Bistum erweitert Strafanzeige
Minderjähriger erhebt Vorwürfe gegen Priester

Senden -

Gegen den ehemaligen Gemeindepfarrer von Ottmarsbocholt sind neue Vorwürfe bezüglich „unangemessenen Verhaltens“ mit sexuellem Hintergrund laut geworden. Das Bistum Münster hat daher seine Strafanzeige gegen den Priester erweitert.

Dienstag, 18.12.2018, 15:30 Uhr aktualisiert: 18.12.2018, 16:13 Uhr
Bistum erweitert Strafanzeige : Minderjähriger erhebt Vorwürfe gegen Priester
Foto: dpa

Mit sofortiger Wirkung und bis auf Weiteres hatte das Bistum Münster am 10. Dezember Ulrich Terlinden vom priesterlichen Dienst entbunden (WN berichteten). In Bedburg-Hau wurde dem einstigen Pfarrer von Ottmarsbocholt ein „unangemessenes Kommunikationsverhalten“ mit einem 19-Jährigen zur Last gelegt. Aufgrund einer Strafanzeige prüft die Staatsanwaltschaft in Kleve jetzt, ob ein Strafverfahren eröffnet wird. Außerdem sind zwei weitere Vorfälle öffentlich geworden, von denen einer Terlindens Zeit in Ottmarsbocholt betrifft.

Darum hat das Bistum Münster die Strafanzeige gegen den Geistlichen, der zuletzt als Leitender Pfarrer in der Pfarrei Heiliger Johannes der Täufer in Bedburg-Hau eingesetzt war, erweitert. Zwischenzeitlich sei bekannt geworden, teilt die bischöfliche Pressestelle mit, „dass auch ein Minderjähriger angibt, Betroffener des Verhaltens des Priesters geworden zu sein“. Das Bistum weist außerdem darauf hin, dass der Beschuldigte schon an zwei früheren Stationen auffällig geworden sei.

So kam es – laut Mitteilung – 2006, als er Pfarrer in Ottmarsbocholt war, zu sexuellen Annäherungen an einen Erwachsenen. Terlinden musste sich daraufhin einer psychologischen Beratung unterziehen. Erneut sei es 2011 in Kevelaer zu für einen Priester unangemessenen Kontakten, im Sinne eines Austauschs elektronischer Nachrichten mit sexuellen Inhalten mit zwei Männern gekommen, heißt es weiter. Der Priester habe daraufhin eine längere Therapie gemacht. „Experten kamen zu der Einschätzung, dass ein weiterer Einsatz kein erhöhtes Rückfallrisiko bedeutet“, so das Bistum. Diese Vorgänge seien zur weiteren Beurteilung an die Staatsanwaltschaft Münster gegangen.

Bistum will Konsequenzen ziehen

Angesichts der jüngsten Ereignisse in Bedburg-Hau erklärt das Bistum, dass es – ungeachtet dieser Einschätzung – im Nachhinein ein Fehler gewesen ist, dem Priester wieder eine leitende Aufgabe in der Seelsorge zu geben. „Aus diesen Erfahrungen werden wir für die zukünftige Einsatzpraxis die notwendigen Konsequenzen ziehen“, wird Personaldezernent Karl Render in der Pressemitteilung zitiert.

Ob gegen den Beschuldigten ein Strafverfahren eröffnet wird, steht zurzeit noch nicht fest. „Wir sind in der Prüfung, ob eine strafrechtliche Relevanz vorliegt“, so Günter Neifer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kleve, auf WN-Anfrage. Aus Zuständigkeitsgründen werde die in Münster erstattete Strafanzeigen an die Staatsanwaltschaft Kleve weitergeleitet. Mittlerweile liege in Kleve eine dritte Strafanzeige „in Zusammenhang mit der Ausübung des Priesteramtes“ vor, so Neifer. Es könnte allerdings sein, dass diese mit der in Münster vorliegenden Anzeige identisch sei. Daher warte die Staatsanwalt Kleve mit einer Entscheidung, bis die Aktenlage vollständig sei.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6267199?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F166%2F
Polizei Münster erteilt Auskunft
Polizeipräsidium Münster
Nachrichten-Ticker