technik stabilisiert. Foto: di
  • Aufwendige Rettungsaktion: Das Mannenhaus wird mit spektakulärer Technik stabilisiert. Foto: di
  • Mit Wasser- und Hydraulikkraft dringen die Bohrer ins Erdreich.

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  • Aufwendige Rettungsaktion: Das Mannenhaus wird mit spektakulärer Technik stabilisiert. Foto: di
  • Aufwendige Rettungsaktion: Das Mannenhaus wird mit spektakulärer Technik stabilisiert. Foto: di
  • Aufwendige Rettungsaktion: Das Mannenhaus wird mit spektakulärer Technik stabilisiert. Foto: di
  • Aufwendige Rettungsaktion: Das Mannenhaus wird mit spektakulärer Technik stabilisiert. Foto: di

Bohren, Spülen und Auffüllen

Seit Montag sind Spezialisten der Oberhauser Unternehmung am Schloss im Einsatz. Ihre Mission: Das Mannenhaus stabilisieren. Was bedeutet, dass das schmucke Denkmal mit dem schlanken Uhrenturm zumindest nicht weiter absacken soll.

Mannenhaus

Das Schloss Senden ist einzigartig im Münsterland: Es repräsentiert mit seinen verschiedenen Gebäuden 500 Jahre Europäische Baugeschichte, so der Schloss Senden e.V. Im Mittelalter lag dort der Hof von Benekamp; um 1460 errichtete Ludeke Droste (1405 bis 1466) an diesem Platz seine Wasserburg. Aus dieser Zeit stammt das Herrenhaus mit dem markanten Dreistaffelgiebel. Im Barock wurde aus der befestigten Wasserburg eine repräsentative Schlossanlage mit Alleen, Park und Gräften. Durch Um- und Neubauten kamen das schrägstehende Mannenhaus (1719) und der mächtige Rombergtrakt (1899) hinzu.

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Dazu bekommt das Haus ein neues Fundament „untergeschoben“. Kostenpunkt: rund 250.000 Euro. Ein Bohrer wird mit Hydraulikunterstützung und einer Wasserspülung am Kopf ins Erdreich getrieben. Und zwar bis in gut sieben Metern Tiefe eine Mergel-Tragschicht erreicht ist. Während der gelöste und zu weiche Schluffboden abgepumpt wird und per Pipeline in ein Rückhaltebecken gelangt, wird vom tiefsten Punkt aufsteigend eine neue Säule aus einem Wasser-Beton-Gemisch erstellt. Das wird mit einem Druck von bis zu 400 bar ins Erdreich gepresst. 21 solcher Säulen mit jeweils 1,20 Meter Durchmesser entstehen auf einer rund 120 Quadratmeter großen Fläche. Innerhalb des Gebäudes muss das gemauerte historische Fundament des Mannenhauses erst noch mit Kernbohrungen überwunden werden, bevor das Hochdruckinjektionsverfahren eingesetzt werden kann.

Gewisse Anspannung zum Baustart

Mensen verfolgte den Baustart mit gewisser Anspannung. Denn das Gebäude weist schon einige Risse auf, darf durch die neue Gründung nicht strapaziert werden. Was den Architekten aber beruhigt ist eine doppelte Gewissheit: Das richtige Verfahren und eine Firma ausgewählt zu haben, die „Erfahrung und Kompetenz mitbringt, auftretende Probleme schnell und umfassend zu lösen“. Was in den veranschlagten rund 14 Tagen Bauzeit passiert, lässt sich nicht voraussehen, pflichtet Andreas Schaffrath, Projektleiter bei Celler-Grundbau, bei. Obschon er einige Großprojekte, wie das neue LWL-Landesmuseum in Münster, gestemmt hat, sieht er das Mannenhaus als Herausforderung an. Denn obwohl die Technik prinzipiell steht, „muss man immer wieder neu überlegen: Wie mache ich es?“

Dazu gehöre auch der Aspekt, dass Archäologen den Tiefbauern über die Schultern gucken. Historische Funde dürfen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn sich der Bohrer von Jan Skuwacz durch die Bodenschichten wühlt.

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