Szenische Lesung zur Droste auf Schloss Senden
Aufmüpfige Adlige stichelt und genießt die Salonkultur

Senden -

Annette von Droste-Hülshoff war nicht bloße Dichterin der Biedermeierzeit, sondern stemmte sich gegen Konventionen und haderte mit Zeitgenossen. Zugleich war sie aber Teil der damaligen Salonkultur, offenbarte eine szenische Lesung am Schloss Senden im Rahmen der Reihe „Mit Droste im Glashaus“.

Freitag, 26.10.2018, 15:12 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 23.10.2018, 09:52 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 26.10.2018, 15:12 Uhr
Die Originaltexte wurden von Carolin Wirth und Carsten Bender vorgetragen.
Die Originaltexte wurden von Carolin Wirth und Carsten Bender vorgetragen. Foto: ell

Kein goldener Käfig konnte sie aufhalten – auch der „Vogelkäfig“ nicht: Auf ihren literarischen Schwingen entfloh Annette von Droste-Hülshoff dem Adelskorsett, beflügelt von der Salonkultur verfasste sie unter anderem die „Heidebilder“ – inspiriert von der heimischen Landschaft. Die Aktualität der westfälischen Dichterin stand bei der szenischen Lesung „Anette von Droste-Hülshoff und die Salonkultur“, die am Sonntag auf Schloss Senden im Rahmen des Projekts „Mit Droste im Glashaus“ stattfand, im Vordergrund.

Der Droste-Experte Dr. Jochen Grywatsch ordnete die Originaltexte für das Publikum in den Kontext ein.

Der Droste-Experte Dr. Jochen Grywatsch ordnete die Originaltexte für das Publikum in den Kontext ein. Foto: ell

Dr. Jochen Grywatsch , Carsten Bender und Carolin Wirth entführten das Publikum mithilfe von Originaltexten in das frühe 19. Jahrhundert, bezogen die etwa 30 gebannten Zuhörer auch auf unkonventionelle Weise mit ein: Um das Geschehen authentischer wirken zu lassen, symbolisierte das Publikum zwischenzeitlich Annette von Droste-Hülshoffs Zelle – das „Vogelhaus“. Wer den Werken der Dichterin lauschte, dem wurde schnell bewusst, dass die Autorin keineswegs dem damaligen Frauenbild entsprach. Ihre Gedichte zeugen von ihrem Interesse an Natur und Wissenschaft, zeigen aber vor allem auch, dass es sich bei „der Droste“ um eine patente, kühne und geradezu aufmüpfige Frau von innerer Größe handelte – sich selbst beschrieb sie als „keineswegs aufs Maul gefallen“.

Spötteleien gegen Zeitgenossen

Ihre scharfe Zunge machte auch vor ihren drögen Zeitgenossinnen nicht Halt: So verspottete sie ihre „Tee-freundinnen“ als anspruchslos, übermütig oder bezeichnet einzelne unter ihnen gar als „erfrorene Kartoffel“. Die literarischen Kränzchen oder von ihr auch Treffen der „Hecken-Schriftstellergesellschaft“ genannt, schienen Annette von Droste-Hülshoffs Kreativität zu fördern, denn innerhalb von vier Monaten verfasste sie über 60 Werke.

Von Salonkultur gleichwohl angetan

Die Schriftstellerin war von der Salonkultur trotz der kleinen Sticheleien angetan und erschien seit dem Jahr 1838 regelmäßig in Münster unter anderem an der Rothenburg, um mit gleichgesinnten Dichtern und Denkern beim Tee zusammen zu sitzen, miteinander zu lesen und sich anschließend über das Gelesene auszutauschen.

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