Premiere: Poetry Slam im Rathaus
Den Worten Flügel verleihen

Senden -

Sie boten Wort-Kunst mit einer möglichst packenden Live-Performance und stellten sich dem Votum ihres Publikums. Der erste Poetry Slam ging im Rathaus Senden über die Bühne. Dort war der Bürgersaal voll und die Begeisterung hoch. Weshalb Kulturamtschef Günter Melchers auf eine Wiederholung sinnt.

Sonntag, 10.02.2019, 18:10 Uhr aktualisiert: 11.02.2019, 15:30 Uhr
Sieger beim Poetry Slam in Senden: Emil Bosse
Sieger beim Poetry Slam in Senden: Emil Bosse Foto: hha

Flügel verleiht Emil Bosse seinen Worten. Federleicht scheinen sie zu wachsen zu ungeahnter Größe, nur um dann im nächsten Moment in sich zusammenzufallen. Auf leisen Schwingen sind sie dann aber schon entschwunden, windend durch die Wirren der Rhetorik, um den Zuhörer zu fesseln mit ihren Ketten geschmiedet aus Fantasie und Poesie.

Denn wer dem Poetry Slam-Künstler Bosse lauscht, kann sich nicht befreien von Eindringlichkeit, Witz und Leidenschaft seiner Texte: Nicht verwunderlich also, dass er beim ersten Sendener Poetry Slam den Sieg einfuhr. „Was wir heute gehört haben, ist wahre Literatur mit ganz erstaunlicher Sprachgewandtheit, Emotionalität und Authentizität“, brachte Zuhörerin Renate Willert-Barth die Begeisterung des Publikums auf den Punkt.

Erster Poetry Slam in Sendens Rathaus

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  • Boten Wort-Kunst und buhlten um die Gunst des Publikums: die Akteure beim ersten Sendener Poetry Slam.

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  • Vollbesetzer Bürgersaal beim Poetry Slam.

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  • Moderator Andreas Weber

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  • Sieger in Senden: Emil Bosse.

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  • Achim Leufker

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  • Axel Paul

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  • Daniel Wagner

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  • Kulturamtschef Günter Melchers (2.v.r.) sinnt auf eine Wiederholung.

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Tosender Applaus, Pfiffe und Beifallsrufe schienen die Fundamente des Sendener Rathauses erschüttern und zeugten davon, wie sehr die „Slammer“ ihre Zuschauer am Samstag mitrissen. Emil Bosse, Achim Leufker, Alex Paul und Daniel Wagner schwangen sich auf zu literarischen Höhenflügen und mussten sich nach ihren siebenminütigen Performances – Hilfsmittel waren dabei strikt verboten und nur Selbstgeschriebenes durfte beim Slam auf die Bühne gebracht werden – dem Urteil der Jury aus dem Publikum stellen.

Und räumten dabei richtig ab: Die Bestnote 10 zückten die Wertrichter gleich mehrmals. Das erste Mal für Daniel Wagner, der den Abend mit seinem Text über die berühmt-berüchtigte oder vielleicht eher angebliche deutsche Fortschrittlichkeit eröffnete und dabei auch nicht vor krassen Statements zurückschreckte: „Die AfD ist kein Tumor, denn der kann auch gutartig sein“, stellte Künstler Wagner aus seiner Sicht klar.

Obwohl er sich nach eigener Aussage „altersmäßig zwischen McDrive und Essen auf Rädern“ bewegt, meisterte Achim Leufker mit seinen Texten übers Altern, musikalische Überflieger und die Herausforderungen der Kindererziehung den Einzug ins Finale.

Mit seiner Botschaft und berührender Emotionalität landete Alex Paul direkt in den Herzen der Zuschauer des bis auf den allerletzten Platz gefüllten Bürgersaals. Denn den eigenen Dämonen müsse man sich stellen, betonte der Paderborner: „Steh auf, das tut sonst niemand anderes für dich“, appellierte Paul.

Alten Schachteln und ihren antiquierten Ansichten stellte sich Emil Bosse ebenso entgegen wie Spießern und überzogenen Männlichkeitsansprüchen: „Sogar Stricken, Häkeln und Nähen hab` ich gelernt und mich trotzdem nicht von meiner Männlichkeit entfernt“, betonte er – und hielt so der Gesellschaft ironisch den Spiegel vor.

Der überschäumenden Begeisterung des Publikums nach zu urteilen schienen die vier Slammer und Moderator Andreas Weber auch den Startschuss gegeben zu haben für eine neue Sendener Kultur-Institution: „Das war sicherlich nicht der letzte Poetry Slam in Senden“, versicherte auch Kulturamtsleiter Günter Melchers.

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