Sozialwerk St. Georg und die Trauerhalle im Fokus
Scharfe Töne gegen den Investor

Ottmarsbocholt -

Beim politischen Dämmerschoppen der Kolpingsfamilie Ottmarsbocholt stand das Bauprojekt des Sozialwerkes St. Georg und der Verlust der angestammten Trauerhalle im Zentrum einer angeregten Debatte.

Montag, 19.11.2018, 16:26 Uhr aktualisiert: 21.11.2018, 16:00 Uhr
Die Diskussion um den Abriss der Leichenhalle und die Errichtung eines Ersatzbaus nahm beim Dämmerschoppen der Ottmarsbocholter Kolpingsfamilie breiten Raum ein. 40 Bürger waren zu der Aussprache mit Bürgermeister Sebastian Täger in den Spieker gekommen.
Die Diskussion um den Abriss der Leichenhalle und die Errichtung eines Ersatzbaus nahm beim Dämmerschoppen der Ottmarsbocholter Kolpingsfamilie breiten Raum ein. 40 Bürger waren zu der Aussprache mit Bürgermeister Sebastian Täger in den Spieker gekommen. Foto: ure

Der im Herbst 2019 beabsichtigte Abriss der bestehenden Leichenhalle am Davertweg und die Schaffung von Ersatz auf dem Friedhof, dieses Thema stand am Sonntag im Vordergrund, als die Kolpingsfamilie bei einem Dämmerschoppen mit Bürgermeister Sebastian Täger jene Dinge ansprach, an denen die Bürger der Schuh drückt.

Bei der neu zu errichtenden Trauerhalle ging es zum einen um deren Größe. Zum anderen nahm die Frage, wer sich in welchem Umfang an den Kosten zu beteiligen hat, breiten Raum ein. Sollte hier das Sozialwerk St. Georg stärker in die Pflicht genommen werden, anstatt von den Ottmarsbocholtern unrealistisch hohe Eigenleistungen zu erwarten? Solche Wortmeldungen führten zu einer regen Diskussion.

Maximal 400 000 Euro aus Gemeindesäckel für Trauerhalle

Die Gemeindekasse dürfe laut Beschluss der Ratsgremien nicht mit mehr als 400 000 Euro belastet werden, führte der Bürgermeister aus. Darüber hinaus erwarteten die Politiker von den örtlichen Gewerbetreibenden, die Trauerhalle über unentgeltlich zu erbringende Arbeiten mit weiteren 100 000 Euro „zu sponsern“, wie es Georg Goerdt kritisch formulierte. „Da kriege ich einen mittelprächtigen Hals.“ Täger antwortete, auch er halte diese Größenordnung für zu hoch angesetzt, das sei so nicht hinzubekommen. Günter Wierling forderte eindringlich, stattdessen lieber mit dem Sozialwerk St. Georg „Fraktur zu reden“. Man habe derzeit eine funktionierende Leichenhalle, der es „an nichts fehlt“. Wenn diese nun abgerissen werden müsse, „damit ein Investor daraus wirtschaftliche Vorteile erzielt, dann hat dieser sich auch viel mehr und viel höher an den Kosten für den Ersatzbau zu beteiligen“, waren seine von Beifall begleiteten Worte. Dies gelte umso mehr, als die auf der Einwohnerversammlung im Februar 2017 gemachte Zusage zur Schaffung von Tagespflegeplätzen nun nicht eingehalten werde.

Ich kann da nicht mit der Brechstange rangehen.

Bürgermeister Sebastian Täger

Auch er sei sehr enttäuscht über diese Entwicklung, entgegnete der Bürgermeister, doch seien ihm die Hände gebunden. „Ich kann da nicht mit der Brechstange dran gehen.“ Aber: Auch ohne die Tagespflegeplätze – für die man nun mit einem anderen Investor Perspektiven auf dem ehemaligen Grundstück Stoffers zu entwickeln versucht – würden sich die Rahmenbedingungen für altersgerechtes Wohnen spürbar verbessern. „Barrierefreier Wohnraum und eine Sozialstation bringen dem Ort einen Gewinn“. Damit begründete auch Josef Rave, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes, weshalb man „schweren Herzens“ an dem Projekt festgehalten habe. Bei einem Ausstieg wäre man auf dem alten Krankenhaus als „Bauruine“ hängen geblieben.

Kein nahtloser Übergang

Zusätzlichen Zündstoff in die Diskussion um die Trauerhalle bringt nach Auffassung von Günter Wierling die ihm ganz aktuell zu Ohren gekommene Schließung der Heißmangel. Die soziale Einrichtung, die von den Heimbewohnern selbst betrieben und von den Ottmarsbocholtern gerne in Anspruch genommen werde, werde ihren Betrieb zum Jahreswechsel einstellen. Für den Vorsitzenden der Senioren-Union eine neuerliche Hiobsbotschaft, die bei ihm den Verdacht nähre, „dass St. Georg womöglich von Anfang an eine Augenwischerei betrieben hat“. Auch hier würden nun gemachte Zusagen gebrochen. Selbst wenn sich eine Fortführung der Heißmangel in dem Neubau tatsächlich nicht realisieren lasse: Dass im ganzen Dorf kein geeignetes Gebäude zu finden sei, in das diese Dienste ausgelagert werden könnten – wie es St. Georg ursprünglich selbst angekündigt hatte – könne er nicht nachvollziehen.

...

Für Täger gibt es auch keine ethischen Gründe, weshalb sich St. Georg in großem Umfang an der Finanzierung der neuen Trauerhalle beteiligen müsste. Es handele sich hier um eine „gemeinnützige, caritative Einrichtung“, die keine üppigen Gewinne erwirtschafte. Es sei ein Aberglaube, zu meinen, „dass da so viel Rahm drin ist“, von dem abgeschöpft werden könne.

Hinweise auf Konzept und Größe der Halle

Monika Mann vom Kolping-Vorstand und Georg Mann schnitten noch die Größe der neuen Trauerhalle an, die sie mit 20 Sitzplätzen für zu klein dimensioniert hielten. Zwar würden katholische wie auch evangelische Christen für die eigentliche Trauerfeier die Kirche nutzen, doch man müsse auch an die Andersgläubigen denken. Dem sorgsamen Umgang mit Steuergeldern widerspricht es nach den Worten von Täger aber, hier „eine Volllast vorzuhalten“. Und Rave meinte: Wenn man heute eine Kirche bauen würde, orientiere man sich auch nicht an dem Zulauf einmal im Jahr an Weihnachten. Dr. Ewald Hibbe regte an, bei nichtkonfessionellen Beerdigungen das katholische Pfarrheim als einen würdigen Abschiedsraum zur Verfügung zu stellen.

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