Landwirte klagen über Sabotage durch radikale Tierschützer
„Grenzen maßlos überschritten“

Bösensell -

Bei der Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Bösensell kritisierte dessen Vorsitzender Uli Holle, dass den Landwirten für vieles der Schwarze Peter zugeschoben werde. Die Gesellschaft solle die Diskussion um die Tierhaltung „wieder mit gesundem Menschenverstand führen“, lautete sein Appell.

Mittwoch, 30.01.2019, 16:30 Uhr aktualisiert: 06.02.2019, 16:02 Uhr
Uli Holle (stehend) verurteilte in seinem Jahresbericht die Sabotage auf dem Hof Röring. Und appellierte, die Gesellschaft möge über die Tierhaltung „wieder mit gesundem Menschenverstand“ diskutieren.
Uli Holle (stehend) verurteilte in seinem Jahresbericht die Sabotage auf dem Hof Röring. Und appellierte, die Gesellschaft möge über die Tierhaltung „wieder mit gesundem Menschenverstand“ diskutieren. Foto: ure

„Die Bösenseller sind ja alle so ein bisschen traurig, dass der Preußenpark nicht kommt“. Die Tonlage, in der Vorsitzender Uli Holle dies am Dienstagabend auf der Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes im Gasthaus Temme sagte, war genauso eindeutig wie das Gelächter, welches er damit bei seinen Berufskollegen hervorrief. Bürgermeister Sebastian Täger erklärte hierzu ebenso scherzhaft: „Es ist ein Gerücht, dass ich jetzt mit dem FC Schalke 04 – also meinem eigentlichen Lieblingsverein – verhandele. Das stimmt nicht“.

Holles Jahresbericht war dann von etwas ernsteren Klängen geprägt, die an die frustrierende Stimmungslage tags zuvor bei den Sendener Landwirten anknüpfte (WN berichteten). „Wir bewegen uns in Zeiten, wo die Landwirtschaft für vieles herhalten muss. Aktuell sind wir jetzt auch für den Feinstaub zuständig“.

Von ganz neuen Dimensionen sprach er bei der Vorgehensweise von Tierrechtsorganisationen. „Neuerdings müssen wir uns mit dem Thema Sabotage auseinandersetzen“. Den Aktivisten reiche es nicht mehr, bei ihren illegalen Stalleinbrüchen Filmaufnahmen zu machen, jetzt werde auch noch die Stromzufuhr für die Lüftung gekappt und der Alarmauslöser ganz bewusst außer Funktion gesetzt. „Hier werden Grenzen maßlos überschritten“, sagte Holle angesichts der 900 Schweine, die auf dem Hof Röring qualvoll verendet waren. Die Gesellschaft solle die Diskussion um die Tierhaltung „wieder mit gesundem Menschenverstand führen“, lautete sein Appell.

Der Bürgermeister stimmte den Ausführungen zu, „dass der Blick auf die Landwirtschaft oft verzerrt ist“. Erschrocken sei er von den Leserbriefen im Fall Röring gewesen, insbesondere darauf, dass der Sabotage auch noch etwas Positives abgewonnen wurde. Täger meinte damit die Aussage eines Schreibers, wonach der Tod infolge des Lüftungsausfalls „eine Erlösung für die Tiere gewesen wäre“. Trotzdem würde er „ein allgemein schlechtes Image der Landwirtschaft“ nicht sehen. Gerade hier vor Ort könne er „sehr viel positive“ Sichtweisen feststellen.

Holle kündigte einen Ausbau der Aktion „Blütenpracht am Wegesrand“ an. Hier wolle man künftig den Einmündungsbereich von Seitenstraßen in den Focus nehmen und die Blumen dort an den Ecken der Felder säen, sodass dann dort kein hoher Mais mehr stehe. Dieses diene der Verkehrssicherheit, weil die Einmündungen nun besser einzusehen seien. „Vielleicht kann dies zu mehr Akzeptanz des Maisanbaus beitragen“.

Stimmungsfördernd ins Gewicht fiel für Holle, „dass die Afrikanische Schweinepest noch nicht da ist“. Und dass NRW sich gut gewappnet habe, falls sie dann doch mal kommen sollte. Mit Erleichterung nahm die Versammlung dann auch noch die Mitteilung von Heinrich-Ludger Rövekamp, Landwirtschaftskammer Coesfeld, zur Kenntnis, dass Bösensell wie auch ganz Senden bei der Nitratbelastung des Grundwassers „im grünen Bereich liegt“.

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