Bistum arbeitet Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs auf
Pädophiler Priester war auch in Bösensell im Dienst

Rhede/Bösnsell -

Über viele Jahre hat sich der verstorbene Kaplan Heinz Pottbäcker an verschiedenen Orten an Minderjährigen vergangen. 1967 war der Geistliche vier Monate lang auch in Bösensell tätig.

Mittwoch, 28.11.2018, 14:46 Uhr aktualisiert: 04.12.2018, 16:04 Uhr
Bistum arbeitet Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs auf: Pädophiler Priester war auch in Bösensell im Dienst
Foto: dpa

Jahrelang hat der mittlerweile verstorbene Kaplan Heinz Pottbäcker Kinder an verschiedenen Orten, an denen er als Seelsorger eingesetzt war, sexuell missbraucht. Zur Aufarbeitung der Taten hatte das Bistum Münster am Dienstagabend zu einer Informationsveranstaltung ins Pfarrheim „Zur Heiligen Familie“ nach Rhede eingeladen. Dort hatte der Geistliche nachweislich von 1971 bis 1973 Kinder missbraucht, teilte das Bistum mit. Bereits 1968 hatte das Landgericht Bochum den Mann wegen „Unzucht mit Minderjährigen“, wie es damals hieß, zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Pottbäcker als Kaplan zur Aushilfe in Bösensell

1964 war Pottbäcker zum Priester geweiht worden. Von April bis Juni 1967 arbeitete er als Kaplan zur Aushilfe in Bösensell, anschließend war er in Dinslaken und später in Rhede tätig. „Einen Hinweis auf Missbrauchshandlungen während der Zeit in Bösensell gibt es bislang nicht“, erklärtet Gudrun Niewöhner von der Bischöflichen Pressestelle auf Anfrage unserer Zeitung. „Zurzeit liegen nur Meldungen aus Rhede vor, neben den gerichtsbekannten Fällen aus Waltrop aus dem Jahr 1968 und Recklinghausen aus den Jahren 1982 und 1983.“

Bei der Informationsveranstaltung in Rhede bat Dr. Jochen Reidegeld, stellvertretender Generalvikar des Bistums Münster, die Opfer des sexuellen Missbrauchs um Verzeihung, obwohl dies angesichts des angetanen Leids fast unmöglich sei, heißt es in der Mitteilung des Bistums.

Nach Verurteilung versetzt - nicht suspendiert

Nach seiner Verurteilung war Pottbäcker vom damaligen Generalvikar und späteren Bischof von Münster, Dr. Reinhard Lettmann, nach Rhede versetzt worden, wo er auch als Religionslehrer an einer Berufsschule mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu tun hatte. „Es gab Entscheidungen, vor denen man aus heutiger Sicht einfach fassungslos steht“, sagte Reidegeld in Rhede. „Wie konnte man einen Priester, der sich des Verbrechens des Missbrauchs schuldig gemacht hat, an eine Schule versetzen? Wie konnte man ihn erneut in einer Pfarrei einsetzen? Warum ist niemand auf die Idee gekommen, ihn zu suspendieren, ihn aus dem Dienst zu nehmen?“

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