Erste eigene Veranstaltungsreihe des Schloss Senden e.V.
Die Droste landet in der Gegenwart

SEnden -

Die Bauarbeiten auf Schloss Senden laufen, doch zugleich mausert sich das Denkmal bereits als Kultur-Standort. Über die Resonanz der Reihe „Mit Droste im Glashaus“ sprachen die WN mit Dr. Martina Fleßner, Geschäftsführerin des Vereins Schloss Senden e.V.

Dienstag, 23.10.2018, 10:38 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 23.10.2018, 10:38 Uhr
Ob Ausstellung, Konzert oder Lesung: Das Denkmal mausert sich als Kultur-Standort.
Ob Ausstellung, Konzert oder Lesung: Das Denkmal mausert sich als Kultur-Standort. Foto: Schloss Senden e.V./Claudia Ehlert

Die Veranstaltungsreihe „Mit Droste im Glashaus“ umfasst 21 Künstlerinnen und Künstler, drei feste Locations und mehrere Nebenschauplätze im Münsterland. Sie erstreckt sich über ein Jahr Laufzeit und gewährt neue Einsichten und Perspektiven auf die westfälische Dichterin. Über das Konzept und das Profil von Schloss Senden als Kulturstandort sprach unser Redaktionsmitglied Dietrich Harhues mit Dr. Martina Fleßner , Geschäftsführerin von Schloss Senden e.V.

Erstmals stemmt Schloss Senden e.V. eine eigene Veranstaltungsreihe. Wie lautet das bisherige Feedback, was Qualität und Resonanz des Programms betrifft?

Fleßner: „Mit Droste im Glashaus“ ist eine Veranstaltungsreihe mit drei Hauptstandorten und einem Jahr Laufzeit. Seit drei Wochen läuft sie nun auf Schloss Senden. Zunehmend gelingt es, schon am Standort Senden, wo die Wurzeln des Projekts liegen, Menschen zu erreichen. Die Qualität der Ausstellung, die das Herzstück des Ortes ist, sowie der Veranstaltungen ist hochgelobt und unser Projektteam selbst beeindruckt und oftmals überrascht. „Mit Droste im Glashaus“ wächst beständig. Immer wieder gibt es durch die vielfältigen künstlerischen Annäherungen, andere Atmosphären und Blickwinkel auf Schloss und Schriftstellerin, Neues zu entdecken. Einerseits birgt das Projekt eine Breite künstlerischer Ansätze, auf der anderen Seite fundierte wissenschaftliche Begleitung. Durch dieses Zusammenspiel nähern wir uns während des Projektes einem Kern und vertiefen das Thema „Modernität Annette von Droste-Hülshoffs“ – und das mit großer Motivation und Freude. Der Verein Schloss Senden e.V. mit Dr. Martina Fleßner (v.l.) und den Vorsitzenden Wolfgang Voosholz und Dr. Franz Waldmann will das Profil als Veranstaltungsort schärffen. Foto: di

Kommt das Konzept an?

Fleßner: Ja, der Funke springt auch auf viele Besucher über, seien dies Erstbegegnungen oder Droste-Kenner. Sie machen mit, kommen wieder und setzen sich mit uns und mit der Droste ins Glashaus. Es ist sehr bereichernd zu sehen, dass wir mit einem kleinen Projektteam so viel auf die Beine stellen und dafür auch von höchster Stelle sehr positives Feedback bekommen. Dies gelingt nur durch das gemeinschaftliche Anpacken mit den vielen helfenden ehrenamtlichen Händen und den Rückhalt in der Gemeinde Senden. Karen Duve bei ihrer Lesung im Schloss Senden. Foto: Claudia Ehlert

Trägt das Programm erfolgreich dazu bei, Schloss Senden in der Region als Ort und kulturellen Schauplatz zu verankern?

Fleßner: Durch das Projekt knüpfen wir Senden und das Schloss enger in kulturelle und touristische Netzwerke, wie beispielsweise das Literaturland Westfalen oder die (Rad)Region Münsterland. Über die Kreisgrenzen hinaus wird das Schloss Senden wahrgenommen als Ort, der großes Potenzial birgt, das schon jetzt genutzt wird. Gefördert durch das Land mit Mitteln der Regionalen Kulturpolitik (RKP) von über 100 000 Euro und mit der großzügigen Unterstützung der Gemeinde Senden über 20 000 Euro gelingt es, mit Projekten wie „Mit Droste im Glashaus“ eine nachhaltige Perspektive für das Schloss zu schaffen. So wird beispielsweise konkret die Infrastruktur des Schlosses Senden verbessert.

Das Leitthema „Mit Droste im Glashaus“ könnte den Vorwurf provozieren, eine Protagonistin des Münsterlandes zu instrumentalisieren, die keinen konkreten Bezug zu Senden aufweist. Wie greift das Konzept diesen Hinweis auf?

Fleßner: Das Projekt wird unter anderem an drei ausgewählten „Hauptspielorten“ stattfinden. Wie Annette von Droste-Hülshoff seinerzeit so oft, begeben auch wir uns auf eine Reise durch das Münsterland: Von Schloss Senden geht es im Frühjahr 2019 zum Baumberger Sandstein-Museum in Havixbeck und im Herbst an den Hawerkamp 31 in Münster. Drei Orte also, die für historischen Wandel, Verwandlung und Kreativität stehen – drei Orte, die in ihrem Zusammenspiel das dynamische, grenzüberschreitende Potenzial der Droste aufnehmen und weiterspinnen. Auch Räume funktionieren als Medien, sie haben mit ihrer spezifischen Geschichte und soziokulturellen Prägung Einfluss auf das, was wir dort sehen, hören und fühlen. Wir wollen Annette von Droste-Hülshoff gerade nicht in den gewohnten Räumen präsentieren, sondern an ihrer Modernität packen und sie in die Gegenwart „übersetzen“.

Gelingt es, unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen: Sind verschiedene Generationen zum Schloss geströmt und wurden sowohl auswärtige als auch die örtlichen Bewohner mobilisiert?

Fleßner: „Na, wenn sowas hier vor der Haustür ist, dann kommen wir auch!“ ist ein Satz, den man da öfter zu hören bekommt. Da wird für den Sohnemann auch die Großmutter als Babysitterin engagiert, damit die Eltern zum abendlichen Poetry Slam im Schlosspark kommen können. Aber nicht nur Sendener kommen zu „Slam die Droste“, „Literarischem Lagerfeuer“ oder der Lesung mit Karen Duve. Auch der ganze Kreis Coesfeld sowie die Kreise Borken, Steinfurt und Münster sind auf das Projekt aufmerksam geworden. Das bisher noch zögerlich in Anspruch genommene kreative Vermittlungsprogramm hat auch über die Ausstellungsdauer auf Schloss Senden Bestand. Für die Workshops zu Scherenschnitt, Kalligrafie oder Linol-Schnitt kommen Kulturvermittlerinnen aus Münster. Mit Sendener Schulen sind Schulprojekte in den kommenden Monaten im Gespräch.

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