Skepsis über abmarkierten Radweg
Neue Furcht radelt mit

Senden -

Auf Kopfschütteln, Skepsis bis Empörung stößt, dass der Radweg auf einer Seite der Bulderner Straße auf die gemeinsame Fahrbahn verlegt und lediglich abmarkiert worden ist. Die Bauabteilung des Kreises kann das Akzeptanzproblem nachvollziehen, pocht aber auf die Vorteile der neuen Gestaltung.

Dienstag, 27.11.2018, 17:16 Uhr
Mulmiges Gefühl statt Sicherheit: Radfahrer betrachten den abmarkierten Radweg mit erheblicher Skepsis.
Mulmiges Gefühl statt Sicherheit: Radfahrer betrachten den abmarkierten Radweg mit erheblicher Skepsis. Foto: di

Der Mann ist Diplom-Ingenieur – und Hellseher. Klaus Westrick , stellvertretender Leiter des Ressorts Straßenbau- und Straßenunterhaltung des Kreises, sah das Ungemach schon kommen. Denn bereits während der siebenmonatigen Sanierung der Bulderner Straße schwante dem Coesfelder Orakel, dass die Baumaßnahme in mindestens einem Punkte zu Verwunderung bis Empörung führen wird. Er behielt recht: Der abmarkierte Radweg auf dem schicken neuen Asphalt gerät zum Stein des Anstoßes.

Kaum, dass die Sendener, ob Radfahrer oder im heiligen Blechle unterwegs, die Veränderung Gewahr wurden, hagelte es Reaktionen: Zuschriften an die Redaktion, Anrufe, aufgeregte Diskussionen in Familien und Bekanntenkreisen. Die gewohnte Sicherheit gerade für Kinder und ältere Menschen durch den abgetrennten Fuß- und Radweg ist futsch, bedauern Beobachter. „Soll da Verkehrsberuhigung stattfinden, indem Rad fahrende Kinder als Prellböcke gegen heranbrausende Autofahrer benutzt werden?“, wundert sich ein Sendener in einem Brief an die Lokalredaktion. Als sie vor Ort Radler befragte, war das Echo eindeutig: „Ich habe keine Lust, als lebende Verkehrsberuhigung zu dienen“, betonte ein regelmäßiger Radler, der fast täglich zwischen Senden-West und Ortskern pendelt.

Ich habe keine Lust, als lebende Verkehrsberuhigung zu dienen.

Sendener Radler, der regelmäßig über die Bulderner Straße pendelt

Ein „ungutes Gefühl“, die Kinder über diesen Streifen zu schicken, äußert eine Mutter, während Autofahrer mit Kopfschütteln quittieren, dass sie „frech“ über den Fahrradstreifen rollen müssen, sobald auf der einstmals komfortablen Kreisstraße Gegenverkehr entgegen kommt.

Autos dürfen Fahrradstreifen mit nutzen

Doch das Überfahren der nur optisch getrennten Radfahrzone ist erlaubt, stellt Westrick klar. Solange kein Pedalritter unterwegs ist, dürfen Autofahrer die volle Fahrbahnbreite von 6,50 Metern ausschöpfen. Wenn allerdings ein Radler vor dem Kraftfahrzeug im Sattel sitzt, heißt es Fuß vom Gas und warten, bis der Zweiradfahrer überholt werden kann, ergänzt der stellvertretende Amtsleiter beim Kreis Coesfeld.

Was Kinder dürfen

Wenn ein Radweg ausgeschildert ist, gilt eine Benutzungspflicht. Aber Kinder bis acht Jahren müssen auf dem Gehweg, Verkehrsanfänger bis zehn Jahre dürfen auf dem Bürgersteig fahren, wobei sie eine erwachsene Begleitperson flankieren kann, legt die Straßenverkehrsordnung fest. An der Bulderner Straße fällt auf, dass auch ältere Kinder und Jugendliche der alten Route den Vorzug geben und die gemeinsame Fahrbahn meiden. Als wenig nachvollziehbar erscheint die Lösung auf Höhe des Lidl-Marktes: Radler müssen die Fahrbahn kreuzen, bis dahin herrscht auf einem abgetrennten Radweg Begegnungsverkehr.

...

Von dort und mehreren anderen Kommunen ist Westrick die Debatte geläufig, die jetzt durch den gestrichelten, 1,50 Meter breiten Fahrradstreifen ausgelöst worden ist. „Mir ist bewusst, dass das subjektive Sicherheitsgefühl ein anderes ist“, betont der Bauexperte. Er warnt aber davor, die alte Variante (die auf der gegenüberliegenden Seite der Bulderner Straße erhalten geblieben ist) zu überschätzen: Dort herrsche „trügerische Sicherheit“. Denn bei durch Hochbord abgetrennten Radwegen komme es an Einmündungen und Stichstraßen häufiger zu Unfällen. Umgekehrt seien in Coesfeld die Unfallzahlen dort „spürbar zurückgegangen“, wo die Fläche für die Leezen-Lenker auf die Fahrbahn der Autos verlegt worden ist, beteuert Westrick. Denn: Mit der geteilten Fahrbahn „wird die Sichtbarkeit und Erkennbarkeit der Radler verbessert“.

Radler-Lobby sieht Vorteile mit Einschränkungen

Dieser Einschätzung pflichtet der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) auf WN-Anfrage grundsätzlich bei. Klaus Aufenanger, Sprecher des Kreisverbandes Coesfeld, bestätigt, dass die abmarkierten Streifen ihre Vorzüge haben. Das Aufteilen der Fahrbahnen „funktioniert – auch für Schulkinder“, gibt er seine Einschätzung für die Situation in Coesfeld wieder. Allerdings räumt Aufenanger ein generelles Akzeptanzproblem ein. Und der Raum, der den Radlern bleibt, sollte breiter als 1,50 Meter sein. Die Erkennbarkeit durch Streifen und Fahrrad-Symbole sei zudem nicht deutlich genug. Der ADFC plädiert daher dafür, die Radwege auch farblich hervorzuheben. Das werde in Ländern mit Fahrradkultur praktiziert und dürfe nicht an den Kosten scheitern.

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